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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Freisinnigen im Wahlkampf. · p. Seite 80

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Freisinnigen im Wahlkampf.
Date
1900-01-01
Page
Seite 80 (sequence 14)
Language
German
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80 bei 9, Herr v. Jagow-Nühstädt bei 7. Aber auch die Frauen üben dieses Recht aus. Frau Gans, edle Herrin zu Putlitz- Laaske, wählt die Lehrer für Hülsebeck und Mansfeldt, Frau Anna v. Möllendorf-sKrampfer) für Krampfer und Kl.- Gottschow. In vielen Fällen sind die Patronatsherren zu Ungunsten der kleinen Besitzer von den Schullasten befreit. Die Vorrechte der Junker in Bezug auf Patronatsrechte für Kirche und Schule müssen durchaus beseitigt werden. Zu den Schul-, Armen- und Wegelasten sind die Rittergüter ebenfalls heran zu ziehen. Nur wer die Lasten trägt, soll auch die Rechte haben. Freisinnige Männer treten für Gerechtigkeit und gleiches Recht ein, deshalb wählt Max Schulz." Ein Flugblatt im Kreise Königsberg-Küstrin beschäftigt sich mit ähnlichen Fragen: „An Schulbeiträgen ist der Schulpatron weit weniger beteiligt als die bäuerlichen Wirte und wählt trotzdem den Lehrer. Chausseen und Kleinbahnen legt der Kreistag selten so, wie die Landgemeinden dies wünschen, sondern meist so, wie die Gutsherren es wünschen." Ohne Zweifel ist an diesen Beschwerden vieles berechtigt, aber die Form, in der die Abhilfe gewissermaßen im Fall eines freisinnigen Wahlsieges in Aussicht gestellt wird, ist und bleibt (wie wir schon im Jahrbuch für 1898 S. 222 betonten) einfach ein Betrug gegenüber den Wählern. Daß die Wassersnot des Jahres 97 auch vom Freisinn zu Wahlgeschäften ausgebeutet wurde, bedarf kaum der Erwähnung. So heißt es in dem Lebenslauf des Herrn Hermes im Jauerschen Stadtblatt: „Er zähle zu denjenigen Abgeordneten Niederschlesiens, die sofort auf eigene Faust Veranstaltungen trafen, die Not ihrer Getreuen schnell zu lindern." — Nicht mit Unrecht hielten ihm die Gegner vor, daß das beinahe den Eindruck machen könnte, als habe er weniger aus Menschenliebe als vielmehr aus politischen Rücksichten solchen Eifer gezeigt. In Westprignitz bei der Nachwahl im Herbst 97 hatten schon Konservative wie Freisinnige die Wasserentschädigungsfrage derart ausgenutzt, daß man bei den allgemeinen Wahlen glaubte mehr bieten zu müssen. So soll denn der freisinnige Kandidat, damalige Neichstagsabgeordnete Max Schulz, wie nach denst Bericht des „Kreisbl. f. d. Westpr." vom 24. März in einer konservativen Versammlung mitgeteilt wurde, im Falle seiner Wiederwahl versprochen haben, für die Verlegung der Havelmündung einzutreten. Leider glaubt an die Durchführung dieses kühnen Projektes niemand mehr so recht. Da sich der Freisinn aber wohl bewußt war, daß er mit all diesen Mätzchen wie überhaupt aus eigener Kraft nichts mehr erreichen werde, legte er es von vornherein darauf an, sich für die Stichwahlen die Hilfe der „Genossen" zu sichern, wofür natürlich Gegendienste geleistet werden mußten und auch bereitwillig geleistet wurden. Von einem geradezu unwürdigen Liebäugeln mit der Sozialdemokratie vor wie nach der Hauptwahl liegen eine ganze Fülle von Beispielen vor. Daß die hüben wie drüben maßgebenden Juden am eifrigsten bei der Hand waren, dies innige Band zwischen Freisinn und Sozialdemokratie zu knüpfen, versteht sich von selbst. So riet (nach der „Staatsb.-Ztg." vom 15. Juni) in einer Berliner freisinnigen Versammlung ein jüdischer Arzt Dr. Holz, ohne erst das Ergebnis der Hauptwahl abzuwarten, für die Stichwahl zu einem Bündnis der beiden Parteien. In einer Versammlung zu Johannisthal bei Berlin am 8. Juni erklärte ein vr. R u b i n st e i n , der für den verhinderten freisinnigen Kandidaten vr. Bernstein sprach, nach den Aufzeichnungen eines Anwesenden: dort wo die Sozialdemokratie sichere Aussicht auf Sieg habe, zögen die Freisinnigen ihre Kandidaten zurück, damit der nächstverwandten Partei, und das fei die Sozialdemokratie, der Sieg wirklich zufalle.

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