Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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97 "Trümmern -von ReligioN paradieren die Rabbiner und wissen,, wie es scheint,, gar nicht, 'daß -man damit -Leinen Hund hinter denr Ofen hervorlocken kann, und daß', -eben diksfe, ihre religiöse Armut der Grund ihrer leeren Synagogen ist, und zugleich der -Grund des überhand nehmenden Abfalles vom Judentum. Wer von seiner .Religion, 'sei er Christ oder Jude, nur die paar Bruchstücke übrig behalten hat, der -ist -immer -in -Gefahr, auch diese noch zu verlieren, weil diese zwei noch kein reli-' .giöses Leben zu erzeugen imstande find, das Herz kalt lassen, und vom Verstand .nur als übevstüsfiger Ballast empfunden werden. Wenn diese beiden Dogmen, Einheit -Gottes und Humanität, das Ende der religiösen Entwicklung wären, hätten; die Völker Europas schon im vorigen Jahrhundert dieses Ziel erreicht, denn da haben die großen Aufklärer gelebt, denen unsre modernen Rabbiner das Wasser Lange nicht reichen, und von denen sie ja erst um die alte jüdische Religion zu desorganisieren und in ein wässriges Reformjudentum zu verwandeln, die Ideen- -entlehnt haben." „Merkwürdig! Die christliche Religion hat die Voltaire-Rousseau-Diderot- Leibnizsche Aufklärung ohne Schaden überwunden und ist stark und mächtig über die Herzen und Geister geblieben; dagegen hat das deutsche Judentum der Mendelssohn'schen Aufklärerei nicht widerstehen können, sondern hat sich von ihr durchseuchen und ruinieren lassen, und die heutigen deutschen Rabbiner sind die echten, wenn auch sehr kleinen Epigonen der Mendelssohnschen Reformpartei; und diese Rabbiner wollen sich und ihren glaubensschwachen Glaubensgenossen einreden, sie könnten die Welt für ihr Reformjudentum einst noch gewinnen, das sei ihre Mission! Hunderte von bedeutenden Juden haben sich und ihre Kinder taufen lassen im 19. Jahrhundert und sind dem Judentum für immer verloren gegangen, aber man nenne auch nur einen einzigen Christen von Namen, der Jude geworden wäre!" Dies äußerliche Streben nach Assimilation hat manche reformerisch gesinnte Juden dahin gebracht, daß sie die Einrichtung jüdischen Gottesdienstes am Sonntag fordern. In dem Wahlaufruf, den der liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin im vorigen Jahre veröffentlicht hat, finden wir folgenden Passus: „Sowohl den Anforderungen der Strenggläubigen als auch denen der freier Denkenden hat die Gemeindeverwaltung zu genügen. Wir wollen Aufrechterhaltung des Sabbat und seiner gottesdienstlichen Feier. Wenn aber 5800, d. h. fast ein Drittel aller Gemeindemitglieder eine Ausgestaltung des Gottesdienstes am Sonntag fordern, so darf die Gemeindeverwaltung dieses Verlangen nicht einfach abweisen." Die große Mehrzahl der Rabbiner verhält sich solchen Plänen gegenüber natürlich durchaus ablehnend. Das Organ des Herrn M. A. Klausner (Israelit. Wochenschr. 1898 Nr. 40) macht dazu folgende giftige Bemerkung: „Der sonntägliche Predigtgottesdienst oder deutlicher gesagt: die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag, die Abrogierung des Sabbats, das Nachkriechen hinter dem Christentum, das auf dem Konzil zu Nicäa die Sonntagsfeier zur Unterscheidung von den Juden eingeführt hat — das ist der ganze positive Inhalt des sogenannten liberalen Wahlaufrufs. Wer so Liberales im Judentum will, der gebe lieber alles Judentum auf." Soweit wir unterrichtet sind, überschätzt man in den gebildeten deutschen Kreisen vielfach die Anhänglichkeit der Juden an ihre Religion. Weitverbreitet ist namentlich unter den reichen „aufgeklärten" Juden Westeuropas der völlige Jndifferentismus. Die Israelit. Wochenschr. 1899 Nr. 4 zitiert aus einem Aufsatze von Karl Trost in der „Nordd. Allg. Zeitung" folgendes: „Man spricht z. B. von mosaischem Glaubensbekenntnis und setzt ohne Weiteres voraus, daß die im Zivil-