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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Parteien innerhalb des modernen Judentums. · p. Seite 105

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
Date
1900-01-01
Page
Seite 105 (sequence 20)
Language
German
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105 Die Führer der modernen Zionisten, die Herzl und Nordau beabsichtigen Palästina zu einem jüdischen Staate zu machen. Natürlich will der Sultan aber das Land nicht hergeben. Am Anfang dieses Jahres hat er die weitere Einwanderung von Juden und fernere Landankäufe durch Juden streng verboten. Hirsch Hildesheimer schreibt aus diesem Anlaß („Jüd. Pr.", 1899, Nr. 6): „Es kann bei keinem halbwegs Unbefangenen ein Zweifel darüber herrschen und es muß endlich einmal offen ausgesprochen werden, daß auch dieses schwere Unheil auf das große Schuldkonto des „politischen" Zionismus zu setzen ist. Wir sehen voraus, daß diese Anklagen von den redegewaltigen Beglückern und Oberrichtern des jüdischen Volks mit dem ihnen eigenen Pathos zurückgewiesen werden; aber alle gekünstelten Leitartikel und alle geschwollenen Redeleistungen werden un.s nicht hindern, diese Anklage zu begründen und zu wiederholen." In der folgenden Nummer seines Blattes fährt der erboßte Rabbiner fort: „So lange die Besiedelung des heiligen Landes als bloßes Hülfswerk, ohne Beimengung und Hineintragung wie irgend gearteter politischer Neben- und gar Haupt- Absichten betrieben wurde, lag kein Anlaß vor, ihr Hindernisse in den Weg zu legen, geschweige denn, sie völlig unmöglich zu machen. Seitdem aber hochfliegende Pläne eminent politischer Natur damit verquickt und von einer lärmenden Agitation in Wort und Schrift als der alleinige, letzte Zweck ausgeschrieen wurde, begann die türkische Regierung die Kolonisation als politische Aktion zu betrachten, die nach politischem Kalkül zu betrachten sei. Jeder halbwegs Unbefangene mußte diese Entwicklung der Dinge voraussehen, und man erstaunte nur, daß das, was jetzt geschehen ist, nicht schon längst, unmittelbar nach dem Auitauchen der unglückseligen „Judenstaat"-Propaganda geschehen ist. Das Zögern der Regierung des Sultans bezeugt auf das Klarste, daß sie nicht leichthin und vorschnell zu jenen Maßnahmen sich entschlossen hat, daß die Fortspinnung jener Propaganda und die zu ihrer Verwirklichung unternommenen „diplomatischen" Schritte die Gefahr „politischer Komplikationen" näher gerückt haben." „In der That gehört ein phänomenaler Grad von Kurzsichtigkeit und Naivität dazu, sich einer Täuschung darüber hinzugeben, daß die Dinge mit unabweislicher Notwendigkeit die Entwicklung nehmen mußten, die sie nun leider genommen haben. Durfte man wirklich vermeinen, daß die türkische Regierung einer derartigen Verfügung über einen ihrer Landesteile in beschaulicher Ruhe unthätig gewähren lassen würde? . . . „Der Judenstaat ist aus dem Programm ausgeschaltet," sagen die Zionisten, um diese doch wahrhaftig mehr wie naheliegenden Erwägungen zu entkräften. Aber selbst wenn dies wirklich der Fall sein sollte, glaubt man, daß die Türkei darum weniger Grund zu Mißtrauen und Vorsicht zu haben meine? „Ilnter Garantie der Großmächte" soll die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" in Palästina geschaffen werden. Und zu einer derartigen — gelinde gesagt — Schmälerung ihrer gerade in Palästina so ängstlich gehüteten Souveränitätsrechte wird die Türkei jemals freiwillig ihr Placet erteilen?" Die liberale „A. Z. d. I." (1899, Nr. 7) bläst in dasselbe Horn. In einem „das Ende des Zionismus" überschriebenen Artikel sagt sie: „Der wesentliche Inhalt des Vortrages, welchen Dr. Nordau in Berlin, Wien und Köln gehalten hat, war folgendes: Die Neichen sitzen aus ihrem Geldsack, die Protestrabbiner liegen im Staube vor dem Götzen Mammon, die Gebildeten sind nicht gebildet genug für das ün-ll6-8i6el6-Judentum der Herren, die trägen Massen sind noch erst zu erobern: was bleibt dann noch übrig vom Zionismus? Ein Generalstab ohne Truppen." . . Die Türken haben die Grenzen des heiligen Landes für die Einwanderung von

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