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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Parteien innerhalb des modernen Judentums. · p. Seite 96

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
Date
1900-01-01
Page
Seite 96 (sequence 11)
Language
German
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96 es sich bei irgend einer konfessionellen Dekoration, aber heftige, die Blutgefäße sprengende Zuckungen erschöpfen seine letzten Kräfte. Zum Schatten eines Pseudo- Konfessionsjudentums ist unser Fortschritt längst herab gesunken. Was sind Juden,/ die sich eifrigst bemühen, alles Jüdische mit rücksichtslosem Vandalismus auszurotten,, weil es Eigenart, weil es Individualität ist? Was sind Juden, die sich scheuen, ihre Rechte und Interessen als Juden zu verteidigen? Einzelne von ihnen.stellen sich an die Spitze unserer Kultusverwaltung, damit eine zur leeren Form ausgeartete Gemeindeangehörigkeit in den Schein der Konfession gehüllt werde. Diese Gemeindeangehörigkeit hat fast nur den Zweck, mit einem Rest von Schicklichkeit die logische Voraussetzung der Fahnenflucht zu begründen. Keine Spur von jüdischer Sitte in den Familien, von jüdischem Geschichtssinn. von jüdischer Pietät; ein unaufhörlicher Abbröckelungsprozeß, ein Aufgeben in der Umgebung, eine vollständige Auflösung l Wie sollen wir dies halbentseelte Fortschritisjudentum retten? Graut diesen Führern nicht vor der moralischen Verwüstung, die sie durch das Assimilationsfieber anrichten? vor dem namenlosen Unheil, das sich an ihre Vogelstraußpolitik knüpft? Es giebt nur eine Methode, das Judentum zu retten, und die besteht darin, daß wir als Juden, freilich als gebildete Juden offen und ehrlich auftreten. Dann werden die Mitbürger, mit denen wir gerne aus dem Gebiete der Kultur friedlich,, aber ohne Verleugnung unseres Stammesbewutztseins zusammen arbeiten wollen, veranlaßt sein, sich unsere Mitwirkung zu sichern, dann werden die außenstehenden Kreise unseren Standpunkt anerkennen. Jetzt hat das Assimilationsprogramm eine arge Lücke, weil es die Frage nicht beantwortet, was zu geschehen habe, wenn man unsre Assimilation nicht will, oder wenn unsre Masse, wenigstens ihr größter Teil, sich weder assimilieren will noch kann (das. sind bemerkenswerte Zugeständnisse- D. Vers.) . . . Das Polentum „mosaischer Konfession" ist die reinste konventionelle Lüge, denn die Herren, die diese Formel proklamieren, kennen und beobachten das mosaische Gesetz genau so strenge, wie das Gesetz des Konfuzius. Eine ganze Generation, die Gebildetsten und Reichsten der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts,, haben sich langsam, mit dieser Formel auf den Lippen getauft." „ . . . Im Fortschriltsjudentum ist es geistesöde erbärmlich, * schablonenhaft,, innerlich faul, zerrissen, aufgelöst, die Lebensquellen des Judentums sind ausgetrocknet, keine Spur von jüdischem Wissen, von echt jüdischem Idealismus; das Volk zähe, verhärtet im Goluth?) ganz unzugänglich für den Fortschritt, der bei diesen Herren zum moralischen Selbstmord führt, und diese Herren, die ein lügenhaftes, logisch falsches, thatfächlich unhaltbares Schattenjudentum im Munde führen, gehen geraden Weges der Selbstvernichtung entgegen zum — Himmelreich! Ja,, wenn das nicht Komik ist, so giebt es keine Komik." (!) Man kann den orthodoxen Juden wohl nicht Unrecht geben, wenn sie dem liberalen Judentum eine dürre Unfruchtbarkeit vorwerfen. In der „Welt" (1898 9h;. 46) lieft mcm: . „Daß die moderne jüdische Religion der deutschen Rabbiner für Christen, keine Anziehungskraft hat, selbst wenn ihnen Beschneidung, Sabbath und Koscher- Essen erlassen wird, hat darin seinen Grund, weil diese Rabbinerreligion nur aus den zwei abgestandenen Dogmen der veralteten Vernunftreligion des vorigen Jahrhunderts besteht, welche die Christen schon längst als ungenügend zurückgewiesen haben: Einheit Gottes und Moralität oder Humanität. Mit diesen spärlichen. i) Golus ober Goluth (beide Schreibweisen kommen in. unseren Zitaten vor) bedeutet. Exil^ Gefangenschaft/Verbannung.. In Babylon waren die Juden im Golus. -

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