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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Ein kritischer Spaziergang durch M. Lazarus' Ethik des Judentums · p. Seite 144

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Ein kritischer Spaziergang durch M. Lazarus' Ethik des Judentums
Date
1900-01-01
Page
Seite 144 (sequence 14)
Language
German
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„bewußten Unterlassen" des Verbotenen. Daß diese Pflicht aber als eine rein äußerliche aufgefaßt wird, giebt L. §213 zu: „Die Gesetzlichkeit wird oft zum Aeußersten. auch zum Aeußerlichsten (!) getrieben, auch in Gebieten, wo man es am wenigsten erwarten sollte." Im nächsten Abschnitte (Naturgesetz und Sittengesetz) findet sich die Bemerkung (die so recht für die modernen Juden zugeschnitten ist), daß zu den sittlichen Aufgaben auch die Bearbeitung des Bodens, die Pflege und Veredelung seiner Erzeugnisse gehöre (§ 228); im Talmud werde gelehrt, daß vier Dinge besonders energischer Hingebung bedürfen: die Kulturthätigkeit, zivilisatorische Schöpfung, Industrie und Verkehr. (!) An dieser Stelle (§ 238) spricht L. auch von der menschlichen Natur (meinen kann er natürlich nur die jüdische) und kommt dabei zuerst auf den „sinnlichen Trieb", dessen gewöhnliche Bezeichnung das Wort „Jezer“ (d. h. Zusammenfassung aller finnlichen Triebe) sei und den er „im rabbinischen Geiste" als den Lebens¬ und Handlungstrieb des Menschen überhaupt, die Energie der lebenerhaltenden und lebenerzeugenden Kraft bezeichnet1). Darum sei auch der talmudische Ausspruch vollberechtigt: „Ist ein Mann größer als der andere, so ist auch sein Jezer, seine ursprüngliche — auch sinnliche (aha! vgl. vorher die Anmerkg.) Energie (?), sein Thätigkeitsdrang größer." Ebenso echt talmudisch entschuldigt L. diese Auffassung in der Anmerkung: „In neuerer Zeit hat man oft gehört, daß das Maß des Genies und der Leidenschaft einander entsprechen." So kann man alle Ausschreitungen der (jüdischen) „Genies" entschuldigen und versucht es denn auch meistens. Den Gegensatz gegen das Sittliche will L. jedoch nicht in der Sinnlichkeit des Menschen finden, wie es religiöse und ethische Systeme der Kulturvölker fälschlich thäten. (Selbstverständlich darf doch die jüdische Sinnlichkeit dem Juden den Weg zu den „höchsten ethischen Zielen" nicht versperren.) Schlimmere Feinde (als das Sinnliche) jeder wahren sittlichen Erhebung seien zwar natürliche, aber nicht sinnliche Triebe wie Neid, Mißgunst, Ehrgeiz, Hochmut, Uebermut, Herrschsucht, Rachsucht u. s. w. Andere (nämlich ethische Systeme) seien zur Verachtung der Sinnlichkeit gelangt — das Judentum sei von diesem psychologischen Irrtum verschont geblieben (§ 242), „wenn wir von einigen Autoren, namentlich des Mittelalters2), die unter dem Einflüsse fremder Gedankengänge standen, absehen." L. will auf die Sinnlichkeit (als echter Jude) durchaus nicht verzichten, sondern erklärt (§ 243) frei heraus: „Nicht Bekämpfung, sondern Beschränkung, nicht Vernichtung, sondern Läuterung, nicht Unterdrückung, sondern Veredelung der natürlichen (d. h. doch wohk sinnlichen) Triebe fordert die Sittenlehre des Judentums." Auch damit ist L. noch nicht zufrieden, sondern erklärt im Anschlüsse an und im überzeugten Einverständnisse mit dem Talmud weiter (§ 246): „Ein zu geistigem Streben befähigter Mann (und das sind ja selbstverständlich alle Juden) hat etwas weit Besseres zu thun, als seinen Leib zu kasteien." Voll Ueberzeugung fügt er (§ 257) hinzu, daß Scherz und Spiel, Tanz und Lustbarkeit der jüdischen Lebensführung weder fremd noch feindlich sei. Nein, das ist allerdings nicht der Fall. Sonderbarerweise soll aber das gewerbsmäßige Hazardspiel im höchsten Maße verpönt sein (na, na!), und zwar aus verschiedenen Vgl. dazu Anhang Nr. 37: „Mag immerhin (!) bei Jezer auch an den Sinnestrieb und seine Ausschweifung gedacht sein/"- 2) Vgl. Anhang Nr. 44: „die grausame, besonders den Talmud verfolgende Borniertheit des. Mittelalters!"

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