Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Juden in Deutschland II.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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52 In einer Denkschrift des Auswärtigen Amts vom Jahre 1897 heißt es: „Es ist bekannt, daß eine weitverzweigte, mit großen Mitteln und guten Verbindungen arbeitende Kupplerbande, die fast durchweg aus galizischen und russischen Juden besteht, fortwährend in europäischen Ländern besonders Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Schweiz Mädchen unter falschen Vorspiegelungen nach Südamerika lockt, die sie dort an die Bordelle verkaufen." Im März 1898 (Staatsb.-Ztg. 17. 3. 98) beschloß die Petitionskommission des Reichstags zu beantragen über eine Eingabe, die den Mädchenhandel betraf, zur Tagesordnung überzugehen, da Geh. Legationsrat v. Dirksen erklärte, das Auswärtige Amt halte diese Frage für Deutschland nicht für brennend. Trotzdem ging im Mai (Staatsb.-Ztg. 11. 5. 98) die Mitteilung durch die Presse, den Ortspolizeibeyörden sei die Anweisung erteilt, dem Mädchenhandel besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Auch den russischen Behörden ist es anscheinend amtlich bekannt, daß dies schändliche Gewerbe durchaus in jüdischen Händen liegt. Anders wenigstens wäre die folgende Mitteilung des Hamburger „Israelit. Familienblattes" nicht zu erklären: „Als ein Beweis dafür, daß die russische Regierung allen das Judentum bewegenden Angelegenheiten ein lebhaftes Interesse entgegenbringt, sei die Thatsacke erwähnt, daß. im Aufträge des kaiserlich-russischen Generalkonsulats der Sekretär desselben irr unserer Redaktion erschien, um sich über die momentan wichtigsten jüdischen Fragen, den Zionismus und die Bekämpfung des Mädchenhandels zu informieren." (Deutsch. Blatt, Hamburg, 6. 8. 99.) Gerade in den letzten Jahren sind wieder eine ganze Reihe von Fällen bekannt geworden, die beweisen, daß der Handel mit Menschensteisch in ganz Europa in voller Blüte steht. Ende Juni 1898 gelang es, den Juden Samuel Rosenöl alt am Bahnhofe von Sambor dingfest zu machen, als er drei minderjährige Bauernmädchen nach Bukarest bringen wollte. Im Anfang des Monats Juli desselben Jahres erhielt die Prager Polizei eine ganz lange Liste von jüdischen Mädchenhändlern, welche von Konstantinopel „geschäftlich" nach Böhmen gehen wollten. Und Mitte Juli desselben Jahres wurde der Statthalter von Galizien davon verständigt, daß 50 jüdische Mädchenhändler nach Galizien unterwegs seiem um „frische Ware" nach Argentinien zu bringen. (Dtsche. Wacht, 14. 11. 99.) Im April 99 warb in Krakau und Umgegend ein gewisser M. Jagodzinski, der sich als Theaterdirektor aus Berlin bezeichnete, zahlreiche hübsche, insbesondere ganz junge Mädchen als Tänzerinnen, Sängerinnen u. s. w. unter glänzenden Bedingungen an. Auf Anfrage in Berlin ergab sich, daß I., der mit seinerangeblichen Ehefrau auf Kredit ein höchst üppiges Leben führte, weder ein Theater noch eine Theaterkonzession besitzt, jedoch wegen Betruges, Kuppelei u. s. w. wiederholt von preußischen Gerichten bestraft war. Er wurde verhaftet und man fand bei ihm Briefschaften, aus denen sich Beziehungen mit berüchtigten Häusern ergaben. Seine „Ehefrau" ist eine wiederholt bestrafte Persönlichkeit Namens Maria Rychlewska. (Staatsb.-Ztg. 4. 5. 99). Wenige Wochen darauf kam man in Siebenbürgen einer wohlorganisierten Mädchenhändlerbande auf die Spur und es wurde festgestellt, daß allein aus dem Kezdi-Vasarhelher Bezirke 261 Szekler Mädchen von Seelenverkäufern nach Rumänien geschleppt worden waren. (Staatsb.-Ztg. 3. 6. 99.) Drei Tage später kam aus Lemberg folgende Mitteilung: In Grylow wurden vergangene Woche einige Juden in dem Momente verhaftet, als sie den Eisenbahnzug mit einer Ladung „frischer Ware" von 15 sehr jungen christlichen Mädchen besteigen wollten. Bis jetzt konnte man die Namen dieser Individuen nicht konstatieren, da sie sich gegenseitig nicht verraten wollen. (Staatsb.-Ztg 6. 6. 99.)