Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Ein kritischer Spaziergang durch M. Lazarus' Ethik des Judentums
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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147 „'Kontinuität des (jüdischen) Geistes", welche das Rätsel ft löse, daß der kleine Volks- Pamm der Juden sich am Leben erhalten habe, während alle die großen und mächtigen Nationen des Altertums zu Grunde gegangen seien (§ 266). Aus dem Zusammenhänge der Gemeinschaft aber folge eine Steigerung des Selbstbewußtseins (ja das werkt man!) und eine Erhöhung der Würde jedes Einzelnen; auch auf den Aermsten im Volke falle noch ein Schimmer von dem Ruhmesglanze (!), den die Gesamtheit erworben. Wie L. nun auf die Gesamtheit kommt, werden die Fälle hervorgehoben und besprochen, in denen die Vereinigung der Menschen unter einander besonders zu Tage tritt; solche sind besonders: die Ehe, Kulturthätigkeit, Krieg und Frieden. Da diese Punkte ausführlich im 2. Bande behandelt werden sollen, so können wir uns ihre Besprechung bis dahin verspüren. Nur über den Krieg und L.'s Stellung dazu einiges. Wie gemeinsame Andacht, gemeinsame Belehrung, gemeinschaftlicher ästhetischer Genuß musikalischer oder dramatischer Art, (daher die judenüberfüllten Theater-nur aus rein ethischen Gründen!) ein Volksfest, ein Volksmnglück l!) eine sonst getrennt lebende Mehrheit von Menschen zu gleichen, besonders idealen (?) Zwecken einigen, also dem ethischen Ziele ihrer inneren Vereinigung dienen (8 280) — so auch der Krieg, dem aber dieser Umstand (der Vereinigung) ein so leidiges (soll heißen: leider ein solches) Uebergewicht im Gemüte der Völker gegeben habe (§ 281). Der Krieg übe einen zauberischen Reiz (?) durch die Thatjache, daß hier (!) in einem Heere ein großer Teil, oft ein (!) bester Teil des Volkes .zusammenstehe und zusammenwirke zu einem gemeinsamen Zwecke, der das Ganze, die Gesamtheit, das Vaterland angehe. Je mächtiger und namentlich je glänzender (also das ist die Anziehungskraft für den Juden!) aber alles Heerwesen in den Augen der Menschen sei, desto nachhaltiger müsse immer wieder daran erinnert werden (ja, ja, der Säbel haut, die Flinte schießt!), daß der Krieg zwar die Einzelnen verbinde, aber die Völker trenne. Vom Standpunkte der Menschheit aus gesehen, stehe also der Krieg sehr tief, sei er der Abgrund aller ethischen Kultur, denn im Gefolge habe er Massenmord, Dauerhaß und das ganze Otterngezücht des rohesten Wettkampfes, des Neides, der Rachsucht, welches das sonst unschuldige Volksgemüt (o, ihr Lämmlein!) vergifte, weil es Uebelthat als Tugend, Zerstörung und Vernichtung als Segen preise. Dagegen habe im rabbinischen Geiste die Theorie des Völkerfriedens (ä la Bertha!) die edelsten und reichsten Blüten getrieben. — Nun, die Ansichten über Krieg und Völkerfrieden sind, auch in ethischer Hinsicht, sehr geteilt, man denke z. B. nur an unseres Moltke Anschauungen über diesen Punkt! — Da können wir wohl die jüdische Anschauung sich selbst überlassen, um so mehr als ihr, nach Lazarus zu urteilen, das Verständnis für die Berechtigung des Krieges als äußersten Mittels der Notwehr für unterdrückte, ausgewucherte, aber innerlich gesunde Völker ganz zu fehlen scheint. Daß L. in seiner jüdischen Ethik den allgemeinen Völkerfrieden fordert, ist erklärlich, schon aus dem Grunde, weil in seinem Schutze „der Mensch (d. h. Jude) in der Berufsarbeit, in Peru Schaffen für andere (wie selbstlosI) den eigenen persönlichen Erfolg (also poch!) suchen könne." Was nun zum Schluß nochmals den Verkehr der Menschen untereinander betrifft, so sollen Recht und Billigkeit walten (wohlfeile Redensarten!) und den Egoismus eindämmen, ja der Egoismus soll zu Gunsten des Nebenmenschen wirksam überwunden werden. Wer wird denn auch dem Juden Egoismus Zutrauen? Zunial wenn L. die i) Vergl. Giese, Judenfrage, S. 19 ff. 10*