Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9038025-9038027-423309--181-185161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
163 «aber seinen Aus-tritl ans dem Bunde KU erklären. Es wird hierbei KU erwägen sein, ob, falls derselbe nicht freiwillig sein Ausscheidenanzeigt, event. nachdem ihm von Seiten des Wahlvorstandes dies nahe gelegt war, sein Ausschluß auf -Grund des § 5 der Satzungen beim Bundesvorstand zu beantragen ist. Es muß jedoch unbedingt daran festgehalten werden, daß ein solcher Parallelkandidat mit seiner Mitgliedschaft beim Bunde auf keine Weise Propaganda macht oder durch andere machen läßt. Es ist ohne weiteres klar, daß mittels dieser „Wahlordnung" die alten Parteien die Stimmen genau so sicher beherrschten wie bei den preußischen Landtagswahlen, während für eine junge Partei, wie die Deutsch-soziale Reformpartei, kaum die Möglichkeit blieb, sich Raum zu schaffen. Ja, selbst dort, wo sie im Besitze war, konnte ein findiger Kreisvorstand wohl Gründe entdecken (vgl. Nr. 3), aus denen die Wiederwahl „unmöglich" war. Auch bot diese Wahlordnung die beste Handhabe, unbequeme Mitglieder abzuschieben, denn schon der Schlußsatz mit dem Verbot der „Propaganda mit der Mitgliedschaft" verlangt etwas für einen wahrcheitsliebenden Mann praktisch undurchführbares. Und zu alledem müssen wir leider feststellen, daß es an der ehrlichen Handhabung dieser „Wahlordnung" in vielen Kreisen gefehlt hat. Es liegen eine ganze Reihe von Fällen vor, in denen sich „der objektiv urteilende Takt" der betr. Bundesorgane keineswegs bewährt hat; man sich vielmehr kaum des Verdachtes erwehren kann, es fei mit geradezu unlauteren Mitteln versucht worden, das Wahlglück zu beeinflussen. Aus dem Wahlkreise Erfurt-Schleusingen-Ziegenrück liegt ein Bericht won beteiligter Seite vor, dem wir folgendes entnehmen: Im Mai 98 fand in Erfurt eine Versammlung der Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte der drei Einzelkreise statt. In dieser, sehr schwach besuchten Versammlung konnte eine Einigung Nicht erreicht werden, weil sich eine starke Strömung für die Kandidatur Schack (Deutsch-soziale Reformpartei) zeigte. Eine offizielle Abstimmung fand nicht statt, -eine private Probeabstimmung ergab eine kleine Mehrheit für die Kandidatur Schack. Nun war im konservativen Lager „Holland in Not", zumal in der Zwischenzeit Schack fleißig gearbeitet hatte, sodaß eine abermalige Versammlung und Abstimmung zweifellos eine Mehrheit für Schack gegen den bisherigen konservativen Abgeordneten Hacobskötter ergeben hätte. Herr Schack arbeitete mit seinen beiden Freunden Schneider und von Pein inzwischen rüstig weiter, die Gefahr einer Abschwenkung der bisher konservativen Landbevölkerung wurde von Tag zu Tag drohender. Zwar erließen die beiden Bundes-Vorsitzenden im Kreise, die konservativen Herren Freiherr von Erffa-Wernburg und Oekonomierat Schimmelschmidt-Gräfendorf Anzeigen, die Kandidatur Jacobskötter sei Bundeskandidatur, aber prompt folgte auch die Widerlegung durch den Schackschen Wahlausschuß. Da griff man zu folgendem Wahlmanöver: Ein konservatives Bundesmitglied fragte in Berlin bei der Bundesleitung an, wer Bundeskandidat im Kreise sei. Die Berliner Leitung fragte durch die Geschäftsstelle in Halle beim Freiherrn von Erffa an, und die Antwort lautete natürlich, Herr Jacobskötter sei Bundeskandidat. Und nun erschien in den Zeilungen folgende Anzeige: „Da der „Wahlausschuß der deutschen Reformpartei" die Berechtigung unserer Erklärung, „daß Herr Jacobskötter der alleinige Kandidat des Bundes der Landwirte sei", angezweifelt und den „Bauernfang" für Herrn Schack immer noch weiter betreibt, sehen wir uns zu folgendem Schlußwort genötigt: 1) Die Vertrauensmänner - Versammlung des Bundes der Landwirte im Kreise Ziegenrück hat sich einstimmig für Herrn Jacobskötter entschieden. 2) Die Geschäftsstelle des Bundes der Landwirte für die Provinz Sachsen schreibt wörtlich: In Erfurt hat man sich einstimmig für Herrn Jacobskötter in ii*