Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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99 ^Religion auf ihre Wahrheit und Tiefe, auf ihre Licht- und Schattenseiten vorangegangen, befindet sich in einem starken Irrtum. (Das ist ganz unsere Meinung. Daher finden wir es so sehr thöricht, daß man Judenmisfion treibt. Anm. d. Verf.) Bei den Einen ist es der religiöse Selbstmord aus Ueberdruß an den ewigen Uhikanen, denen die Juden ausgesetzt find, und der Uebertritt erfolgt aus der feigen Fürsorge für die Nachkommen, „die es später einmal besser haben sollen;" bei den Andern ist es völlige Gleichgültigkeit gegen jedwede Religion, also Religionslofigkeit aus naturalistischer oder materialistischer Weltanschauung. Neben diesen giebt es moch andere — und diese stellen ein ziemlich großes Kontingent zu den Abgefallenen — die nach bestimmten Vorteilen streben, „dazu man fich erst taufen lassen muß." Mns ist ein Fall bekannt, wo ein „Studierter" seinen neuen Glaubensgenossen gegenüber fich mit dem Taufschein in der Hand als „Christ" legitimierte, vor seinen alten Glaubensgenossen den gethanen Schritt sorgfältig verheimlichte, gegenüber einigen derselben, die ihn auf ein vernommenes Gerücht hin darüber befragten, direkt ableugnete, um seine gute alte Kundschaft nicht zu verlieren, und die Täuschung sogar so weit trieb, daß er nach wie vor seine Steuern an die jüdische Gemeinde entrichtete, um den ruchbar gewordenen Uebertritt zu verdecken." Die preußischen Kirchenbehörden ihrerseits sind schon seit langem gegen den Unfug eingeschritten, daß fich Juden ohne innerliche Bekehrung zum Christentum ckaufen lassen, nur um äußerer Vorteile willen und — leider Gottes auch Geistliche finden, die sie taufen. Das kam auf der brandenburgischen Provinzialsynode am :25. Oktober 1899 zur Sprache, als über die Erfolge oder richtiger Nichterfolge der Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden berichtet wurde. Seit langem besteht infolge übler Erfahrungen in Preußen die Bestimmung, daß -jeder Geistliche zu jeder Judentaufe die Genehmigung des Kirchenregiments einholen müsse. Sie wird aber, wie man bei dieser Gelegenheit gleichfalls erfuhr, in der Regel nicht befolgt. So kam zur Sprache, daß eine jüdische Lehrerin, uachdem sie im Herbst das Zeugnis für den jüdischen Religionsunterricht erworben hatte, bereits im nächsten Frühjahre die Befähigung zum evangelischen Religionsunterricht erhalten habe, nachdem sie in der Zwischenzeit in aller Stille getauft 'worden war (vergl. Stille, Deutsche Schule in Gefahr, S. 29. Der Stadtverordnete Preuß hatte bei seinen höhnenden Ausführungen darüber, daß eine jüdische 'Lehrerin nach Ueberstehung einer „gewissen Quarantäne" ja doch christlichen Religionsunterricht erteilen könne, offenbar diesen ganz bestimmten Vorgang im Auge). Dem Konsistorium war in diesem Falle keine Mitteilung von der Taufe gemacht ^worden, das Verhalten des betreffenden Geistlichen mußte deshalb gerügt werden. Aber auch die — sagen wir gelinde — Sorglosigkeit der Prüfungskommission, die der Jüdin das Zeugnis für die Lehrbefähigung erteilte, erscheint unbegreiflich <Staatsb.-Ztg. v. 26. Oktbr. 1899). Daß diese Getauften keinen erwünschten Zuwachs für uns bilden, wird jedem -klar sein. Hoffen wir, daß es den Rabbinern mehr und mehr gelingen werde, die .Judentaufen zu verhindern. Leider ist die Sache bereits weiter gediehen, als die meisten guten Deutschen Zahnen. Es giebt, wie wir aus der „A. Z. d. I." (1898, Nr. 40) erfahren, bereits Massentaufen jüdischer Kinder in Berlin W. und NW., „die zu leugnen, den Kopf in den Sand stecken und in Wahrheit Vogelstraußpolitik treiben hieße. Deshalb -halten wir es für angebracht, endlich einmal die Sonde in dieses Eitergeschwür (!) recht tief hineinzuführen. — Als in den ersten Dezennien dieses Jahrhunderts jene Fahnenflucht gebildeter Persönlichkeiten aus dem Judentum erfolgte, als, um nur einige 7*