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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Parteien innerhalb des modernen Judentums. · p. Seite 106

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
Date
1900-01-01
Page
Seite 106 (sequence 21)
Language
German
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106 Juden geschloffen. „Das ist bis jetzt die erste und einzige Leistung des Zionismus. Ist das nicht das Ende des Zionismus?" Die Zionisten wußten sehr Wohl, daß die erste Bedingung für das Gelingen ihrer Bestrebungen ein wohlgefüllter Geldsack sei. Sie gründeten deswegen die „jüdische Kolonialbank", die ein Kapital von vierzig Millionen Mark zur Verfügung haben sollte. Die Zeichnungen blieben aber weit hinter den gehegten Erwartungen zurück. Den Stand der Angelegenheit erfährt man nicht genau. Aus einer in der statutenmäßigen Versammlung der Kolonialbank Mitte Juli d. I. zu London gehaltenen Rede des Vizepräsidenten Kaan ersehen wir, daß die Subskription am 28. März eröffnet wurde. Am 29. Juni, also nach drei Monaten war die erste Viertelmillion Aktien sä 1 Pfund Sterling) gezeichnet. Das wären also erst fünf Millionen Mark, die sich auf über 100 000 Aktionäre verteilen. Man sieht, daß sieb nur die wenig bemittelten Juden beteiligt haben; daher der Zorn Nordaus auf die Reichen. Wir haben gesehen, daß innerhalb der Judenschaft viele Parteien bestehen, die einander heftig und manchmal nicht mit den reinlichsten Waffen bekämpfen. Orthodoxe und Liberale, Rabbiner und Zionisten, reiche westeuropäische und bettelarme verkommene polnische Juden hassen einander mit echt jüdischem Haß. Wer aber daraus schließen wollte, daß die Juden ihren Wirtsvölkern deswegen weniger gefährlich seien, irrt sich sehr. Wenn die Juden alle einer Parteirichtung angehörten, würde es im Gegenteil viel leichter sein, sie zu bekämpfen und zu besiegen. Gerade ihre Spaltung giebt ihnen ein proteusartiges Aussehen; manches, was man der einen Partei vorwirft, gilt nicht für die andere. Wirft man den Juden ihr starres Festhalten an den alten Satzungen und Gebräuchen vor, so wird auf die Reformer verwiesen, die sich möglichst ihrer Umgebung zu assimilieren versuchen und den größten Teil der alten jüdischen Zeremonialgesetze, die Speisegesetze gänzlich über Bord geworfen haben. Wirft jemand dagegen den westeuropäischen Juden vor, daß sie sich den Schein zu geben lieben, als gingen sie völlig in den Wirtsvölkern auf, so erheben sich die Zionisten und sagen: Es fällt uns nicht ein. Deutsche werden zu wollen; wir sind und bleiben Angehörige der ersten Nation der Welt, des auserwählten Volkes des Herrn! Trotz der so großen Verschiedenheit, trotz der scheinbaren Spaltung und Zerrissenheit unter den Juden sind doch alle einig in dem Streben, möglichst reich, angesehen und einflußreich zu werden. Und ein mächtiger Rasseninstinkt läßt sie alle inneren Streitigkeiten als relativ belanglos beiseite schieben, sobald es sich um eine Angelegenheit handelt, die dem jüdischen Machtgelüste Abbruch thun könnte. Das konnte man in geradezu klassischer Weise bei Gelegenheit der Dreyfus-Affaire beobachten. Für orthodoxe und liberale Juden, für mehr oder weniger Getaufte und für Zionisten war Drehfus der makellose, unschuldig leidende Tugendengel. In betäubendem, gleichtönendem Wutgeheul wurde in den Blättern der verschiedensten Richtungen jeder beschimpft, der es wagte, an der völligen Reinheit des jüdischen Offiziers zu zweifeln. Dasselbe Verhalten können wir zur Zeit dem wegen Beihülfe am Morde eines jungen Mädchens verurteilten böhmischen Juden Hülsner gegenüber beobachten. Von allen Seiten werden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, als ob von der Freisprechung des verkommenen Judenbengels das Wohl der Menschheit abhinge. Wenn man eine Skala bezüglich der Gefährlichkeit der einzelnen jüdischen Parteien für uns aufsteüen wollte — es handelt sich hier, wie wir ausdrücklich betonen wollen, nur um geringe Abstufungen! — so würden wir sagen: am gefähr-

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