Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Freisinnigen im Wahlkampf.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Zittau 1× ep/1046085
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82 nahe gerückt ist, wird in der Entgegnung gar nicht erwähnt, und doch ist sie gerade das wichtigste Moment im Wahlkampfe des dortigen Wahlkreises, dem gegenüber die Demokratie eben zu allen Mitteln greift." Daß die Wähler den freisinnigen Kandidaten sofort im ersten Wahlgange ausfallen ließen, ist noch das erfreulichste an der Sache. Oder sollte hierbei vielleicht auch der Umstand mitgewirkt haben, daß der Herr — Goldschmidt hieß? Vor den Stichwahlen wurde, wie oben gezeigt, das Liebeswerben um die Stimmen der „Genossen"- noch eifriger. Ganz offen wurde, um nur noch ein Beispiel anzuführen, im („parteilosen"!) „General-Anzeiger für Hamburg-Altona" die Losung ausgegeben: „In vielen Fällen werden bei der engeren Wahl Freisinnige und Sozialdemokraten auf einander angewiesen sein. Wir würden es für das Richtigste halten, wenn die freisinnigen Parteien alles thäten, um jeden agrarisch-antisemitisch-konservativen oder rechtsnationalliberalen Sieg zu verhüten, d. h., wenn die Freisinnigen in solchen Fällen, wo jene Parteien als Gegner der Sozialdemokraten in Frage kommen, Mann für Mann für den Sozialdemokraten eintreten. Aber auch die Sozialdemokratie sollte jeden freisinnigen Kandidaten gegen jeden anderen unterstützen." Und bald kamen denn auch von verschiedenen Seiten die Mitteilungen, daß der Freisinn den „Genossen" in einer Reihe von Kreisen Gefolgschaft geleistet hatte. In Zittau, dessen Mandat die Volkspartei bisher besessen hatte, kamen diesmal der Sozialdemokrat und der Nationalliberale in die Stichwahl; die freisinnige „Zittauer Morgen-Zeitung" trat für den „Genossen" ein, der denn auch den Sieg davontrug. Aus Weimar, das gleichfalls der Sozialdemokratie in die Hände fiel, berichtete die „Staatsbürger-Ztg." (15. August) ähnliche Vorgänge: „Durch die Zeitungen geht die Notiz, daß die dem hiesigen Kriegerverein angehörenden Offiziere erklärt haben, ihren Austritt anzeigen zu müssen, wenn nicht der Ausschluß des Stadtrats Meyer erfolge. Diese Thatsache ist richtig, falsch dagegen die Behauptung, es geschehe dies, deshalb, weil-Meyer Vorsitzender des hiesigen Freisinnigen (Volksparteilichen) Vereins ist. Der wirkliche Grund ist der, daß es Meyer bei der Reichstags-Stichwahl nicht nur entschieden abgelehnt hat, irgend etwas zur Verhinderung des Sieges des soziald. Kandidaten zu thun, sondern daß er auch auf das eifrigste für den Umstürzler eingetreten ist, trotzdem erst 10 Tage vorher in einem freisinnigen Wahlflugblatte die Wählerschaft dahin belehrt worden war, „daß man nie und nimmer für einen Sozialdemokraten stimmen dürfe"." Ueber die Haltung der Freisinnigen im Wahlkreis Neustadt a. d. Orla veröffentlichte die „Deutsche Ztg." (6. Juli) die Zuschrift eines alten Herrn der Burschenschaft Arminia a. d. Burgkeller zu Jena, der auch der freisinnige Kandidat als solcher angehört; es heißt in dieser Mitteilung u. a.: „Nachdem Dr. Harmening in der Hauptwahl als Kandidat der Deutsch-Freisinnigen unterlegen war, empfahlen für die Stichwahl er und eine Anzahl seiner Parteigenossen Stimmabgabe für den Sozialdemokraten." — Die „Staatsb.-Ztg." (21. Juni) wußte hierzu noch zu berichten, daß der Freisinnige Parteiausschuß „alle liberal gesinnten" Wähler aufgefordert habe, in der Stichwahl für den sozialdemokratischen Kandidaten Malermeister Leutert in Apolda zu stimmen unter der Parole: „Protest gegen die politische und wirtschaftliche Reaktion in Deutschland! Und wenn kein anderer Weg mehr frei ist, dieser Reaktion Widerstand entgegenzusetzen — dann Widerstand durch die Wahl eines Sozialdemokraten!" Auch den Wahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland hatten die Freisinnigen nicht übel Lust, den „Genossen" in die Hände zu spielen, was ja hier noch den besonderen Reiz hatte, daß es der Kreis ist, „in dem der Kaiser wohnt." Der ausgefallene freisinnige (volksparteiliche) Kandidat vr. Mugdan ließ deshalb (auf