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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Parteien innerhalb des modernen Judentums. · p. Seite 90

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
Date
1900-01-01
Page
Seite 90 (sequence 5)
Language
German
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90 — dürfnisse der Rechten in allen Schattierungen vom verschämten Konservatismus biszur krassen Orthodoxie in der großen Gemeinde zu Köln am Rhein ausgiebig gesorgt ist. Und das ist recht so. Nun hat sich aber im Lauf der Jahre das Be-- dürfnis nach einer neuen und großen Synagoge herausgestellt. . . Da ist nun begreiflicherweise der Wunsch rege geworden, diese neue Synagoge dem geläuterten Gottesdienst zu erschließen, eine Orgel und deutsche Gebete einzuführen, damit , auch der Theil der Gemeindemitglieder, der bisher vom Gottesdienst so gut wie aus-- geschlossen war, an diesem sich beteiligen könne. Ein Wunsch so berechtigt wie irgend einer. Und man sollte denken, daß die konservative Partei in diesem Falle freudig die Gelegenheit hätte ergreifen müssen, ihre Devise — Gleiches Recht für Alle — in Erfüllung zu bringen, nachdem für ihr religiöses Bedürfnis in einer Gemeinde- und mehreren Privatsynagogen in mehr als ausreichender Weise gesorgt war. Weit gefehlt! Sie erhob vielmehr das bereits längst bekannte Geschrei von Gewissenszwang, Störung des Gemeindefriedens und andern Schlagwörtern mehr, die wir ja zur Genüge kennen. Nein, in keiner Synagoge zu Köln am Rhein darf eine Orgel spielen, oder ein geläuterter Gottesdienst abgehalten werden — ba% ist ihre Parole." Man ersieht aus diesem Bericht, daß die von den Juden stets mit so vielem. Nachdruck geforderte Toleranz von ihren Orthodoxen nicht einmal gegen die reformerisch gesinnten Glaubens- und Rassegenossen geübt wird. Bei keiner anderen Richtung scheint die Neigung zur Absonderung, zur völligen Trennung von der Gesamtheit so groß zu sein, als bei den sogenannten. Konservativen. Dafür ist die soeben berichtete Abzweigung der Orthodoxen in Köln ein Beispiel. In Berlin wurde von der Rechten Aehnliches geplant. Im Mai 1898wurde von ihr im Repräsentanten-Kollegium der sogenannte Parochialantrag eingebracht, durch den die jüdische Gemeinde zu Berlin in fünf Synagogenbezirke eingeteilt werden sollte. Der Antrag ist nicht zur Abstimmung gekommen,-sondern im einer Kommission begraben worden. In diesem Jahre nun suchten die Konservativen ihren Zweck auf andere Weise zu erreichen. Wir lesen darüber in der „A. Z. d. I " 1899, Nr. 18: „Trotz der verschiedenen Riten in den Synagogen haben in allen. Zeiten unsere Rabbiner es verlangt, in allen Synagogen der Gemeinde zu sprechen.. Man stellt es heute als ein Opfer, einen Geisteszwang hin, wenn den orthodoxen Rabbinern zugemutet wird, in einer der Synagogen mit neuerem Ritus zu sprechen... In dem Augenblick, wo man die Rabbiner derart über die Synagogen verteilt, daß jeder derselben nur in der Synagoge einer Richtung zu fungieren hat, wird das Vorhandensein eines religiösen Zwiespalts in den Gemeinden sanktioniert, und eskann nicht ausbleiben, daß nach beiden Seiten ein Fortschreiten zum Radikalismus sich entwickelt." Wie die orthodoxen Juden Berlins über sich selbst und ihre Stellung zu den übrigen Richtungen denken, erfahren wir aus einem Aufsatz in der „Jüd. Pr." (1898 Nr. 49), in dem es heißt: „Wir find gering an Zahl — aber auch diejenigen/ die diesen Vorwurf erheben, wissen es, daß ein ungleich stattlicherer Kreis von. Gesinnungsgenoffen als die Mitgliederliste aufweist, für ihre religiösen Bedürfnisse in der „Adaß Jisroel" Befriedigung suchen, von ihren Institutionen ausgedehnten. Gebrauch machen, ohne dem Gemeinde-Verbände anzugehören. . . Wir sind gering an Zahl — allerdings, aber nur weil wir selbst unsere Grenzen sehr eng gesteckt haben und stecken mußten. Wir können uns nicht entschließen, ganze Seiten aus der Thora herauszureißen, unsere uralten Traditionen preiszugeben, und dafür das Linsengericht der Reform, die Gefolgschaft der großen Massen einzutauschen. Die-

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