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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Thätigkeit der Deutschsozial-reformerischen Abgeordneten in den Volksvertretungen während der Session 1898 - 99. · p. Seite 116

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Thätigkeit der Deutschsozial-reformerischen Abgeordneten in den Volksvertretungen während der Session 1898 - 99.
Date
1900-01-01
Page
Seite 116 (sequence 9)
Language
German
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116 abgesehen noch von den fürchterlichen Roheiten, die ganz besonders hierbei, wie die tägliche Erfahrung beweise, fortgesetzt vorkämen. Welche Berechtigung hätte denn aber überhaupt das Judentum, ein so verwerfliches Vorrecht für sich in Anspruch zu nehmen? Thatsächlich gar keine! Die Behauptung, daß das Alte Testament es vorschreibe, sei falsch, denn die fraglichen Stellen enthielten ja gar nicht den ihnen untergelegten Sinn. Sie sei — und hierin sei in Wirklichkeit der springende Punkt zu finden — lediglich ein Vorwand, um das zähe Streben der Rabbiner zu verdecken, die Bestimmungen des Talmuds in unverminderter Kraft und damit dieses wichtige Bindemittel des Judentums völlig unversehrt zu erhalten. Deshalb weg mit dem Schächten! Wie jedoch bei der Zusammensetzung des Reichstags nicht anders zu erwarten war, fand der Antrag nicht sonderlichen Anklang und gelangte überhaupt vor der Vertagung des Reichstags nicht mehr in die dritte Lesung.-) Auch Abg. Pfisterer sprach zur Schächtfrage. Er ersuchte den Landtag, ein Gesuch der badischen Tierschutzvereine um Verbot des Schlachtens ohne vorherige Betäubung der Regierung zu überweisen. Allerdings auch er ohne Erfolg. Ferner gab Abg. Mampel bei anderer Gelegenheit eine Ueberstcht über die verderbliche Güterschlächterei der Juden auf dem Lande und forderte, daß hiergegen nach Möglichkeit eingeschritten würde. Einen weiteren Anlatz, die Judenfrage anzuschneiden, boten die Beratungen über das Reichsbankgesetz. Abg. von Liebermann verbreitete sich darüber, wie die Leitung der sogenannten Reichsbank eigentlich von Juden beeinflußt und fast völlig beherrscht werde, da der maßgebende Bankausschuß zum wesentlichen Teile aus Großjuden bestehe. Diese, vielfach zugleich Leiter der großen Emissionsbanken (argentinische, griechische, portugiesische Papiere!), bestimmten also bei der ungeheuer großen Einwirkung der Bank schließlich mehr oder minder das ganze Geschäftsleben. Und zugleich würden ihnen ihre in Anteilen angelegte Kapitalien mit ungefähr 7—8^/2'v. H. (also etwa 5 v. H. höher als Anleihen) vom Reiche verzinst. Aber über diese Liebesgabe, die das Reich wahrlich selbst besser gebrauchen könne, schriee die liberale Presse nicht. Deshalb müsse immer wieder darauf gedrungen werden, daß der ganze Betrieb der Reichsbank vom Reiche übernommen J) Sehr geistreich begründete der Freikonservative v. Siebemann seine Ablehnung des Antrags: Als er in Schleswig-Holstein — vor dessen Einverleibung! — wirkte, habe er beobachten können, daß auch bei anderen Schlachtarten Grausamkeiten vorkämen. Deshalb sei er der Ansicht, daß das Schächten, gut ausgesührt, die humanste Tötungsart sei! Noch interessanter waren die Auslassungen des süddeutschen Demokraten H o s f m a n n, der seine Rede mit dem Eingeständnis begann, daß er zwar auf Grund seiner w i s s e n s ch a ft l i ch e n Untersuchungen (er ist Professor der Stuttgarter tierärztlichen Hochschule) Gegner des Schächtens sei, daß er aber trotzdem, weil die Rabbiner sich für das Schächten erklärt hätten, gegen den Antrag stimmen würde und auch nicht vor einiger Zeit sein Gutachten gegen das Schächten abgegeben hätte, wenn ihm dies es damals schon bekannt gewesen wäre! -) Bemerkenswert war übrigens auch folgender Vorgang, der bisher noch nicht in die Oefsentlichkeit gedrungen ist. In der Fraktionssitzung des Zentrums äußerte ein Abgeordneter die Absicht, in zweiter Lesung für den Schüchtantrag sprechen zu wollen. Man sollte denken, daß hiergegen nichts eingewendet worden wäre, da ja dadurch kein grundlegender Programmpunkt der Partei verletzt werden konnte. Aber Herr Lieber ist ein großer Freund st ramm er Fraktionszucht. Ergo wurden die „kleinen Mittel", so in der Fraktion üblich zu sein scheinen, in Anwendung gebracht. Durch freundschaftliches Zureden, mehr oder minder sanften Zwang u. s. w. wurde der allzu selbständigkeitslüsterne Abgeordnete denn auch glücklich dahin gebracht, sein verbrecherisches Unternehmen aufzugeben. Jedoch scheint dieser kleine Vorfall wenigstens den gestrengen Reichsregenten etwas über Stimmungen in den Kreisen der Zentrumswähler aufgeklärt zu haben, denn in der zweiten Lesung klang sein Urteil über den Antrag schon ein gut Teil milder.

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