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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Ein kritischer Spaziergang durch M. Lazarus' Ethik des Judentums · p. Seite 138

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Ein kritischer Spaziergang durch M. Lazarus' Ethik des Judentums
Date
1900-01-01
Page
Seite 138 (sequence 8)
Language
German
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138 Mangel an Individualität und Produktivität. Bestätigung dafür bietet auch der Umstand, daß unter deutschen Schülern die gedankenreichsten, in denen am meisten Persönlichkeit steckt, ausgesprochene Abneigung gegen das „Lernen" zeigen. Da sie aber mehr als Durchschnittsbefähigung haben, so kommen sie mit. Was „das Wissen" betrifft, so erklärt L. an anderer Stelle, daß alles Studium, alle Beschäftigung mit Wissen und Erkenntnis schon früh und dann mehr und mehr nicht bloß als allgemeine ethische Pflicht, sondern zugleich als höchste und edelste religiöse (!) Uebung angesehen wurde. Im Zusammenhänge damit führt er als überaus wichtige Thatsache an, daß die Ausbreitung der sittlichen Erkenntnis in unmittelbare Verbindung mit dem Gottesdienste selbst gebracht wurde, ja daß sie der eigentliche Mittelpunkt des Gottesdienstes früh geworden und bis heute geblieben sei. Das bedeutet mit anderen Worten eine priesterliche Schulmeisterherrschaft, wie sie sich ein anderes, regeres Volk, beispielsweise das deutsche, gewiß nicht gefallen ließe. Am Schluffe dieses Abschnittes (§ 78) findet sich die (übrigens auch unterschiedlich wiederholte) Behauptung, daß alle Ethik (wohlgemerkt: jüdische) nach ihrem innersten Triebe und höchsten Ziele Sozialethik sei-wir meinen allenfalls „Rassenethik". Ebendort die ganz unbewiesene Behauptung, daß da, wo jede verleumderische Anklage alle trifft, — (natürlich ist jede Anklage gegen einen Juden „verleumderisch", weshalb aber fühlen sich denn immer alle getroffen?) sich die ethische Gesamtperson schneller und fester bildet, sowie daß ein schwerer Fehltritt, ein Verbrechen des Einzelnen als eine „Sünde in der Gemeinde" mit Gewissenspein und Büßfertigkeit (na, na!) empfunden wird, weil dadurch der sittliche Bestand der Gesamtheit jedem als verringert erscheint (?). — Man sollte meinen, wir hätten nachgerade genug Beispiele vom Gegenteile. Geradezu frivol ist der in der Anmerkung herangezogene Vergleich, daß man im deutschen Volke dergleichen in den 70 er Jahren bei den Attentaten auf Kaiser Wilhelm mit Entsetzen gefühlt habe. — Im folgenden Abschnitte wird als Prinzip der jüdischen Sittenlehre (§ 81) bezeichnet der durch die ganze rabbinische Litteratur sich gleichmäßig hinziehende Gedanke, daß das göttliche Wesen selbst und die Erkenntnis seiner sittlichen Eigenschaften, verbunden mit dem Streben, dieselben im Endlichen nachzubilden, Norm und Grund des Sittlichen zugleich sei. Die Sittlichkeit sei nicht erst durch die Sinaitische Gesetzgebung geschaffen (§- 85), sondern entspringe aus ihrem eigenen Wesen und der Beschaffenheit des Menschen (?). Der Talmud unterscheide genau zwischen den Vernunftgesetzen, also denjenigen, die an sich, unbedingt und unabhängig von einer Gesetzgebung, Gesetze sind, und ritualen und formalen Verordnungen, die nur durch ihre Einsetzung zu Gesetzen werden. Was zunächst den Gottesbegriff betrifft, so heißt es § 142: „Wenn verschiedene Völker verschiedene Götter-Haben, so ist ein jeder derselben notwendig der Gott seines Volkes, er ist ein Nationalgott. Gott, als der Eine erkannt, neben dem kein anderer ist, kann nicht Nationalgott sein; mit der steigenden Erkenntnis, mit der Vertiefung der religiösen Idee verschwindet die nationale Beschränkung und Beschränktheit des Gottesgedankens." Daß trotzdem für das Judentum Jahwe rein und absolut Nationalgott war und geblieben ist — darüber brauchen wir uns an dieser Stelle wohl nicht mehr auszulassen. Was ferner das Streben anlangt, die sittlichen Eigenschaften des göttlichen Wesens in der Endlichkeit nachzubilden, so erkennt § 160 sehr gnädig an, daß die Fähigkeit zur sittlichen Erhebung und das höchste erreichbare Ziel derselben für den

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