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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 167

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 167 (sequence 18)
Language
German
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167 ernstlich in Betracht kam (er erhielt 4818 Stimmen, seine drei Gegner zusammen l439). Trotzdem „rührte (nach Dt.-Soz. Bl. 17. 11. 98) der Provinzial-Vor sitz ende des Bundes keinen Finger für den Mg. Liebermann von Sonnenberg, obwohl die Wahlkreis-Versammlungen sich beinahe einstimmig gegen den konservativen Kandidaten erklärt hatten. Die „Deutsche Tageszeitung" ließ sich vielmehr wiederholt von einem Beauftragten des Nicht-Bundesmitgliedes von Schwertzell berichten, die allgemeine Stimmung sei gegen den Abg. von Lieb ermann. Dagegen ließ sie den wahrheitsgetreuen kurzen Bericht eines Mitgliedes des Bundes über den Ausfall der Generalversammlung zu Homberg einfach im Papierkorbe verschwinden. Und für die ungeheuere Wahlmache des Ziegenhainer Landrates (vgl. Ant. Jahrb. 99 S. 153) hatte sie kein Wort des Tadels." Die befremdliche Zurückhaltung des Provinzial-Vorsitzenden soll später damit entschuldigt worden sein, daß die Wahl von Liebermanns ja doch sicher gewesen sei. Das ist eine recht kahle Ausrede, denn auch eine sichere Wahl verlangt Aufwand an Geldmitteln und Arbeitskraft; auch hätte doch zum allermindesten die Bundesleitung die wahrheitswidrigen Wühlereien der „Deutschen Tagesztg." verhindern müssen, was sie kaum mehr als einen Wink gekostet hätte. Und diese Haltung der Bundesleitung sollte Herr von Liebermann obenein noch als eine Gunst ansehen, zum Entgelt für die er bei der Landtagswahl verzichten sollte. Die „Deutsch-Soz. Bl." (3. November 98) schildern die Vorgänge bei derselben wie folgt: „Man (die konservativ - landrätlichjüdische Partei*)) hatte den Provinzial- Vorsitzenden des Bundes der Landwirte für Hessen-Nassau, Herrn Felix von Gilsa zu folgendem merkwürdigen Verhalten bewogen. Herr von Gilsa leitete am 13. März eine Versammlung des Bundes für den Kreis Ziegenhain (nicht für den Wahlkreis Homberg- Ziegenhain). was doch eigentlich nicht Sache des Provinzial-Vorsitzenden, sondern des Kr eis-Vorsitzenden gewesen wäre. In dieser von Schwertzellschen, Baumbachschen und Wohl auch Dörnbergschen (diese drei Familien find die Großgrundbesitzer des Kreises) Pächtern besuchten Versammlung wurde beschlossen, bei der Reichstagswahl die Kandidatur des Abgeordneten von Liebermann, für den Landtag die des (konservativen) Abg. von Baumbach zu unterstützen. Herrn von Gilsa war dabei vollständig entgangen, daß dieser Beschluß schon deshalb ganz unzulässig war, weil er nur von einer Hälfte des Wahlkreises und in Abwesenheit und ohne Vorwissen des Wahlkreis-Vorsitzenden gefaßt war.^) Aber er kam in die Zeitung und beeinflußte von vornherein die öffentliche Meinung . . . (Es wird nun weiter berichtet, wie die Landratspariei diesen angeblichen Bundesbeschluß vor der Landtagswahl zur Agitation gegen von Liebermann benutzte. Vgl. Ant. Jahrb. 99 S. 149). Als der Abg. von Liebermann endlich Ende September persönlich in den Wahlkreis kommen konnte, fand er diese Vorarbeit seiner Gegner schon geleistet . . . Die Bundesflagge, die die Schwertzells (Landratspartei) mit List für ihren Kandidaten von Baumbach sich in der erwähnten Versammlung zu Neukirchen verschafft hatten, entriß ihnen der Abg. von Liebermann in offenem Kampfe. In der Generalversammlung des Bundes (für die Kreise Homberg und Ziegenhain) zu Homberg am 16. v. M. wurde er mit 60 gegen 2 Stimmen zum Kandidaten *) So kann man diese Partei wohl nennen, ohne sie zu kränken, wenn man berücksichtigt (ebenda), „daß die Judenschaft mit dem Landratsamte um die Wette für den konservativen Herrn von Baumbach agitierte. Es sind denn auch sogar zwei jüdische Wahlmänner gewählt, Moses Moses in Frielendorf und Juda Spier in Merzhausen, dem Wahlbezirke, wo das Schwertzellsche Hauptgut liegt!" — von Schwertzell, Landrat des Kreises Ziegenhain (vgl. Ant. Jahrb. 99, S. 153). -) Der Wahlkreis-Vorsitzende, Rittmeister Teichmann, Lembach, hat (Deutsch-Soz. Blätter 20.10. 98) in der später erwähnten Homberger General-Versammlung ausdrücklich sestgestellt, „daß vor der Reichslagswahl wohl eine Versammlung von Bundes-Mitgliedern in Ziegenhain getagt habe, daß diese aber von dem Nicht-Mitgliede von Schwertzell ohne seine Zustimmung und ohne daß er etwas von der Zusammenkunft gewußt habe, einberufen gewesen sei." Erstaunliche Zustände!

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