Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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91 Mitglieder der „Adäß Jisroel" finden Trost und Ersatz in dem Bewußtsein, daß sie ' in ihren religiösen Anschauungen und in ihrer Lebensführung sich völlig eins wissen, daß sie keinen Einzigen in ihrer Mitte haben, der den Sabbat öffentlich entweiht . in unjüdischer Ehe lebt, einen unjüdischen Haushalt führt." Wir haben schließlich von den Orthodoxen wenigstens ein Gutes zu berichten: sie versuchen, wenigstens an einzelnen Orten, jüdische Schulen zu gründen und fördern so bk wünschenswerte Trennung der Juden von den Nichtjuden. In . Hamburg ist vor kurzem eine jüdische Töchterschule eröffnet worden, hauptsächlich auf Betreiben des Oberrabbiners M. Hirsch. Wir lesen darüber in der „Jüd. Pr." 1899 Nr. 23: „Schon vor Jahren sprach derselbe (Hirsch) sich entschieden dagegen . aus, daß Mitglieder unserer Gemeinde, welche streng religiös leben, ihre Töchter in Privatschulen geben, wo erstens der Unterricht am Sabbat stattfindet, zweitens jüdische Religionslehre und Litteratur nicht gelehrt wird. (Diese Gründe treffen für alle nichtjüdischen Schulen Deutschlands zu; wenn doch alle Juden orthodox - wären! Dann hätten wir Aussicht, unsere deutschen Schulen bald vom jüdischen Nachwuchs gesäubert zu sehen. Anm. d. Verf.) Die hier seit vielen Jahren existierende israelitische Töchterschule (Gemeinde-Anstalt) entspricht zwar den Anforderungen, aber es ist unmöglich, daß alle Kinder dort Platz finden. Die Hindernisse, die zu überwinden waren, um hier eine israelitische höhere Töchterschule zu_ gründen, schienen schier unüberwindlich; wirklich fromme Eltern sträubten sich entschieden dagegen. Es hieß, was seit so langer Zeit in der Hamburger Gemeinde gut gewesen, brauche jetzt nicht geändert zu werden. Die jüdischen Mädchen sollen nicht „exklusiv" erzogen werden; es ist ja so angenehm, vielleicht mit der Tochter eines Senators oder höheren Beamten dieselbe Schule zu besuchen. „Religionsunterricht erhalten unsere Kinder von bewährten Lehrern im Hause!" Erst als die Vorsteher und Vorsteherinnen der höheren Töchterschulen anfingen, jüdische Eltern zu chikanieren, als die Erklärung abgegeben wurde, daß nur ein bestimmter Prozentsatz jüdischer Kinder die Schule besuchen darf, als mit einem Worte das Rischus auch in den Lehranstalten seinen Einzug hielt, gelang es dem Herrn Oberrabbiner vor mehreren Jahren, ... die israelitische Töchterschule (mit sieben Schülerinnen) ins Leben zu rufen." — Nun, hoffentlich wird das „Rischus" bald in allen deutschen Schulen sich bemerkbar machen und die Juden bewegen oder nötigen, ihre Kinder „exklusiv" zu erziehen (ein vorzüglicher Ausdruck!). -Aus dem, was wir soeben über die Konservativen mitgeteilt haben, ergiebt sich unschwer das Wesen der „Reform". In der wissenschaftlichen Beilage der „Jüd. Pr.," dem „Israelitischen Monatsheft" 1899 Nr. 2 wird gesagt, daß im Judentum zwei Richtungen sich diametral gegenüb erstehen: Das rabbinische und das Reform-Judentum. Ersteres fordert unbedingte Anerkennung der schriftlichen und mündlichen Lehre in Gesinnung und Lebensführung. „Das gesamte liberale Judentum, so weit es überhaupt sich auf sich selbst besinnt und Denken und Handeln mit einer möglichst geschlossenen Weltanschauung aufbaut, geht doch von dem Standpunkt aus, daß die altgeheiligte Gesetzgebung, und nicht nur die talmudische sondern auch die biblische nicht unbedingt maßgebend ist, daß sie unter andern Zeitverhältniffen zu ändern ist. . . Der Liberale sagt doch: Das Symbol, das Gesetz kann fallen, der Gedanke, das Gefühl ist Alles." J) Rischus ist wahrscheinlich eine rabbinische Ableitung des Wortes Rescha, das bedeutet: gottlos, . frevelhaft, ruchlos. Wer die Juden nicht liebt, ist ja in ihren Augen stets ruchlos! Also Rischus — Antisemitismus.