Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Freisinnigen im Wahlkampf. · p. Seite 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Freisinnigen im Wahlkampf.
Date
1900-01-01
Page
Seite 81 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9038025-9038027-423305--095-185079
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

81 Der volksparteiliche Abgeordnete Dr. § et:me% empfahl sich, wie ihm ein gegnerisches Flugblatt vorhält, den „Genossen" des Kreises Jauer-Bolkenhain- Landeshut mit folgenden Worten: „In allen wirtschaftlichen und politischen Fragen sind wir e i n i g, und die Rechte der sozialdemokratischen Wähler werden durch mich ebenso gewahrt, wie durch einen sozialdemokratischen Vertreter"; während, nach den „Deutsch.-soz. Blättern" (vom 7. Juli), der königlich preußische Amtsrichter G a u l k e, Abgeordneter der von den „Staatserhaltenden" so hoch gepriesenen freisinnigen Vereinigung, den Uckermünde-Swinemünder Sozialdemokraten seine Person dadurch angenehmer zu machen suchte, daß er sich als „auch ein solch vaterlandsloser Geselle" vorstellte. In der Hochburg der Vereinigung, Bremen, scheint man ähnlichen Ansichten zu huldigen. 'Sonst wäre es kaum zu erklären, wie sich die „Weser-Ztg." kurz vor der Hauptwahl folgende Auslassungen hätte erlauben können: „Wer für die Einführung der roten Republik in Deutschland schwärmt, kann selbstverständlich nicht unser politischer Freund sein, aber er wird uns mit seinen Schreckensplänen ziemlich kühl lassen, weil wir wissen, daß die Verwirklichung seiner Wünsche nicht zu befürchten ist. Wer die agrarischen Anschläge unterstützt, mag ein im polizeilichen Sinne soliderer und ehrbarerer Staatsbürger sein, aber er ist für die öffentliche Wohlfahrt ein viel gefährlicheres Subjekt; denn jene Anschläge haben, wenn sie im Reichstage die. Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen, auf unmittelbare Verwirklichung Aussicht, und die Gefahr, daß sie die Mehrheit gewinnen, liegt näher als die Wahrscheinlichkeit, daß der Reichstag die Monarchie abschaffen und das Privateigentum konfiszieren wird. Das letztere würde selbst dann nicht geschehen, wenn dreihundert Rote ihren Einzug ins Parlament hielten. Gewiß ist es auch wünschenswert die Sozialdemokratie bei den Wahlen zu bekämpfen, aber ein unmittelbar praktisches Interesse ist damit nur insofern verknüpft, als große Erfolge dieser Partei, wie Dr. Barth sehr richtig in der ,, Na t ion" hervorgehoben hat, Wasser auf die Mühle der Reaktionäre führen und die schwankenden Truppen des Bürgerheeres widerstandsunfähiger machen könnten." Im Wahlkreise Schweidnitz-Striegau sollen die Freisinnigen sogar so weit gegangen sein, die sozialdemokratischen Stimmzettel mit den eigenen zu verbreiten, wenigstens behauptet die „Schlesische Ztg.", der wir allerdings die Verantwortung hierfür überlassen müssen, Beweise für diese politische Selbstentmannung zu besitzen. Das genannte Blatt schreibt hierzu (16. Juni): „Die „Freisinnige Zeitung" hat die Keckheit, unsere neuliche Mitteilung über die Verbreitung von Briefumschlägen mit zwei verschiedenen Wahlzetteln — demjenigen des freisinnigen und demjenigen des sozialdemokratischen Kandidaten — in: Wahlkreise Schweidnitz- Striegau als „Erfindung" zu bezeichnen. Vermöge einer unvergleichlichen Logik gelangt sie 'zwar wenige Sätze weiter dazu, den Fall für möglich zu erklären, bringt aber dann die lahme Ausrede vor, daß der sozialdemokratische .Zettel durch irgend einen Kolporteur oder sonstwie hineingeschmuggelt sein müsse. Im übrigen pflegten die Freisinnigen in ihren Briefumschlägen regelmäßig zwei Stimmzettel zu versenden. Herr Eugen Richter wird wenig Glück mit seiner Entgegnung haben. Thatsache ist, daß uns eins der erwähnten Couverts vorliegt mit der Aufschrift: „Einen der innen liegenden Stimmzettel wollen Sie . . ." u. s. w. und mit den beiden Zetteln für Goldschmidt (Frs. Vp.) und Feldmann (Soz.j darin. Außerdem befanden sich auch der wüstmarktschreierische Wahlaufruf für Feldmann zusammen mit Nr. 3 der freisinnigen „Wahlzeitung für den Kreis Schweidnitz-Striegau" in dem Umschläge. Eine solche „Einschmuggelung" würde doch die Organisierung der freisinnigen Agitation als recht mangelhaft erscheinen lassen, ein Vorwurf, zu dessen Erhebung sonst im allgemeinen wenig Grund vorliegt. Der Thatsache, daß durch den Kompromiß zwischen Zentrum und Konservativen die Wahl des konservativen Kandidaten sehr 0

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.