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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 158

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 158 (sequence 9)
Language
German
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158 Verhallen gegenüber den meistbegünstigten Staaten, Nordamerika und England, auf das deutlichste hervorträte. Ebenso würde das Großkapital, dessen Interessen denen der produktiven Arbeit vielfach diametral entgegenstehen, fortgesetzt seitens der Regierung begünstigt, wie sich u. a. in der großen Nachsicht mit der dem Börsengesetz von 96 fortgesetzt Hohn sprechenden Berliner Börse, in der Duldung der Stempelhinterziehung für Ultimogeschäfte, in dem Reichsbankgesetz, in der Münznovelle und in vielen anderen Dingen auf das deutlichste zeige." (Deutsche Tagesztg. 5. Jan. 1900). Noch erbitterter kam die Enttäuschung der Landwirte auf einer Bundesversammlung zu Ratingen bei Düsseldorf am 6. Januar 1900 zum Ausdruck, sodaß sich Dr. Hahn nach den Mitteilungen der „Dtsch. Tagesztg." (9 1. 1900) gemüßigt fühlte, abzuwiegeln. Einer der Redner, Gutsbesitzer L i tz-Schönrather verlangte rund heraus, der Bund „solle ohne bestimmte Gegenleistungen seitens der Negierung weder der Flottennoch der Kanalvorlage zustimmen", und erntete dafür nach dem Bericht des genannten Blattes Beifall, „Rheinlands Landwirte können zur derzeitigen Regierung kein Vertrauen mehr haben." Das ist der Grundton, der durch die Bundeskundgebungen der letzten Wochen geht. Aber was beweist das? Doch jedenfalls, daß der Bund der Landwirte auf Negierung und Gesetzgebung keinen Einfluß besitzt; denn sonst hätte es anders kommen müssen. Die Abrechnung, die die Herren Rösicke, Hahn u. s. w. der Regierung Vorhalten, ist doch zugleich eine sehr traurige Bilanz für den Bund. Woran liegt das nur, daß er so gar wenig geleistet hat? Doch offenbar daran, daß er bei den Wahlen seine Machtmittel nicht in geeigneter Weise verwendet, sie an Kandidaten verthan hat, die hinterher nicht für die Forderungen der Landwirtschaft mit der nötigen Entschiedenheit eingetreten sind. Denn an Mitteln hat es nicht gefehlt, im Gegenteil, abgesehen von den internationalen jüdischen Organisationen, Alliance israelite, Zionismus und Sozialdemokratie, hat keine Partei annähernd die Mittel aufgewendet wie der Bund. Die „Staatsb.-Ztg." vom 8. Juni 99 rechnet der Bundesleitung darüber das folgende vor: „Der Bund hat zwischen den Wahlen von 1893 und 1898 jährlich mehr als 400 000 Mark eingenommen, das macht für fünf Jahre im ganzen über zwei Millionen Mark. Diese ansehnliche Summe ist für Agitation und Organisation ausgegeben oder für den Wahlsonds zurückgelegt worden. Ein Teil der laufenden Beiträge ist für wirtschaftliche Zwecke ausgegeben worden, es darf dabei aber nicht übersehen werden, daß dem Bunde seine wirtschaftlichen Einrichtungen in der Hauptsache Mittel für politische Zwecke sind, kann man doch viele kleinere Landwirte nur dadurch politisch interessieren, daß man ihnen wirtschaftliche Vorteile gewährt. Die Agitation des Bundes ist denn auch den bedeutenden dafür aufgewendeten Mitteln entsprechend eine außerordentlich rege gewesen. „Und die Erfolge? Die Hilfsmittel des Bundes sind vorzugsweise der konservativen Partei zu gute gekommen. Im Jahre 1893 brachten es die beiden konservativen Parteien auf 1476788 Stimmen und 100 Abgeordnete, sie erzielten im Jahre 1898 (wenn man an den amtlichen Zahlen die erforderlichen Berichtigungen vornimmt) 287 217 Stimmen und 21 Mandate weniger, trotz der Unterstützung des Bundes. Nun hat dafür der Bund als solcher auf eigene Kandidaten 110 389 Stimmen vereinigt und 6 von seinen Kandidaten durchgebracht. Rechnet man diesen Gewinn von dem konservativen Verlust ab, so bleibt ein Verlust von 176 828 Stimmen und 15 Mandaten übrig. Ueber die Erfolge, die der Bund etwa im Westen des Reiches innerhalb des nationalliberalen Besitzstandes erzielt haben tonnte, ist es außerordentlich schwer, bestimmte Angaben zu machen. Die bündlerische Presse versichert, daß es gelungen sei, die nationalliberale Partei so stark mit landwirtschaftsfreundlichen Ab-

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