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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Parteien innerhalb des modernen Judentums. · p. Seite 100

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
Date
1900-01-01
Page
Seite 100 (sequence 15)
Language
German
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100 wenige Beispiele anzuführen, Heine, Börne, Ed. Gans-, Henr. Herz- und Rahel Lewirr übertraten, da geschah es ja auch nicht aus innerer Ueberzeugiuiss von der Vortreff^ lichkeit der Heilslehren des Christentums, sondern um ein „Eintrittsbillet zur europäischen Kultur" zu erlangen. Immerhin waren es Erwachsene, die sich der Trag--- weite ihres Entschlusses vollkommen bewußt sein mußten. Anders liegt die Sache, wenn jüdische Eltern ihre Kinder im zartesten Alter der christlichen Religion zuführen, ohne sich über die Verantwortung, die sie durch diesen Schritt auf sich laden,, im Entferntesten klar zu sein. Weshalb greifen sie überhaupt zu diesem merk-- würdigen Mittel? Um ihren Kindern die Wege zu ebnen, wie sie gewöhnlich sagen,, um ihnen die Ministerlaufbahn zu ermöglichen, die den jüdischen Knaben nach einem, geflügelten Worte, welches dem verstorbenen Abgeordneten Laster zugeschrieben wird,, mit dem achten Tage verschlossen ist. . . Deshalb, d. h. einer im günstigsten Falle nur problematischen Aussicht wegen, versteigen sich jüdische Eltern zu dem Opfer des- Intellekts und lassen ihre Söhne, bevor sie auf dem Gymnasium angemeldet werden, in aller Stille taufen. Bei den Töchtern hält man dies nicht für notwendig, da sie als reiche Jüdinnen mit einer recht ansehnlichen Mitgift ohnedies, wie unzählige Beispiele beweisen, in die höchste Aristokratie hineinheiraten können. (Wir können hier nur mit Herrn Klausner sagen: Das ist tief beschämend — nicht für die Juden, sondern für uns! — gerade weil es wahr ist. D. Verf.) Höchstens bittet, man die Schulvorsteherin um die meist anstandslos gewährte Erlaubnis, daß ihr Sprößling an dem für feiner geltenden Religionsunterricht teilnehmen dürfe. Der Sohn aber darf überhaupt vom ersten Schultage an nicht mit dem Makel jüdischer Geburt behaftet sein. Deshalb wird er als Christ der höheren Schule zugeführt, mögen, die gebogene Nase und sonstige Eigentümlichkeiten noch so unzweideutig die semitische Abstammung verraten." Möchte es Herrn Dr. Philippson und seinen Mitstreitern recht bald gelingen,, dies „Eitergeschwür" zur Heilung zu bringen; und möchten wir Antisemiten esdoch bald erreichen, daß die Taufe nicht mehr als Eintrittsbillet für die Juden. Geltung hat! Wir kommen jetzt zu einer Gruppe, die erst seit einigen Jahren hervorgetreterr ist und sehr verschiedener Beurteilung unterliegt: es find die Zionisten. Ihr Streben ist bekanntlich darauf gerichtet, in Palästina einen jüdischen Staat zu errichten. Ihre erbittertsten Gegner sind die Rabbiner, mit denen sie fortwährend irr schwerer Fehde liegen. Die Hauptdifferenz der streitenden Parteien wird in der „Welt" (1896, Nr. 46) folgendermaßen geschildert: Die Rabbiner sind der Ansicht: 1. das zerstreute Israel im Golus, der gar nicht als Golus, d. h. als Gefangen-- schaft und Heimatlosigkeit aufzufassen sei, habe eine Mission zu erfüllen; und 2. diese Mission sei eine wesentlich religiös-moralische, welche mit Nationalität und Politik.' nichts zu thun habe, weswegen die Juden alles, nur nicht die Religion preisgeben dürften. Die Zionisten behaupten dagegen: 1. das jüdische Volk müsse erst wieder Heimat und Selbständigkeit als Nation besitzen, ehe es auf andere Völker segens-- reich wirken könne; und 2. diese Mission sei vorzüglich eine kulturelle und moralische.. Alle übrigen Einwirkungen, z. B. auch die religiösen müsse man dahingestellt sein, lassen und der künftigen Entwicklung überlassen. Die Rabbiner schreiben also den zerstreuten Juden eine sehr segensreiche Wirksamkeit zu, während die Zionisten diese erst von dem national geeinten und in seine Heimat zurückgekehrten Volke erwarten. Der Artikel in der „Welt" fährt in seiner Erörterung fort: „Bei tiefgehender Betrachtung wird sich vielleicht zeigen, daß beides gleichmäßig berechtigt und notwendig ist: einerseits nationale Einheit

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