Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Juden in Deutschland II.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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40 „Aber nach Allem, ich wollte, es gäbe mir einer die drei Louisdor ■ zurück, die ich für mein Christentum dem Herrn Pfarrer verehrt. Ich bin getauft und es hilft mir nichts. 3 Louisdor für ein Plätzchen im deutschen Narrenhause: „Es war eine thörichte Verschwendung." Heine zeichnete nach seiner Taufe folgende Verse in sein Tagebuch ein: „Und Du bist zu Kreuz gekrochen, Zu dem Kreuz, das Du verachtest, Das Du noch vor wenig Wochen In den Staub zu treten dachtest." Heine schreibt in einem Briefe an Dr. Wohlwill (Dr. König, Heinrich Heine, der Schmutzfink im Deutschen Dichterwald, Verlag Emil Schaber, Düffeln dorf, S. 7): „Ich nenne das Christentum eine Idee, aber welche! Es giebt schmutzig e Jdeensamilien, die in den Ritzen dieser alten Welt, der verlassenen Bettstelle des göttlichen Geistes, sich eingenistet haben, wie sich Wanzenfamilien einnisten in der Bettstelle eines polnischen Juden. — Zertritt man eine dieser Id een- Wanzen, so läßt sie einen Gestank zurück, der jahrtausendelang riechbar ist. Eine solche Idee ist das Christentum, das schon vor 1800.Jahren zertreten worden, und das uns armen Juden j!) seit der Zeit noch immer die Luft verpestet." Als Heine auf dem Wege nach Paderborn ein Christusbild am Wege erblickt, wird er zu folgenden Versen angeregt (Deutschland, ein Wintermärchen): „Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal Dein Anblick, mein armer Vetter, Der Du die Welt erlösen gewollt Du — Narr, Du Menschheitsretter!" R ahel Lew in, die Gattin Varnhügens v. Ense, die bekannte Berliner- Jüdin, in deren Salon die bedeutendsten und hervorragendsten Männer Preußens verkehrten, ließ sich taufen und hat sogar ihre angestammte Religion und Rasse, das Judentum, oft verhöhnt. Auf dem Sterbebette änderte sich die Sache. Da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und sie sprach es ihrem Gatten gegenüber frei aus: „Mit erhabenem Entzücken denke ich an meinen jüdischen Ursprung zurück. . . . Was so lange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und Unglück war, als Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möchte ich das jetzt missen." Auch sie ist als Jüdin gestorben. (Zöllner, Beiträge zur Judensrage S. 393.) Der Jude Oettinger schreibt in seinem offenen „Billet-doux an den berühmten Hepp-Hepp-Schreier und Judenfresser Richard Wagner" (Dresden 1869, S. 5): „Vor Allem muß der Schreiber dieser Zeilen vorausschicken, daß er, von Geburt ein Jude, nur darum katholischer Christ geworden war, um das Recht zu haben, ungefährdet Jude bleiben zu dürfen." (Deutsche Wacht 16. 3. 94.) - Der getaufte Jude vr. Schwalb war 25 Jahre lang christlicher Prediger in Bremen gewesen. Nachdem er während eines Vierteljahrhunderts seine Gemeinde mit seinen philosophisch verbrämten Salbadereien zum Narren gehalten, hat er zum Schluffe seiner Laufbahn von der Kanzel herunter offen dem Christentum den Krieg erklärt und eine 25jährige Maske abgeworfen. Nach einem Berichte des Bremer „Deutschen Volksblatts" führte er etwa folgendes aus: Er stamme aus einer jüdischen Familie, seine Ahnen seien Rabbiner gewesen. Er selbst fühle sich als echter Rassejude und habe sich stets so gefühlt. Er habe versucht, eine Brücke zwischen Judentum und Christentum herzustellen, aber dies sei ihm mißglückt. Auch müsse er gestehen, daß er im Grunde stets ein Anhänger der jüdischen Lehren geblieben sei. (Deutsche Wacht 13. 3. 94).