Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9038025-9038027-423309--171-185151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
153 „Diesen Ausführungen gegenüber versuchte ein demokratisch-antisemitischer Wortführers vergeblich dadurch Zwietracht zwischen unserm Bund und dem gewerblichen Mittelstand zu säen, daß er in getreuer Uebereinstimmung mit der liberalen - freisinnigen Presse den Bund mittelstandsfeindlicher Handlungen bezichtigte. Zum Ausgangspunkte nahm er dabei (?) eine Anzeige der Verkaufsstelle für Maschinen, in der u. a. die Ankaufsvermittelung von Fahrrädern, Nähmaschinen usw. angeboten wurde. Der Vorsitzende unseres Bundes Herr Dr. Rösicke-Görsdorf nahm in Erwiderung auf diesen gehässigen (?) Angriff Veranlassung öffentlich zu erklären, daß bei dieser Ankündigung nur eine ungeschickte und kompetenzwidriqe Handlung des betr. Beamten vorliege." Da die Thatsache nicht bestritten wird, ist der Verfasser noch heute der Ansicht, Mud zwar gerade weil die „liberale-freisinnige Presse" die Sache zur Sprache gebracht hat, daß es Pflicht des Bundesvorstandes ist, den Mitgliedern reinen Wein einzuschänken, wie eine solche „Kompetenzwidrigkeit" möglich gewesen ist und wie es in Zukunft verhindert werden kann, daß der gewerbliche Mittelstand durch dergleichen mißbräuchliche Bekanntmachungen beunruhigt wird. Am bescheidensten drückt sich das graue Büchlein über den „Erfolg" in der Frage der Landespferdezucht aus (wobei unbeachtet geblieben ist, daß gerade ein Nicht-Bundesblatt, die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung", auf diesem Gebiete besonders energisch gewesen ist), es heißt da: „Gew isseIAnzeichen lassen die Annahme berechtigt erscheinen, daß der Standpunkt der Regierung in dem vom Bunde geforderten Sinne sich zu verschieben beginnt." Zum Schluß geht das Büchlein dann noch kurz auf die Erfolge bei den Wahlen ein; wir werden diesen wichtigen Punkt im zweiten Teil unserer Besprechung ausführlicher beleuchten und wenden uns nun zu den „Erfolgen auf politischem Gebiete" (S. 6 ff.). „Da ist zunächst das 1896 im Reichstag angenommene Börsen ge setz zu nennen, dessen wichtigste Bestimmungen anerkanntermaßen durch den Bund der Landwirte durchgedrückt worden sind (S. 5 u. 6.) . . . Da ist ferner von hervorragender Wichtigkeit das nach harten Kämpfen durchgesetzte Verbot des Terminhandels in Getreide und Mühlenfabrikaten (S. 7). . . . Ein weiteres Gesetz, an dessen Zustandekommen der Bund der Landwirte hervorragend mitgewirkt hat und dessen Durchführung er daher auch als einen seiner Erfolge in Anspruch nehmen kann, ist das am 1. Oktober 97 in Kraft getretene Margarinegesetz (S. 10). . . . Die Verhütung noch weiterer Abschwächung des Viehs e u ch en- Grenzschutzes darf der Bund der Landwirte gleichfalls auf seine aufklärende Thätigkeit zurückführen (S. 12). Ein weiteres auf die Besserung unserer landwirtschaftlichen Verhältnisse hinzielendes Gesetz, das im Jahre 1894 zu stände kam, und an welchem der Bund der Landwirte in hervorragender Weise beteiligt war, ist das Gesetz über Einrichtung von Landwirtschafts-Kammern (S. 14 und 15). . . . Die Gründung der preußischen Zentral-Genossenschaftskasse, die ebenfalls auf die Anregungen des Bundes der Landwirte zurückzuführen ist (S. 16). Unter der thatkräftigen Unterstützung des Bundes gelangte im preußischen Landtage ein Gesetz zur Annahme, wonach aus der preußischen Staatskasse für Kleinbahnbauten eine Gesamtsumme von zunächst 21 Millionen Mark zur Verfügung gestellt wurde. Diese Summe ist freilich eine sehr bescheidene, wenn man bedenkt, daß in dem preußischen Etat für die Jahre 1897/98 allein für Unterhaltung, Erneuerung und Ergänzung der baulichen Anlagen für Normalspurbahnen 218 Millionen Mark eingestellt worden sind (S. 18 f.). . . Der Bund der Landwirte hat ferner bei der praktischen Durchführung des Gedankens hervorragend mitgewirkt, große G e - treidespeicher anzulegen, die von Getreideverkdufsgenossenschaften verwaltet werden (S. 19). . . 9 Dieser Vorwurf, „demokratisch" zu sein, ist anscheinend bei den Bundesorganen zur Zeit Mode: -Herr Rösicke sagte im Reichstag am 14. 12. 99: „thatsächlich werden wir demokratisch regiert".