Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Zionismus
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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26 — Hatte die Aussendung der 42 360 unter Zorobabel noch in mancher Hinsicht einem praktischen Bedürfnis entsprochen, so erscheint das nächste Unternehmen, das von den babylonischen Juden zur Neukolonisation Jerusalems unternommen wurde, auf den ersten Blick lediglich als das Werk frommer Theoretiker. Die babylonischen Juden haben es allezeit vorzüglich verstanden, sich am persischen Hofe in die Wolle zu setzen. Ihre frommen Allüren, ihr geschmeidiges Wesen gefielen den großdenkenden, toleranten Herrschern edler arischer Rasse. Zur Zeit des Artaxerxes nun spürte eine fromme jüdische Klique bei Hofe ein menschliches Rühren für ihre Volksgenossen zu Jerusalem. Die alte Geschichte wurde wieder aufgewärmt. Ein tüchtiger und Zweifellos überzeugungstreuer Entrepreneur fand sich auch, es war Esdras oder Esra, ein großer Schriftgelehrter. Die frommen Hofbeamten verschafften ihm einen königlichen Freibrief, ein Patent als Oberrichter von Jerusalem und bare Unterstützung. Esra brachte 1500 neue Kolonisten zusammen und zog mit diesen, reich mit Schätzen beladen nach Jerusalem hinauf (457 v. Ehr.). Hier fand er die Dinge, wie nicht anders zu erwarten, sehr im Argen. Die Volksgenossen, die gerade nicht, wie die große Mehrzahl, Bettler waren, hatten sich mit den Umwohnern verschwägert und darum auch deren Kultusgebräuche in Jerusalem geduldet. Gestützt auf seine großen Geldmittel machte Esra hier reine Bahn, die alte Exklusivität wurde in jeder Richtung wiederhergestellt. Kraft seiner Autorität von Artaxerxes Gnaden zwang er seinen Untergebenen das angebliche Gesetz Mosis, jene GkHesfessel auf, die freilich im einzelnen längst bei den Juden der Diaspora vorhanden, durch ihn ihre Formulierung erhielt. Durch die vorsichtigen Vorschriften seines Rituals befähigte er die Priesterschaft von Jerusalem die Schatzhüter der großen Bank zu werden, zu deren Fundierung er seine Talente aus Babylon mitgebracht hatte. lieber dieses so herrlich geglückte Unternehmen des Esra war eitel Freude bei der frommen Klique in Babylon. Im ganzen Reiche freuten sich die Juden nach ihrem Vorbilde, daß sie nun wieder ein Vaterland hatten, wie andere Nationen auch, sie machten zwar keinen Gebrauch davon, aber sie hätten es doch thun können, .wenn sie nur gewollt hätten. Und es war so gut fundiert dies „Vaterland". Aber es war noch ein Uebelstand dabei. Trotz seiner Schätze hatte Esra die Juden nicht können arbeiten lehren. Deshalb lagen die Mauern Jerusalems immer noch in Trümmern und seine Thore waren verbrannt. Wie nun wenn einmal der Schutz des Großherrn nicht ausreichte? Jerusalem mußte befestigt werden. Nehemia, der Hofmundschenk übernahm diese Aufgabe. Wie fein er die Erlaubnis dazu erschlich möge man im Buche Nehemia Nachlesen. Er zog also hinauf und machte sich ans Werk. Wie er es angefangen hat die Juden zur Arbeit zu bringen ist ein Rätsel, jedenfalls'machten sie ihm weit mehr Schwierigkeiten als der gewaltig übertriebene Widerstand der kleinen umwohnenden persischen Vasallenfürsten. Nehemia fabelt viel von Anschlägen der letzteren und geplanten Ueberfällen, aus denen Gott sei Dank nichts wurde, sonst hgtte gewiß der jüdische Heldenmut eine furchtbare Probe bestanden. Dagegen kann er nicht verschweigen, daß die Juden sich zum Steintragen für zu schwach hielten und nicht weiter bauen mochten, weil es allzusehr staubte. Das wäre aber immerhin noch zu ertragen gewesen, wenn nicht das gemeine Volk einen Aufstand gemacht hätte, weil es angeblich von den Wohlhabenderen bewuchert wurde. Angeblich sagen wir, denn wären die Wohlhabenden wirklich Wucherer gewesen, so hätten sie wohl schwerlich auf Nehemias Zureden ihre Beute herausgegeben. Uebrigens machen ja heute die jüdischen Kolonisten in Palästina der Rothschildschen Verwaltung, (beileibe nicht Rothschild selber, der ist immun wie nur ein anderer Fürst von Gottes Gnaden)