Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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101 mnd staatliche Selbständigkeit im eigenen Lande und andererseits Ausbreitung des Indischen Volkes über die ganze Erde, um eben eine universale Wirksamkeit ausnben zu können. Die Zionisten sind ja keineswegs der bornierten Ansicht, daß alle Juden nach Palästina zurückkehren müßten. Andererseits werden ihre Gegner zugeben müssen, daß die Juden als bloß vereinzelte Individuen, ja sogar auch als bloße Religionsgemeinden einen weit geringern Einfluß auf die Völker und Nationen und die Menschheit auszuüben vermögen, wenn dies überhaupt möglich sein sollte, st) als wenn sie als kompakte wohlgegliederte Einheit von einem gemeinsamen Mittelpunkte aus wirksam find." Man ersieht aus diesen Aeußerungen, daß wir alle Ursache haben, den Zionisten scharf auf die Finger zu sehen. Ihr Streben geht eingestandenermaßen darauf hinaus, großen Einfluß auf die Völker zu gewinnen; und ihr Plan ist schlau und aussichtsreich genug. Da uns der jetzige Einfluß der Juden bereits als viel zu groß, ja als sehr gefährlich erscheint, so müssen wir uns hüten, dem zionistischen Treiben allzu vertrauensselig gegenüberzustehen. Die Zionisten haben selbst das Gefühl, daß sie den Argwohn des Volksund der Regierung erwecken könnten. Darum heißt es in der „Welt": „Man könnte nun sagen, der Staat möchte darin doch eine Gefahr für sich sehen, wenn die Juden eine eigne Nationalität innerhalb des Staatsbürgerrechts für sich in AnsMrch nehmen wollten. Er bekämpfe ja aufs energischste diejenigen seiner Staatsbürger, welche nicht deutscher, sondern polnischer oder dänischer oder französischer Nationalität sein wollten; so werde er auch die Juden bekämpfen, wenn sie ein nationales Banner aufpflanzen wollten. Tiefe Gleichstellung der Zionisten mit den polnischen, dänischen, französischen Nationalparteien innerhalb des deutschen Reiches ist aber ganz schief und irrig (Sie sind in Wirklichkeit weit gefährlicher als alle übrigen „Nationalparteien" zusammengenommen. D. Verf.). Diese Nationalparteien sind nach Ansicht der Regierung staatsgefährlich, weil ihr Ziel ist, sich vom deutschen Reich zu trennen, das Reich und die deutschen Staaten zu vermindern, den Feinden ües deutschen Reiches und seiner Staaten einen Stützpunkt zum Angriff zu bieten, und weil sie die deutsche Nation und ihre Regierung nicht zur Ruhe kommen lassen. Von dem allem ist bei den Zionisten nichts der Fall; das alles trifft sie nicht. Sie wollen weder das Reich noch einen deutschen Staat schädigen, seine Macht nicht mindern, keinen Fuß breit deutscher Erde davon abtrennen, niemandes Ruhe schädigen. Im Gegenteil, sie wollen das deutsche Volk beruhigen, indem sie die Judenfrage, diesen Stachel im Fleisch des deutschen Volkes (bravo!), einer gedeihlichen, alle befriedigenden Lösung entgegenführen wollen?) Das deutsche Volk, üas deutsche Reich und die deutschen Regierungen werden ihnen das danken. Sie werden den Zionismus als eine versöhnende Macht empfinden und schützen und niemandem darob gram sein, daß er Zionist ist. ' Die Zionisten haben nie und nirgend einen Grund, sich mit irgend i) Wir bemerken dazu, daß das eine unwahre Behauptung ist. Wir könnten nur dann mit der Gründung eines Judenstaatcs einverstanden sein, wenn, sobald er ins Leben gerufen, alle Juden sofort bei uns das Staatsbürgerrecht verlören und als Bürger des jüdischen Staates gölten. Aber damit sind die unbescheidenen Gäste nicht zufrieden; eS heißt vielmehr später in demselben Aussatze: „Angenommen Ler Judenstaat wäre gegründet und stünde auf eigenen Füßen und wäre rechtlich anerkannt von den Staaten Europas, dann hätte damit noch kein anderer Staat das Recht, die rechtlich als seine Bürger -anerkannten Juden ihrer staatlichen Rechte zu berauben und sie dem Judenstaat zuzuschieben. Jeder Staat müßte warten, ob Juden freiwillig dahin auswandern wollen; er könnte sie nur einzeln aus ihre Bitte hin aus seinem Bürgerrecht entlassen und er könnte ihnen die Entlassung gewähren oder versagen." Unter solchen Bedingungen wollen wir keinen Judenstaat; das wäre Selbstmord!