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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Ein kritischer Spaziergang durch M. Lazarus' Ethik des Judentums · p. Seite 137

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Ein kritischer Spaziergang durch M. Lazarus' Ethik des Judentums
Date
1900-01-01
Page
Seite 137 (sequence 7)
Language
German
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137 .geht daraus hervor, daß er den jüdischen Historiker Graetz (Anhang Nr. 17) nicht bloß einen scharfsinnigen, sondern auch „erfindungsreichen" (!) Historiker nennt. Das ist doch sonst Wohl keine gerade löbliche Eigenschaft eines „Historikers". Trotz allen Zweifels an ihrer Zuverläsfigkeit will L. aber doch die „Heroen des Talmud" als Quellen der jüdischen Ethik gelten lassen, neben denen er noch die „neueren streng wissenschaftlichen Kommentare" heranzieht. Wer giebt nun aber die Gewähr dafür, daß diese richtiger sind als jene (wenn auch nur gelinde) angezweifelten Quellen? Diese „Lichtseiten" der streng wissenschaftlichen Forschung, wie er fich ausdrückt, verlegt Lazarus in den Text, das Uebrige, d. h. also die Schattenseiten, folgt hinten im Anhänge. Uebrigens darf man sich von der streng wissenschaftlichen Forschung Wohl keinen allzu hohen Begriff machen, denn L. giebt bald darauf zu, daß die Gesinnungen und Prinzipien in Bibel und Talmud von den Denkern und Lehrern nirgends verleugnet oder bestritten oder auch nur wesentlich verändert werden. Also völlige Unfruchtbarkeit bei dieser Art von Wissenschaft, gänzliche Erstarrung! „Durch diese unausgesetzte und grenzenlose (!) Verwendung des biblischen Wortes — so fährt Lazarus § 7 fort — wird eine geistige Thatsache ganz eigener, wunderbarer Art erzeugt" — eine Thatsache, die (Anmerkg. 2) merkwürdig, noch nicht beachtet und gewürdigt sei, obwohl sie in der geistigen Schöpfungsweise anderer Völker kaum ihres Gleichen habe — (wie kann man denn auch an der Unvergleichlichkeit der jüdischen geistigen Schöpfungsweise überhaupt nur zweifeln!) — es werde nämlich dadurch nach L. herbeigeführt: „eine erstaunliche Einheit im Gehalte des nationalen Geistes, eine einheitliche Ausbildung und Fortbewegung überlieferter ,Ideen, eine gegenseitige Durchdringung sittlicher Lehren, Gesinnungen und Willensrichtungen" -schade, daß es schon zu Ende ist! Ein unglaublicher Wortschwall! — Wenn Lazarus int Folgenden mehrfach und mit Betonung ausspricht, daß die jüdische Ethik keinen fremden Einflüssen zugänglich ist, so widerspricht er dem dann selbst wiederholt, indem er z. B. (§ 12) sagt, daß Maimonides im Grunde genommen die Ethik des Aristoteles vorträgtft, — ferner (§ 13), daß der jüdische Geist und seine hervorragenden Vertreter oft genug durch die Kenntnis der Geistesarbeit anderer Nationen befruchtet worden sind (na, also!), wenn auch z. B. bei Maimonides neben aller Belehrung und Führung in der Form (!) durch einen fremden Geist der wesentliche Gehalt der jüdischen Weltanschauung erhalten und selbständig bleibt. — Sehr natürlich! Denn naturam expellas furca, tarnen usque recurret. Wenn nun in den weiteren Ausführungen des ersten Kapitels über die Kenntnis des Gesetzes, die der sittlichen Lehre gleichgestellt wird, gehandelt wird, ferner über den jüdischen Sinn für die Erkenntnis und jüdischen Wissensdurst, wobei das Wissen als Quelle der geläuterten und befestigten Gesinnung und als wichtiges Moment der ethischen Aufgaben des Menschen hingestellt wird, so muß ja der „Wissensdurst" der Juden anerkannt werden; nur daß es meist der eines .Kriminalstudenten ist. Sie wollen überdies, wo keine unlauteren Motive mitspielen, lernen, was sie nicht schaffen können: die Lernbegier entspringt aus J) Vgl. dazu Anhang Nr. 14: „Erstaunlich bleibt es, daß dem Maimonides der weltweite Abstand Aristotelischer Sittenlehre von der des jüdischen Geistes (wieso nicht: jüdischen Sittenlehre?) entgangen 'ist, so sehr entgangen, daß er beide miteinander vermischt hat" — und Anhang Nr. 20: „Für die Tiefe der ethischen Betrachtung des Maimonides ist ein glänzendes Zeugnis, daß er, obwohl Aristoteliker, den .Zusammenhang aller Sittlichkeit .... mit so großem Nachdruck betont."

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