Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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103 Heute können wir das Assimilationsansinnen als eine Thorheit oder eine Beleidigung zurückweisen. Die von uns die Assimilation fordern, wissen entweder immer noch nicht, daß man aus seiner Haut nicht heraus kann, dann sind sie Thoren, oder sie wissen es, dann muten sie uns schändliche, alltägliche Selbstverleugnung und Selbsterniedrigung zu, die darin bestände, daß wir Ariertum heucheln, unsere Instinkte unterdrücken und in die uns gar nicht passende Haut der Arier hineinschlüpfen, d. h. sie beleidigen uns tödtlich." Das sind sehr wertvolle Zugeständnisse, die mit einer bei Juden sehr seltenen Offenheit und Ehrlichkeit gemacht werden. Unsere antisemitische Bewegung, der man von seiten ihrer Feinde so häufig jeden Erfolg abstreitet, hat doch eine nicht zu unterschätzende Wirkung gehabt, wenn sie Juden zu der Ueberzeugung gebracht hat, daß ein Semit so wenig ein Deutscher werden kann, als ein Chinese eine amerikanische Rothaut. Zur Durchführung ihrer Pläne gebrauchen die Zionisten selbstverständlich viel, sehr viel Geld. Aber die jüdische Großfinanz steht ihnen sehr kritisch gegenüber und hält ihre Taschen zu. Darüber sind die zionistischen Führer sehr erboßt. In einem anfangs 1899 zu Wien gehaltenen Vertrage äußerte sich Herr Südfeld, genannt Max Nordau folgendermaßen über die reichen Juden (die „Welt" 1899 Nr. 5): „Der Staatsmann, der Aristokrat, der hohe Offizier, der Professor, der vom Zionismus gehört hat — denn das haben unsere Feinde mit allen ihren Künsten nicht zu verhindern vermocht — fragt den jüdischen Millionär, mit dem er verkehrt: „Was ist denn das mit dem Zionismus?" — und erhält als Antwort entweder ein verächtliches Achselzucken oder die lächelnde Auskunft: „Eine Narrheit einiger obskurer Skribler, die von sich reden machen wollen, und einiger russischer Juden, die nichts anderes sind als verkappte Nihilisten." Kein Wunder, daß die Frager sich mit dieser Aufklärung bescheiden und uns dann in dem Lichte sehen, in dem die jüdischen Millionäre uns ihnen zeigen. Es wird uns nicht oft Gelegenheit geboten, die gefälschte Meinung zu berichtigen, und es ist der zionistischen Bewegung, namentlich in ihren ersten Wegstrecken, natürlich sehr hinderlich, daß sie von den christlichen Kreisen nicht recht gewürdigt wird, deren Wohlwollen für sie ungemein wichtig wäre und auf deren Wohlwollen der Zionismus bestimmt rechnen könnte, wenn die christliche Welt über ihn besser unterrichtet wäre." . . . „Die jüdischen Millionäre haben kein Recht, im Namen des jüdischen Volks zu sprechen, denn sie kennen es nicht und haben keine Fühlung mit ihm. Alle ihre Aeußerungen über den Zionismus sind deshalb rein persönliche Meinungen, die bloß das Gefühl der Sprecher selbst und ihres engsten Gesellschaftskreises ausdrücken. Daß die jüdischen Finanzgrößen aber keine Zionisten find, das ist verständlich. Ihr Reichtum gewährt ihnen alle Befriedigungen, die man sich um Geld verschaffen kann — und es giebt heutzutage nur sehr wenig Befriedigungen, die nicht ihren Marktpreis haben. Weshalb sollten sie Zionisten sein? Um ihre materielle Lage zu verbessern? Das haben sie nicht nötig. Um einem geschichtlichen und sittlichen Ideal zu dienen? Sie haben kein Ideal, und die bloße Nennung dieses Wortes genügt, um ihre Heiterkeit oder ihr Mitleid zu erregen. Um der Beschimpfung und Verfolgung zu entgehen? Sie leiden nicht darunter. Für sie besteht nämlich der Antisemitismus tatsächlich nicht. Sie gehören zu den bevorrechteten Ständen. Sie werden vom Staat mit Orden, Adelstiteln, Berufungen ins Herrenhaus ausgezeichnet. (Das ist leider wahr und für uns sehr beschämend! D.Verf.) Sie betrachten sich als Mitglieder der Aristokratie, und diese läßt den Anspruch gelten." (!)