Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Juden in Deutschland II.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 25)
- Language
- German
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53 Im Juli 99 gelang es der Lodzer Geheimpolizei, eine ganze Bande von Mädchenhändlern zu fassen, die von ihrer Zentrale dem Flecken Bendzin aus Mädchen aus dem Warschauer und den umliegenden Gouvernements nach Amerika lockten unter der Vorspiegelung, ihnen einen steinreichen Bräutigam zu verschaffen. Die zahlreichen Agenten dieser Verbrechergesellschaft waren sämtlich junge Juden im Alter von 22 bis 30 Jahren, die sich, um die Mädchen sicher zu machen, wohl auch vor der Reise mit ihnen verlobten. Die Seele der „Geschäftsverbindung" mit Rußland war der 26jährige verheiratete Händler Moszek in Bendzin, die Verhandlungen mit den öffentlichen Häusern in Buenos-Aires besorgte ein dort ansässiger Warschauer Jude. (Dtsche. Tagesztg. 21. 7. 99.) Der Mädchenhändler Israel Loput machte kurz daraus von sich reden. Er vermittelt hauptsächlich den Verkauf polnischer Mädchen nach Südamerika und macht häusig drei- bis viermal im Jahr mit „Ware" versehen die Reise von Warschau nach -Buenos-Aires. Es war ihm gelungen, die Familie eines Warschauer Zigarettenarbeiters zur Auswanderung zu bewegen und unterwegs die 16jährige Tochter von der Mutter zu trennen und für 230 Lstrl. an ein öffentliches Haus in Buenos-Aires zu verkaufen. Durch die Unterstützung des russischen Konsuls in Rio gelang es der sehr energischen Mutter, ihr Kind wieder zu befreien. (Staatsb.-Ztg. 5. 8. 99). Am 23. September 99 wurde in die Klinik des Professors Janowsky im Allgemeinen Krankenhause zu Prag ein Mädchen Marie V. eingeliefert, das sich im „Berufe", zu dem sie in dem „Etablissement" des Juden Busch in der Plattnergasse gezwungen wurde, eine schwere Krankheit zugezogen hatte. Als es am 14. November entlassen werden sollte, bat es unter Thränen um Schutz gegen Busch. Die Geschichte dieses Opfers jüdischer Sklavenhändler ist die folgende: Marie V. war aus ihrem Dienst in Oberdorf bei Komotau durch eine Jüdin Weidmann fortgelockt worden, die ihr einen guten Dienst in Deutschland versprach. Sie wurde in Berlin in eine Lasterhöhle verschleppt und für 285 Mk. verkauft. Alle Versuche des Mädchens, sich zu befreien, waren vergeblich. Sie mußte das für sie ausgegebene Geld „abverdienen", und als sie endlich krank an Leib und Seele geworden war, ging sie als Ware von einer Hand in die andere, wobei natürlich der Preis immerfort fiel. Zuerst wurde sie der ersten Kupplerin, die sie ins Unglück stürzte, um 150 Mk. wieder verkauft, und diese verschacherte sie in ein zweites Lupanar, von dort kam sie wieder in andere Hände und endlich gelangte sie für 12 Gulden österr. Währ., durch Vermittelung der jüdischen Seelenverkäuferin Kohn, in das „Etablissement" Busch. Dort wurde das Mädchen krank und kam ins Krankenhaus Dr. Tysowsky schrieb der Frau des Juden einen Brief, in welchem er sie ersuchte, .die Kleider des Mädchens ins Spital zu bringen. Die Jüdin kam auch, verlangte aber in frechem Tone die Herausgabe des Mädchens. Als der Doktor dies verweigerte, erklärte sie „das Mädchen gehöre ihnen", sie hätten es gekauft, .und wenn es ihnen nicht ausgeliefert werde, würden sie die Polizei rufen. Auch der Jude Busch selbst fand sich ein und verlangte unter Beleidigungen gegen den Arzt die Herausgabe, denn das Mädel sei sein, er habe ein Recht auf dasselbe u. s. w. (Staatsb.-Ztg. 19. 11. 99). Dieselbe „Rechts"-Auschauung verriet der Lemberger Jude Isaak Schäferstein, der dem Gerichtshof erklärte: „Es geht einen hohen Gerichtshof gar nichts an, ob ich mit Obst, Kleidern, Kälbern oder mit Christenmüdels handle." — Der 'Gerichtshof war allerdings anderer Ansicht und verurteilte den Seelenverkäufer zu — einem Jahre Zuchthaus! (Dtsche. Wacht, 14. 11. 99). Gleichfalls im November 99 kam aus Ofenpest die Meldung, daß dort einer