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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 164

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 164 (sequence 15)
Language
German
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164 der Vertrauensmänner-Versammlung des Bundes erklärt, unser Wunsch ist es auch, daß Herr Jacobskötter gewählt wird. Herr Schack ist Bundesmitglied, wird aber nicht vom Bunde unterstützt. 3) Die Zentralstelle des Bundes der Landwirte in Berlin schreibt uns folgendes: „Wie uns von unserer Geschäftsstelle in der Provinz Sachsen gemeldet ist, hat sich eine Vertrauensmänner-Versamnrlung des Bundes der Landwirte im Wahlkreis Erfurt IV mit Majorität für die Kandidatur Jacobskötter erklärt. Wir geben Ihnen anheim, Herrn Schack selbst den- Wunsch auszusprechen, seine Kandidatur zurückzuziehen, und falls dies Herr Schack ablehnt, als Wahlkreisvorsitzender die Erklärung zu erlassen „daß der von den Vertrauensmännern offiziell anerkannte Kandidat Herr Jacobskötter- Erfurt sei". Wir hoffen, daß diese drei Mitteilungen dem Wahlausschuß der deutschen Reformpartei endlich genügen werden. Freiherr von Erffa, Schimmelschmidt,. Kreisvorsitzender. Bezirksvorsitzender. Man beachte die Reihenfolge der drei Punkte in der Anzeige. Erst die Versammlung der Vertrauensmänner, dann deren Mitteilung nach Halle und von dort die Mitteilung nach Berlin und infolgedessen die Weisung der Hauptleitung nach dem Wahlkreise. So ist der Gedankengang der Anzeige. In Wirklichkeit aber war die Reihenfolge der Vorgänge gerade die umgekehrte. Nicht weil die Vertrauensmänner im Ziegenrücker Kreise Herrn Jacobskötter als Bundeskandidaten ausgestellt hatten, hat ihn die Bundesleitung bevorzugt, sondern umgekehrt. Erst ist nach Berlin berichtet, Jacobskötter sei Kandidat des Bundes, und mit dem darauf am 6. Juni eingegangenen Schreiben hat man den Vertrauensmännern am 11. Juni, also wenige Tage vor. der Wahl, die Zustimmung abgerungen. Die letzteren mußten zustimmen, wenn sie nicht kurz vor der Wahl ihre beiden Vorsitzenden als Hintertreppen-Politiker schlimmster Art blosstellen wollten. Trotzdem die Herren Freiherr von Erffa und Schimmelschmidt wußten, daß weder der Inhalt des Schreibens aus Halle noch desjenigen aus Berlin der Wahrheit entsprach, indem beide irrtümlich von einer Vertrauensmänner- Versammlung im Ziegenrücker Kreis sprachen, die niemals statt gefunden hat, scheuten sie sich nicht, dieselben in falscher, die Thatsachen entstellender Folge für den konservativen Kandidaten zu benutzen. Welch schlechtes Gewissen die Herren vom Bunde nach ihrer Heldenthat hatten, zeigte sich am Tage vor der Wahl in einer Versammlung in Gr.-Rammsdorf. Als Herr von Pein sich anschickte, das Manöver den erstaunt aufhorchenden Wählern vorzuführen, machten die Herren Oekonomierat Schimmelschmidt und Rittergutsbesitzer Landgerichtsrat a. D. Herold durch Trampeln und Klappen mit Bierseideln einen solchen Lärm, daß die Versammlung geschlossen werden mußte. Aber damit noch nicht genug. Eine weitere höchst befremdliche Einmischung der Vundesleitung ergiebt sich aus den folgenden, uns im Original auf den bekannten Briefbogen des Bundes der Landwirte vorliegenden Briefen, die alle drei die Unterschrift „von Kiesewetter" tragen, und zwar der erste und dritte mit dem. Zusatze „Abteilung für Wahlsachen", der zweite „der Direktor i. A.", sich also als bundes amtlich e Schriftstücke darstellen. Die beiden ersten Briefe sind an Vertrauens-Männer im Wahlkreise gerichtet, der dritte an Herrn Schack; sie lauten: 1) „Berlin, den 18. Mai 1808. Sehr geehrter Herr! Wir erwidern auf Ihre gefl. Anfrage vom 15. huj., daß es sich nach eigenen Angaben der deutschsozialen Reformpartei, hinsichtlich ihres Kandidaten für den 4. Wahlkreis des Regierungsbezirkes Erfurt nur um eine reine Zählkandidatur handelt. Man glaubt seitens der Partei selbst nicht recht an einen Sieg der Kandidatur Schack. An sich ist Herr W. Schack-Haniburg eine durchaus empfehlenswerte und vertrauenswürdige Persönlichkeit, die in einem anderen Wahlkreise von den Mitgliedern"" des Bundes der Landwirte selbst aufgestellt ist. Wie nun aber einmal die Verhältnisse in Jhreni Wahlkreise liegen, so

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