Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Juden in Deutschland II. · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Juden in Deutschland II.
Date
1900-01-01
Page
Seite 38 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9038025-9038027-423304--051-185036
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

38 „Wer einmal an dem Tische des Herrn (!) gespeiset, der wird gemeine irdische Kost verschmähen, und wer einmal Paprika und Schuhe vom Paprika- Schlesinger bezogen, der wird niemals anders Befriedigung suchen. Echt Wiener Schick, Eleganz und solider Geschmack in Schuhen und die vorzüglichste Qualität in echt ungarischem Paprika bleibt demnach Vorbehalten dem usw." Wegen dieser frechen Gotteslästerung wurde Schlesinger zu 1 Monat strengen Arrestes und der Schriftleiter der „N. Fr. Presse" zu 50 Gulden Strafe verurteilte (Antis. Mon. Bl. Juli 98.) Der Jude Siegfried Grün, Schuhwarengeschäft in der Brunnenstr. 158„ steckt in die von ihm verkauften Schuhe einen Reklamezettel mit den Worten: „Hier kauft der Reiche, wie der Arme, so billig, datz sich Gott erbarme!" Dazu bemerkt die „Staatsb.-Ztg." vom 8. 8. 99: Solche freche Verhöhnung des Namens Gottes ist doch geradezu unglaublich; das bekommt doch nun ein Jude fertig! Und es giebt Deutsche, die sich nicht schämen, in einem solchem Geschäfte Einkäufe zu machen! Daß ebenso wie bei der geschäftlichen auch bei der politischen Reklame daA Christentum geflissentlich beschimpft wird, zeigte sich im Falle Dreyfus. Während der Gerichtsverhandlung zu Rennes (Anfang Oktober 99) wurden auf den Pariser Boulevards Holzschnitte verkauft, die den „gekreuzigten Dreyfus" darsteüten. Dasabgeschmackteste aber leistete im Dienste der Juden eine Florentiner Druckerei, welche Glückwunschkarten für Labori herausgab, die eine Wiedergabe des Gemäldes „Ecce homo“ von Ciseri enthielten, d. h. den gefesselten Heiland darstellten, wie er von den römischen Soldaten verspottet wird, und die „Aurore" des Juden Elemencean schrieb darüber: „In der That, Christus versinnbildlicht die Erlösung der Menschheit^ welche gerade in der Dreyfussa che ihr Golgatha gefunden und die wilde Wut ber modernen Pharisäer erfahren hat." Eine derartige Frechheit in dem ohnehin erregten Paris grenzte doch nahezu an planmäßige Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten. Wenn aber 'mal irgendwo ein dreister Hebräer die Jacke voll bekommt, lamentieren dieselben Zeitungen über „antisemitische Roheit". 5. Einen besonderen Abschnitt verdient die Frage der Judentaufen. a) Hören wir zunächst, wie die Juden selbst darüber urteilen: Auseinem Artikel der „Israelit. Wochenschrift" (Dr. Rahmer-Magdeburg) teilt die „Staatsb.-Ztg." vom 10. 11. 93 folgendes mit: „Wir erklären den Uebertritt eines Juden zum Christentum, wofern er über sein Judentum hinreichend unterrichtet war, und wofern ihm daraus keinerlei zeitlicher Vorteil .... erwachsen kann, einem vernünftigen Menschen unmöglich, undenkbar oder nur aus momentanem heroischem Verzicht auf seinen Intellekt oder aus seelischer Depression erklärbar .... Wir verkennen nicht den unendlichen Segen, den das Christentum der Menschheit dadurch gebracht, daß es ihr jüdische Ideen und Sittenlehren übermittelt, aber in einer Form, die wir von. unserm religiösen Standpunkt nur als eine Trübung (!) ansehen können." Er. S. Bernseld („Allgem. Jsr. Wochenschrift" Nr. 43, 1895) schreibt: „-Die getauften Juden bleiben auch nach jüdischer Auffassung Juden, weil das Judentum den Glaubenswechsel nie anerkennt und den getauften Juden nach wie vor als Juden betrachtet, freilich als solchen, der von den Vorschriften der Religion abgewichen ist und Aergernis gegeben hat. Fühlt er sich in seinem Gewissen beengt, so kann er dies dadurch gut machen, daß. er seinen Schritt-aufrichtig bereut und sonst wie ein Jude lebt. Die förmliche Wiederaufnahme in das Judentum könnte später vollzogen werden".. Der Rabbiner Er. Felsenthal (New-Aork) erklärt: „Es ist ein unbestreitbarer Satz, daß noch niemals ein Jude, der sich seirr klares Denkvermögen ungetrübt bewahrt, aus Ueberzeugung zum Christentum.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.