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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Bund der Landwirte bei den Wahlen. · p. Seite 151

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Bund der Landwirte bei den Wahlen.
Date
1900-01-01
Page
Seite 151 (sequence 2)
Language
German
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151 Abgeordneten, die als „Bundeskandidaten" gewählt worden find, denselben so ohne weiteres zustimmen würden, während z. B. alle Abgeordneten der Deutsch-sozialen Reformpartei, auch diejenigen, die vom Bunde nicht unterstützt oder gar bekämpft wurden, für dieselben eintreten bezw. eingetreten find, ehe es einen Bund der Landwirte gab. Schon bedenklicher aber ist es, daß es im weiteren fS. 24) heißt: „Wie ernst es der Bund der Landwirte mit dem Schutze des Standes der Gewerbetreibenden und Handwerker nimmt, möge die Thatsache beweisen, daß er im Jahre 1896 für die Gewerbeordnung eingetreten ist und ein Jahr später auch für die Handwerkervorlage, die durch eine planmäßige Organisation dem Handwerke wieder zur Blüte verhelfen will." — Das soll doch wohl heißen, daß die Abgeordneten, auf die der Bund bezw. seine Leitung Einfluß ausüben konnte, für die zum Gesetz gewordene Handwerkervorlage gestimmt haben. Dann hat fich hierbei gerade gezeigt, daß „der Bund", wenn auch vielleicht guten Willen, so doch nicht die nötige Einflcht und Sachkenntnis gehabt hat, denn diese verwässerte Handwerker-Organisation hat sich in keiner Weise bewährt, und der Erfolg hat gezeigt, daß der einzig richtige Standpunkt dieser Vorlage gegenüber der war, den trotz aller Anfeindungen die Abgeordneten der Deutsch-sozialen Reformpartei, auch diejenigen, die dem Bund der Landwirte angehörten oder als „Bundeskandidaten" gegolten hatten, einnahmen, indem fie diese Vorlage als schädlich ablehnten. Wenn sodann (S. 25) rühmend hervorgehoben wird, der Bund babe gegen die „berüchtigten Abzahlungsgeschäfte" und den unlauteren Wettbewerb gewirkt; so wollen wir das im großen Ganzen genommen nicht bestreiten. Ein besonderes Verdienst erwächst dem Bund aber schwerlich daraus, denn die Bewegung gegen diese Auswüchse des Erwerbslebens ist, längst ehe es einen Bund der Landwirte gab, von den Antisemiten entfacht worden. Was da geschehen ist (und es ist dem unlauteren Wettbewerbe gegenüber bekanntlich herzlich wenig) ist eine Frucht des jetzt vielfach mit Nasenrümpfen sogenannten „Radauantisemitismus". Doch weiter! — „In neuester Zeit ist von dem Bunde auch gegen die Großwarenhäuser und Ramschbazare (und V e r s a n d g e s ch ä f t e) zu Felde gezogen worden" (S. 25). — Das läßt sich nicht bestreiten; gegen Wertheim usw. haben die Redner und Zeitungen des Bundes oft genug gewettert; aber es steht hier Theorie und Praxis offenbar im denkbar schärfsten Widerspruch miteinander. Dies wurde vom Verfasser als Bundesmitglied in einer Bundes-Versammlung am 11. Dezember 1899 in Berlin warnend hervorgehoben und unter anderem darauf hingewiesen, daß gerade die im Bunde maßgebenden Herren oft recht wenig Verständnis oder guten Willen für die Erhaltung des gewerblichen Mittelstandes beweisen. So habe Herr von Podbielski, seiner Zeit Brandenburgischer Provinzial-Vorsitzender des Bundes, als Leiter des Offizier-Vereins dessen mittelstandschädigende' Warenhauspolitik gerade in Blüte gebracht, und es werde in der Provinz viel geklagt, daß gerade die Wortführer des Bundes ihren Bedarf durch den Offizierverein deckten; es sei vorgekommen, daß ein Bundeskandidat und Kreisvorsitzender des Bundes (Ritterschafts - bankdirektor von Saldern in Perleberg bei der Nachwahl in der Westprignitz, Oktober 1897), nachdem er den Handwerkern und Gewerbetreibenden Schutz und Förderung versprochen hatte, habe zugeben müssen, daß der gegen ihn erhobene Vorwurf, er beziehe seine Kleidung aus dem Offizierverein, nicht unzutreffend war?) i) Herr von Saldern suchte die Sache allerdings dadurch abzuschwächen, daß er erklärte, nur seine Beinkleider im Offizierverein gekauft zu haben. Für die grundsätzliche Frage dürste das ohne Be-

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