Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Thätigkeit der Deutschsozial-reformerischen Abgeordneten in den Volksvertretungen während der Session 1898 - 99.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 12)
- Language
- German
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119 aus BilligkeitsrückstchLen weibliche Kräfte zu beschäftigen, sprach sich Abg. Vielhaben am 6. Februar 1899 scharf aus unter Hinweis darauf, daß sie als staatliche Behörde sich in erster Linie berufen fühlen müsse, bei Anstellungen gewisse soziale Verpflichtungen des Staates gegenüber anderen, männlichen Kreisen im Auge zu behalten, wie etwa den zivilversorgungsberechtigten Militäranwärtern gegenüber, die schon jetzt allzusehr und künftig bei dem wachsenden Bedarf des Heeres an Unteroffizieren noch immer mehr den Gemeinden aufgedrängt werden müßten. Abg. Werner griff ebenfalls das System an, Frauen und ebenso halbwüchsige Knaben als Postbeamte heranzuziehen. Den Verband der Po st unterbeamten nahm er gegen die Annahme, daß er im ganzen nicht monarchisch sei, nachdrücklich in Schutz. Am selben Tage schilderte er außerdem die ungünstige Lage, in die die Post- -assistenten geraten seien, weil der Bestand der Stellen nicht allmählich entsprechend vermehrt würde. Auch sprachen er und Abg. von Liebermann ihre lebhafte Freude darüber aus, daß die langjährigen Wünsche der Postunterbeamten nach leichter Sommerkleidung und Gehaltszulagen nunmehr erhört worden seien. Für die Kanzleisekretäre im Reichsamt des Innern befürwortete Abg. 'Werner eine Gehaltserhöhung, für die Sekretarialassistenten des Statistischen Amtes eine genau bestimmte, einheitliche Berechnung des Dienstalters. Auch eine von Justizkanzleigehülfen an den preußischen Landtag gerichtete Bittschrift um Verbesserung ihres Einkommens überwies die Kammer auf ffeinen besonderen Antrag der Regierung zur Berücksichtigung. Die Wünsche der Handwerker und Gewerbetreibenden wurden, so oft sich Gelegenheit bot, in den Volksvertretungen zum Ausdruck gebracht. Heeresbedürfnisse nur vom Erzeuger selbst zu beziehen, diesen Satz stellte Abg. von Liebermann als Richtschnur für die Heeresverwaltung in seinen Ausführungen zum Reichshaushalt auf. Und zwar nicht nur die landwirtschaftlichen, sondern auch alle die anderen, da sie bei richtiger Einteilung der Behörden der Handwerker ebensogut zu liefern vermag wie der große Heereslieferant. Und die hessischen Landtagsabgeordneten dehnten diesen Satz weiter aus auf alle staatlichen Arbeiten überhaupt. Daß in letzter Zeit vielfach die Garnisonen aus kleinen Städten, wo sie ganz besonders wichtig für den Mittelstand find, nach größeren Städten gelegt würden, tadelte der Abg. von Liebermann bald darauf. Die Bäckereiverordnung brachte Abg. Vielhaben wieder zur Sprache. Er hielt der Regierung vor, daß diese vom grünen Tisch aus erlassene Vorschrift müttlerweile außer von den Bäckern selbst auch vom Ausschüsse für Arbeiterstatistik und sogar von ihren einstigen Förderern selbst als verfehlt erkannt worden sei. Im Interesse der Fleischer wendete sich Abg. Müller am 11. Januar 1899 als Sprecher der Fraktion gegen die ungeheuer anwachsende Einfuhr von Fleisch. Er gab eine eingehende Darstellung davon, was für ein vernichtender Wettbewerb daraus allmählich auch für das Fleischergewerbe entstehen müsse, und empfahl dringend oin Verbot für die Behörden, Firmen zu Lieferungen zuzulaffen, die solches Fleisch führten 9. *) In Altona erkrankten am 15. Juli 1898 165 Mann vom 3. Bataillon des 31. Infanterie-Regiments nach dem Genuß von amerikanischem Schweinefleisch; das in diesem Falle vertragswidrig geliefert war, denn der Lieferant war verpflichtet, Fleisch von nur in Hamburg oder Altona geschlachteten -Schweinen zu liefern, und der Vertrag mit ihm soll nach diesem Vorsall sofort aufgehoben worden sein