Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Zionismus
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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25 werden würde, namentlich nicht von denen, die sich in Babylonien in angenehmen und einträglichen Positionen befanden. Wanderbereit würden nur diejenigen sein, die hoffen durften, ihre Lage zu verbessern. Deren Abzug aber war für Babylonien nur ein Vorteil. Das arme Volk aber, das hinzog nach Jerusalem, mußte naturgemäß abhängig bleiben von den in Babylon zurückgebliebenen Volksgenossen, dagegen in Palästina, wohin es als Eindringling kam, isoliert sein und so ein politisches Gegengewicht bei etwaigen Unabhängigkeitsbestrebungen der einheimischen Bevölkerung bilden. So wurde denn die Erlaubnis zur Rückkehr der Juden nach 'Jerusalem feierlichst erteilt und den in Babylonien Zurückbleibenden die pekuniäre Unterstützung der Auswanderer auferlegt. Daraufhin zogen unter Zorobabel 42 360 Juden mit 7337 Knechten und. Mägden, 200 Sängern und Sängerinnen, 736 Pferden .245 Maultieren, 435 Kamelen und 6720 Eseln gen Jerusalem (536 v. Ehr.). Es ist gut, daß Esra diese Zahlen so genau überliefert hat, wir können verschiedenes daraus lernen. Erstens zogen fast zehnmal (!) soviel Juden wieder nach Jerusalem/ als seinerzeit weggeführt waren, da nun aber zweitens diese 42 360 Juden, bloß 7337 Knechte und Mägde und jämmerlich wenig Viehzeug hatten, so können es im Durchschnitt nur sehr arme Leute gewesen sein, zahlreiche Wohlhabende waren also drittens in Babylon geblieben. Höchstens hatten sie pekuniäre Beisteuern zu dem Unternehmen gegeben. Hieraus dürfte man mit Sicherheit schließen, daß wir mit unserer Behauptung, die jüdische Bevölkerung Babyloniens sei schon vor der sogenannten -Gefangenschaft zahlreich gewesen, durchaus recht hatten. Waren doch nur 52 Jahre verflossen, seit Jojachin und die Seinen gen Babel geführt worden waren. Die Heimkehrenden hatten von Cyrus die Erlaubnis und die Mittel bekommen, den Tempel zu Jerusalem wieder zu bauen. Man machte sich gleich ans Werk, d. h. mit Hülfe der Gelder aus der königlichen Schatzkammer engagierte man Phönizier, um die Baumaterialien zu beschaffen, und mit Hülfe königlicher Befehle, nötigte man einheimische Steinmetze und Zimmerleute, den Bau zu beginnen. Die Juden „führten die Aufsicht." Die seinerzeit in Palästina zurückgebliebene Bevölkerung, schon unter der früheren Herrschaft der Juden mit dem Jehovakultus bekannt, wollte auch jetzt wieder teil daran haben, wurde aber mit schroffer Dünkelhaftigkeit zurückgewiesen. Das kränkte. Die Ansprüche, welche die Juden laut königlichen Dekretes auf Landbesitz in der neuen Heimat machten, wuchsen in dem Maße, als die vor der Macht des Cyrus zitterndenalten Einwohner nachgaben. Schließlich überschritten sie alles Maß. Da aber die Juden ebenso wenig, wie die andern durch eigene Kraft ihren Willen durchzusetzen wagten, wurde der Großkönig überschwemmt mit Klagen, Bitten, Denunziationen, bis er es satt hatte, und kurz entschlossen die Wirkung seiner Edikte, drei Jahre nachdem sie erlassen waren, suspendierte. Das jüdische Koloniffationswerk war völlig verunglückt; der Tempelbau blieb als Neubauruine liegen, denn da die. Nachbarn nicht mehr für sie arbeiteten, waren die Juden nicht imstande, den Bau zu vollenden, die Kolonisten saßen in Jerusalem zusammen, darbten und lebten von den Almosen der auswärtigen Glaubensgenossen. Genau so fitzen sie heute dort! Erst 21 Jahre nach der Rückkehr Zorobabels und der 42 360 wurde der Tempelbau mit Erlaubnis des Königs Darms und auf Kosten der babylonischen .Juden vollendet. Schon hatte sich die Sitte bei allen auswärtigen Juden eingebürgert, nach Jerusalem Almosen zu senden für die arbeitsunfähige Masse, die im steten Hader mit der umgebenden Bevölkerung lebend, keine Gelegenheit zu jüdischem Erwerb fand. , Es begann aber auch schon die Kapitalskonzentration nach Jerusalem, von der uns die bekannte Schrift „Meister Josephus" zum erstenmal einen Begriff gegeben hat.