Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Es scheint demnach nur etwas — Klugheit dazu zu gehören, um die Unterstützung des Bundes zu erhalten. Gewiß, vor den Wahlen ist der Bund mit seiner engmaschigen Organisation und seinen großen Hilfsmitteln den Herren stets willkommen; aber nachher thun sie, was ihnen gut scheint. Und weil sich Undank am leichtesten durch Vorwürfe bemänteln läßt, führte auf dem konservativen Parteitage zu Dresden am 2. Februar 1898 Freiherr von Manteuffel Beschwerde, daß sich der Bund zu sehr mit den Antisemiten verquickt habe. Demgegenüber betonte Herr von Plötz wie üblich die Unparteilichkeit des Bundes, der er' alsbald ein seltsames Zeugnis ausstellte, indem er mitteilte, die Wahlunterstützungen des Bundes seien fast immer für konservative Kreise gezahlt, von den seit 1893 für Wahlen ausgegebenen 100 000 M. seien, wenn er nicht irre, den Annsemiten — 800 Mark zu gute gekommen für einen hannoverschen Kreis, in dem es keine konservative Partei gebe?) Mit Recht folgerte er daraus, daß von einer Bevorzugung der Antisemiten durch den Bund keine Rede sein könne. Eine solche ist von ihnen auch nie beansprucht worden, sondern nur ehrliche Neutralität, sie verlangen, daß er ihre Agitation und ihre Kandidaten nicht bekämpft und jedem seiner Mitglieder die Wahl läßt, für welchen Kandidaten sie stimmen wollen, wenn mehrere ausgestellt sind, die für die Bundesforderungen eintreten (Anr. Jahrb. 98 S. 121). So hatte ich denn auch für die Hauptversammlung des Bundes am 14. Februar 98 einen Antrag gestellt, der mindestens für die Fälle, in denen durch eine Doppelkandidatur der Kreis nicht gefährdet wird, den Bundesmitgliedern die Freiheit der Abstimmung gewahrt wissen wollte. Anstatt aber diesen Antrag zur Verhandlung zu bringen, legte Bundesdirektor Dr. Hahn Vorstandsresolutionen vor, die genau das Gegenteil, völlige Entrechtung nicht nur der Minoritäten, sondern unter Utnständen auch der Mehrheit der Mitglieder durch die Kreisv orstünde bezweckten. Jeder der einmal einer solchen Versammlung im Zirkus Busch beigewohnt hat, wird sich nicht wundern, daß diese Vorstandsanträge debattelos angenommen wurden. Sie bilden dre Grundlage zu der vielbesprochenen „Wahlordnung" des Bundes, die dann, weiter ausgebaut, als maßgebend und bindend für die Buudesmitglieder proklamiert wurde. Ihre Hauptbestimmungen sind die folgenden tbie Zahlen sind nur der besseren Uebersicht wegen beigefügt): 1) Der Bund ist nicht parteipolitisch und kann daher den Kandidaten jeder Partei unterstützen, sofern er mit den Grundsätzen des Bundes übereinstimmt. 2) Eine eigene Kandidatur wird der Bund nur da aufstellen, wo Kandidaten, die den vorstehenden Grundsätzen entsprechen, von keiner Seite aufgestellt werden, insbesondere auch da, wo die Person des Kandidaten den Bundesmitgliedern die erforderliche sichere Gewähr nicht bietet, demgegenüber aber die besondere Aufstellung einer Bun-! deskandidatur große Aussicht auf Er-! folg hat. 3) Wo ein Abgeordneter bisher gewählt war, der die Bundesforderungen; energisch vertreten hat, ist es Pflicht,! denselben wieder zu wählen. Ist; d ies aus irgend einem Grunde unmöglich, und die Partei, die die; h errschende im Kreise ist, ist eine solche,; die die Forderungen des Bundes grund-! sätzlich anerkennt, so daß deren Kandidat von den Bundesmitgliedern wird unier-! stützt werden müssen, so müssen diese sich 9 Ter Grad der „Unparteilichkeit" des Bundes zeigt sich hierbei am besten, wenn man berücksichtigt, daß wahrend der in Betracht kommenden Zeit nach überschläglicher Berechnung und unter Beiseitelassung der unwichtigsten Zählkandidaturen, die nur wenige hundert Stimmen erbrachten, dN Antisemiten an 20, die Deutschkonservativen und die Reichspartei zusammen an 30 Ersatzwahlen beteiligt waren und daß es sich in nicht weniger als vier Füllen sür die Antisemiten um die Verteidigung ihres Besitzstandes handelte. 11