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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 166

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 166 (sequence 17)
Language
German
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166 Zugleich wird überall erzählt, Schack sei zu Gunsten des Mischmaschkandidateu Endemann zurückgetreten. Wer dies Gerücht in Umlauf setzte, war noch nicht zu ermitteln, daß es aber Wahlmache ist, ist klar, denn Herr Schack denkt nicht daran, auf die Frucht seiner wochenlangen Arbeit zu verzichten." So mußte also Schack das Verhalten der Bundesleitung im Erfurter Kreise auch dort büßen, wo er als Bundeskandidat „auf das Energischste" unterstützt werden sollte. Fm benachbarten Kreise Eschwe ge-Schmalkalden war gleichfalls der Kandidat und bisherige Abgeordnete der Deutsch-sozialen Reformpartei Pfarrer Jskraut als Bundeskandidat, und zwar einstimmig erklärt worden. Wie wenig ihm das nützte, ergiebt sich aus folgender Darstellung der „Deutfch-Soz. Bl." (16. Juni 98): „Da aber die Zeitungen diesen Beschluß totschweigen und der Kreisvorsitzende erst in den letzten Tagen einen Aufruf für ihn veröffentlichte, so werden wir lediglich auf unsere eigene Kraft angewiesen sein." Also nicht einmal da, wo es sich um Besitzstand der Deutsch-sozialen Reformpartei handelte, war Verlaß auf ernstliche Bundesunterstützung. Der Kreis ging den Antisemiten thatsächlich verloren. Ein ähnliches Manöver hinderte den nicht unmöglichen Sieg der Deutschsozialen Reformpartei in Meiningen. Dort stiegen die antisemitischen Stimmen von 1214 auf 2831. Hierzu bemerkten die „Deutsch-Soz. Blätt." (14. Juli 98); „Das ist ja ein ganz schöner Erfolg, unser Kandidat (Bundesmitglied), Herr Kurzhals aus Suhl, hätte aber eben so gut in die Stichwahl und damit zum Siege gelangen können, wenn nicht der Bund der Landwirte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Der Landesvorsitzende des Bundes, Herr Dankworth in Unterrhon gab die Parole aus, für den nationalliberalen Paascheeinzutreten. Erst unmittelbar vor der Wahl kam von der Zentrale des Bundes in Berlin ein Telegramm, worin der Wunsch ausgedrückt wurde, die Bundesmitglieder möchten nicht für Paasche, sondern für den Antisemiten stimmen. Dies. Telegramm wurde den Mitgliedern des Bundes aber nicht bekannt gegeben, vielmehr konnten die National-Liberalen sich auf ein Telegramm des Herrn Dankworth berufen, das das. Gegenteil besagte. Die annähernd 2500 Bundesmitglieder, die im Wahlkreise vorhanden sind, haben daher fast ausnahmslos für Paasche gestimmt. Hätte Herr Kurzhals auch nur einen Teil der Bundesstimmen, sagen wir 1500 bekommeu, so wäre er in eine aussichtsvolle Stichwahl gekommen." Das Verhalten des Herrn Dankworth ist um so eigentümlicher, als deu Bund wiederholt Protestversammlungen gegen Paasche gehalten und dieser wiederum den Bund gelegentlich heftig angegriffen hat (Dtsch.-Soz. Bl. 9. Juni 98). Trotzdem wurde vom Kreisvorstande nicht nur versucht, ihn als „Sammlungskandidaten" gegen das bereits kandidierende Bundesmitglied Kurzhals aufzustellen, sondern auch noch, nachdem Paasche erklärt hatte, sich dem Bunde gegenüber zu nichts verpflichten zu wollen (Dtsch.-Soz. Bl. 26. Mai 98), wurde das oben geschilderte Verfahren beliebt. Man sieht hieraus, daß man mit Angriffen gegen den Bund keineswegs ängstlich zu sein braucht; hat man nur den nötigen Anhang im Kreisvorstande, so darf man sich schon einmal einige Ausfälle gegen den Bund gestalten, ohne deshalb die Aussicht, als Bundes-Kandidat aufgestellt zu werden, gleich zu verlieren. Das Verhalten gewisser Bundesorgane zur Wahl in Fritzlar-Homberg- Ziegenhain vollends ist ganz unverständlich. Kandidat der Deutsch-sozialen Reformpartei war der bisherige Abgeordnete Lieber mann von Sonnenberg, an dem der Bund doch ganz gewiß nichts auszusetzen hat, er ist nicht nur eins der bekanntesten Bundesmitglieder, sondern war auch der einzige Bewerber um das Mandat, dev

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