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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 160

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 160 (sequence 11)
Language
German
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160 die mit Hülfe des Bundes gewählt seien. Namen werden jedoch klüglich nicht mehrgenannt. Es ist überhaupt nicht möglich, zu erfahren, welche Abgeordnete denn, nun eigentlich der Bund als die seinigen betrachtet. Selbst ein Vorstandsmitglied,, an das wir uns wandten, konnte keine Auskunft hierüber geben. Man ist seit jeneo nationalliberalen Abschüttelung anscheinend sehr vorsichtig gewordenman fürchtet Wohl, neue Absagen zu erhalten, wenn man diesen oder jenen mit Namensnennung in Anspruch nimmt. Das hindert die Herren aber nicht, mit solchen unfaßbaren allgemeinen Angaben für sich Stimmung zu machen. Nach den preußischen Landtags-Wahlen <27. Oktober und 3. November 98) erklärte die „Deutsche Tageszeitung" in einem Aufsatz „Unser Sieg!" sogar, es seien über 220 Abgeordnete gewählt, „die als bundesfreundlich und in agrarischen Fragen zuverlässig gelten können und vom Bund der Landwirte entweder aufgestellt oder unterstützt worden sind". . . „Der Bund als solcher kann mit seinem Erfolge vollkommen zufrieden sein." „Sieg?" fragte demgegenüber die „Voss. Ztg." (5. Nov. 98) an; über wen hat der Bund denn gesiegt? „Der Liberalismus ist im neuen Abgeordnetenhause mindestens nicht schwächer als im alten. Auch das Zentrum einschließlich seiner polnischen Hilfstruppe ist insgesamt jedenfalls nicht geschwächt.... Es ist freilich sicher, daß die Bundesleitung nach ihrer politijchen Methode glänzende Erfolge erzielen muß, auch wenn sie an dem Wahlkampf überhaupt nicht teilnimmt. Denn sie nimmt jeden Konservativen und manchen anderen Abgeordneten in Anspruch, ganz gleich, ob er sich um die Unterstützung des Bundes bemüht oder bekümmert oder die Herren Hahn und Genossen vornehm über die Achsel angesehen hat. . . . Gegen die Freisinnigen, gegen die Nationalliberalen in Hannover, gegen das Zentrum hat sich der Bund als völlig ohnmächtig erwiesen. Zwei glänzende „Siege" hat der Bund allerdings errungen; er hat ein konservatives Mandat dem Antisemiten Werner Ueber diese „Zuverlässigkeit" konnte dieselbe „Deutsche Tagesztg." am 5. Juli 99 ein hübsches Stücklein berichten. Der konservative Abgeordnete von Negelein, Landrat zu Marburg, hatte s. Zt. den Bündlern versprochen, er werde überall voll, und ganz für die Interessen der Landwirtschaft eintreten; speziell wegen der Kanalvorlage könne er ein bindendes Versprechen nicht abgeben, werde jedoch niemals für den Kanalbau stimmen, wenn durch denselben Interessen der Landwirtschaft verletzt würden.. Daraufhin wurde er von den Bundesmitgliedern unterstützt und auch durchgebracht. Als die Frage nun brennend wurde, ersuchten ihn die Bündler nochmals, „ja gegen die Kanalvorlage zu stimmen", und erhielten darauf den Bescheid, daß er „im Laufe der Verhandlungen und nach genauerer Kenntnis der Vorlage die Auffassung gewonnen habe, daß die an den Kanal geknüpften Befürchtungen im ganzen zu weitgehende seien und er sich ohne weiteres daher nicht auf Seiten der Kanalgegner stellen könne, und daß er bei der demnächstigen Abstimmung lediglich nach seiner aus den sämtlichen Verhandlungen geschöpften Ueberzeugung verfahren werde, sollte er dabei auch nicht den Beifall des Bunoes der Landwirte erringen." m die Hände gesprelt isoll wohl heißen,, überlaffen müssen. D. Verf.) und in Minden-Lübbecke nur durch Vertragsbruch, wenn die „Kreuz-Ztg." zutreffend berichtet, Herrn Rehling statt des konservativen Herrn Stroffer in das Abgeordnetenhaus geschickt. Für den Liberalismus sind diese „Siege" gleichgiltig; vermutlich hätte auch die „Deutsche Tagesztg.", wenn, statt der Herren Rehling und Werner ihre konservativen Nebenbuhler gewählt wären, darum nicht minder.220 „Zuverlässige" gezählt und ihren Äufsatz betitelt: „Unser Sieg.". . . Wären die Wahlen irgend nennenswert anders ausgefallen, wenn es gar keinen Bund der Landwirte gegeben hätte? Wäre unter den 220 auch nur ein halbes Dutzend dann nicht gewählt worden oder wären sie dann minder „agrarisch zuverlässig" gewesen?"

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