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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 159

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 159 (sequence 10)
Language
German
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159 geordneten zu durchsetzen, daß man sie nicht wiedererkennen könne. .... Nur schade, daß die Nationalliberalen selbst nichts davon wissen wollen, schrieb doch beispielsweise die „Kölnische Zeitung" bald nach den Wahlen, als sich das Ergebnis übersehen ließ: „Die von vielen Seiten geteilte Befürchtung, daß ein größerer Teil der Fraktion die Wege des Bundes der Landwirte zu wandeln geneigt sein würde, scheint sich glücklicherweise nicht zu verwirklichen; es wird uns von zuständiger Seite versichert, daß nicht ein einziger der Gewählten auf das Programm des Bundes der Landwirte eingeschworen ist"." Ja, was nützte es da dem Bunde und der Landwirtschaft, wenn die „Dtsche. Tagesztg." rühmte, daß sich schon von den Gewählten des 16. Juni nicht weniger als 66 namentlich aufgeführte Abgeordnete, darunter auch eine Anzahl National- Liberaler mit den wesentlichen Forderungen des Bundes einverstanden erklärt hätten, und wenn der Bund das Wolff'sche Bureau veranlaßte, eine Siegesmeldung zu verbreiten? Die Antwort der Parteien blieb nicht aus. Die parteiamtliche „Nationalliberale Korrespondenz" bemerkte in ihrer widerwärtig hämischen Art: „Ueberraschend war uns, daß man sich an die offiziöse Telegraphenagentur gewandt, und noch überraschender, daß sich die offiziöse Telegraphenagentur thatsächlich dazu hergegeben hat, den Versuch, die bei Vermittelung von Thomasphosphatmehl'') befolgten Praktiken auf das politische Gebiet zu übertragen, mit der Autorität zu unterstützen, die sie von der Regierung entlehnt. Das ist das Gröblichste an Preßunfug, was in den letzten Tagen vorgekommen ist." Und von der anderen Seite kam die „Kreuz-Ztg." mit ebenfalls recht deutlichen Betrachtungen über Mißerfolge des Bundes bei den Wahlen. Der Bund habe über großen Einfluß nicht verfügt und es sei ihm auch nicht beschieden gewesen, den Konservativen zu bedeutsamen Erfolgen zu verhelfen. „Wir konstatieren", so-lautet das Ergebnis, „diese Thatsachen in aller Ruhe und Objektivität und ohne Animosität gegen den Bund, aber unzweideutig geht daraus hervor, daß es schlechte Freunde des Bundes waren, die ihm den Rat geben wollten, Partei zu spielen und sich an die Stelle bestehender Parteien zu setzen. Ferner sieht man deutlich, daß der Bund die konservative Partei gar nicht entbehren kann; denn er hat dort am wenigsten geleistet, wo ihm keine konservative Wählerschaft zur Seite stand. Möchten die Bundesleiter nicht auf die Ohrenbläser hören, die ihnen Emanzipation von der konservativen Partei anraten." Weiter heißt es sodann: „Wir führen die Sprache des wahren Freundes, der in der Absicht, gutes zu wirken, nicht bloß Schmeicheleien, sondern auch mahnende Worte spricht. Der Bund wird blühen und seine Feinde überwinden, wenn er den Anschluß an die konservative Partei festhält; wendet er sich von ihr ab, sucht er unter allerhand Vorwänden selbständige Parteipolitik zu treiben, so sägt er selbst den Ast ab, auf dem er sitzt." Die Bundesorgane fuhren allerdings trotzdem fort die Wahlerfolge des Bundes zu rühmen. Das graue Büchlein rechnet (S. 27) heraus, es säßen im Reichstage 76 Abgeordnete, die Bundesmitglieder, und 120 (Jene 76 einschließlich), 0 Ueber diese Thomas Phosphat mehl-Affaire urteilte (Ende Oktober 99) die der nationalliberalen Partei sonst nahe stehende „Rhein. Westsäl. Zeitung": „Unsere Leser entsinnen sich, daß zur Zeit der letzten Landtagswahlen maßlose Angriffe gegen die Leiter des Bundes der Landwirte in nationalliberalen Blättern erschienen. Diese Angriffe gingen von nationalliberalen Kreisen in der Stadt Hannover aus und wurden insbesondere im „Hannoverschen Courier" und der „Nationalliberalen Korrespondenz" verarbeitet. Darnach sollte der Vorstand des Bundes der Landwirte seine Milglieder beim Thomasmehl-Verkauf geradezu betrogen haben; die „Nationalliberale Korrespondenz" hetzte jeden Tag den Staatsanwalt hinter dem Vorstand her und zitierte bereits die Paragraphen, nach denen die Vorstandsmitglieder nur mit Gefängnis bestraft werden könnten. Die wirkliche Unterlage der ganzen Sache war gar nichts anderes als ein gemeines W a h l m a n ö v e r , wie es sich derart wohl noch nie in als in Deutschland eine Partei einer andereli gegenüber erlaubt hat. Aber „Agrariern" gegenüber ist ja alles erlaubt."

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