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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Parteien innerhalb des modernen Judentums. · p. Seite 88

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
Date
1900-01-01
Page
Seite 88 (sequence 3)
Language
German
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88 religiösen Institutionen, wie Schechita, Mikwa*) u. s. w. anvertrauen will, die endlich für ihre Kinder einen Religionsunterricht wünscht, der von den gleichen Anschauungen erfüllt ist." Der Kampf um das Gebetbuch spielt in der Berliner Gemeinde in letzter Zeit eine nicht unbedeutende Rolle. Als die Orthodoxen, wie oben erwähnt, die Majorität hatten, wurde vom Repräsentanten-Kollegium ein Ausschuß zur Revision des Gebetbuches eingesetzt. Aus der „Jüd. Pr." 1899 Nr. 22 erfahren wir, daß in der Sitzung, der Repräsentanten vom 28. April d. I. Prof. Geiger den Antrag stellte, jener Ausschuß möge aufgelöst werden. „Für das Fortbestehen der vor einem Jahre eingesetzten Kommission, der von den Repräsentanten die Herren Geheimrat Blumenthal, Geheimrat Senator, Justizrat Apolant und Prof. Levin angehören, fehlt jede Berechtigung, indem Beschwerden seitens der Synagogenbesucher bezw. der Benutzer der Gebetbücher überhaupt nicht vorliegen. Zudem würde ihre Arbeit niemals zu einem Resultat führen, da einmal im Ausschüsse selbst immer 3 gegen 3 Stimmen auftreten und so stets eine Ablehnung der Beschlüsse herbeiführen, andererseits aber etwaige Beschlüsse niemals die Zustimmung der Versammlung finden könnten, vielmehr allesamt abgelehnt werden würden." Als diese Ausführungen von einigen Seiten Widerspruch erfuhren, verlas Dr. Geiger „mit großer Erregung die im Ausschuß gefallenen Aeußerungen des Herrn Geheimrats Dr. Blumenthal, das Gebetbuch sei unjüdisch, man vermisse darin den Ausdruck der messianischen Hoffnungen, der Auserwähltheit (I), der Erinnerungen an Zion. Mit großer Emphase verwahrt sich der Redner gegen diese Ausführungen, die durchaus der Begründung entbehren und denen die Mehrheit der Versammlung niemals ^beistimmen werde Das Fortbestehen der Kommission werde zum Schaden des Judentums sein." Der Antrag Geigerwurde dann angenommen. Aehnliche Kämpfe wie in Berlin werden von den Orthodoxen an andern Orten geführt. In der „Jüd. Presse" 1899 Nr. 20 wird berichtet, daß am 23. April d. I. in Wien eine Versammlung behufs Gründung einer Freien Vereinigung zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums stattfand. „Herr Hofbauer entwickelte Veranlassung und Zweck der Versammlung, indem er hervorhob, daß die rituellen Einrichtungen in Wien den Ansprüchen der Orthodoxie nicht entsprechen. Die Kultusgemeinde könne zur Befriedigung der, wenn auch berechtigten Anforderungen einer Minorität keine großen Geldopfer bringen, sie sei durch Bethaus- und Humanitätsanstalten zu sehr in Anspruch genommen. .Den strenggläubigen Juden genüge aber das Bethaus nicht, da das ganze jüdische Leben ein fortgesetzter Gottesdienst sein soll (!), also auch für Schechita, Mikwah, Religionsunterricht, Sabbat-Heiligung u. s. w. Sorge getragen werden müsse und zwar nach den Vorschriften des Schulchan-Aruch. In dieser Beziehung seien die Gesetzestreuen auf sich selbst angewiesen und es bedürfe des Zusammenwirkens aller, die die jüdischen Institutionen nach richtigen Grundsätzen eingerichtet sehen wollen, um etwas zu stände zu bringen. Dies Zusammenwirken zu erreichen sei der Zweck der geplanten Vereinigung, die kein Kampfverein sein, in die Angelegenheiten der Kultusgemeinde sich nicht einmischen solle, sondern in der Kultusgemeinde unsere Ziele fördern werdedie leider nicht die Ziele der großen Majorität seien." Ueber die Ansichten und Bestrebungen der orthodoxen Juden Deutschlands belehrt uns ein Artikel der „A. Z. d. I.", 1898. Nr. 46. „Vor drei Jahren gaben unsere sogenannten Orthodoxen die Parole aus, in Berlin sei das Judentum in Gey Schechita — Schächten; Mikwa — Reinigungsbad der Weiber.

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