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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Parteien innerhalb des modernen Judentums. · p. Seite 94

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
Date
1900-01-01
Page
Seite 94 (sequence 9)
Language
German
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94 ' äußere Anpassung an die Formen und Gewohnheiten ihres Wirtsvolkes, während unsere Judenfreunde dabei bekanntlich an ein vollständiges Aufgesogenwerden der Juden durch uns Deutsche denken. Der Jude hat aber nicht das Aufgehen im deutschen Volkstum, sondern nur jene äußerliche Verähnlichung im Auge, die es ihm ermöglicht, innerlich Jude zu bleiben und äußerlich nicht als solcher erkannt zu werden, ganz nach Art jener Insekten, die die wunderbare Gabe besitzen, sich ihrer Umgebung je nach Bedarf anzupassen (Mimicry der Selectionstheorie). Der Reformjude will sich nur assimilieren, um innerlich desto ungestörter und desto gründlicher Jude bleiben zu können. Jude durch und durch, und die Orthodoxen verwerfen diese äußerliche Anpassung nicht etwa aus grundsätzlichen Bedenken, wie sie vorgeben, sondern hauptsächlich nur deshalb, weil sie ihre Durchführbarkeit und Nützlichkeit bestreiten. Sie sind klug genug, einzusehen, daß der Jude sich in dem beabsichtigten Maße gar nicht „assimilieren" kann und daß er auf die Dauer sein Wirtsvolk über seine wahre Natur doch nicht täuschen kann, mag er dessen Art auch noch so beflissen nachäsfen, zu Weihnachten einen Tannenbaum anzünden, Mensuren - auspauken, Reserveoffizier spielen und was dergleichen mehr ist. Darum spotten ne über die vergeblichen und lächerlichen Anpassungsversuche der Reformjuden. Die Beweise für unsere Auffassung von dem jüdischen Begriff Assimilation werden sich - im weiteren Verlaufe unserer Ausführungen ergeben. In einem Aufsatze über die gegen Ende des letzten Jahres vollzogenen Gemeindewahlen in Berlin, die den Reformern einen entschiedenen Sieg brachten, äußert sich dasselbe Blatt (1898, Nr. 51) weiter: „Sie (die orthodoxe Partei) will aber herrschen und den Reformgedanken von Grund aus zerstören. Dies wird ihr aber nicht gelingen, weder in Berlin ' noch anderswo. Denn die auf dem historischen Boden des biblischen und talmudischen - Judentums stehende Reform hat sich innerhalb des modernen Judentums fast seit einem Jahrhundert eine zu feste Position erobert, als' daß sie je wieder daraus weggedacht werden könnte. Der besonnene Fortschritt, die ruhige Entwicklung, die immer - auf Grundlage der alten Tradition und ohne auch nur ein wichtiges Gebot des Judentums zu verletzen, den Zeitfragen Rechnung zu tragen sich bemüht, sie können in ihrem Laufe nicht aufgehalten werden. Denn sie find geschichtliche Faktoren, die - für die Erhaltung des Judentums, für die Zukunft unserer Glaubensgemeinde un- - entbehrlich sind." * „Es ist interessant und charakteristisch zugleich, daß eigentlich der ganze Streit . zwischen den Parteien seit einem halben Jahrhundert thatsächlich sich nur um Reformen in der Synagoge handelt. Am Ende sind deutsche Gebete, Orgel, Mädchen- Chor und dergleichen Dinge wirklich nicht so wichtig, um den Frieden der Gemeinde zu gefährden oder gar zu zerstören. Und mancher wird nicht begreifen können, welchen Einfluß diese Reformen auf die gesamte religiöse Entwicklung haben . können. Aber in Wahrheit handelt es sich durchaus nicht um einzelne Institutionen, sondern vielmehr um die grundlegenden Prinzipien, von denen Synagoge und Schule erfüllt sein sollen, nachdem der dritte Faktor des religiösen Lebens, das Haus nämlich, von beiden Parteien mit rührender Übereinstimmung dem Judentum so ziemlich entfremdet wurde." (!) „Die Grundlehren des Judentums sind Gotteserkenntnis und Gottesliebe (Schema, Weahabtah*), welch' letztere die Nächstenliebe in sich schließt. Als faßbare 9 Schema und Weaha-btah sind Uebersetzungen der vorausgehenden Ausdrücke Gotteserkenntnis und Gottesliebe. Schema heißt der Name (des Herrn); w a heißt und, ah ab heißt lieben.

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