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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Der Zionismus · p. Seite 27

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Der Zionismus
Date
1900-01-01
Page
Seite 27 (sequence 9)
Language
German
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27 ähnliche thörichte Vorwürfe. Schließlich aber gelang der Mauerbau und wurde entsprechend gefeiert. Die aus der Neugründung Jerusalems, welche in dem geschilderten drei Etappen vor sich ging, sonst noch resultierenden weltgeschichtlichen Ereignisse sind zur Genüge bekannt,*) wir brauchen hier nicht weiter darauf einzugehen. Wir haben am Eingänge unseres Aufsatzes bemerkt, daß die Völker aus der Geschichte nichts zu lernen Pflegen und wir begnügen uns hier damit, sehr kurz, mit wenigen Strichen den Zionismus zu Babylon skizziert zu haben, indem wir alle Schlüsse unseren Lesern überlassen. Indessen können wir es nicht unterlassennoch zum Schluß das Urteil Gobineaus anzuführen. Dieser wahrhaft große Gelehrte und Prophet sagt von jenem historischen Unternehmen der Juden: „Wenn eine Nation in der Blüte ihres Daseins und im Ringen um ihre- Individualität sich ein Land auswählt, sich Städte baut, sich eine Hauptstadt schafft und ein Heiligtum einrichtet und nach eigenen Gesetzen leben will, so verdienen die Grundsätze, von denen sie geleitet wird, sie mögen sein wie sie wollen, volle Achtung und alle Sympathie. Es ist der Rassengeist, der da spricht und handelt, es ist ein Kollektiv-Dasein, das sich verwirklicht. Mag auch das Bild, das sich uns bietet, nicht nach unserem Geschmacke sein, es ist menschlich und nichts auf Erden kann mehr Interesse in Anspruch nehmen. „Wenn aber eine Gruppe von Theoretikern sich nicht am wirklich Vorhandenen, sondern am Vergangenen begeistert, sich nicht mit lebendiger Kraft, sondern mit Theoremen bewaffnet und es dann mit Hülfe der Gunst der Könige oder der Völker, mit den Hilfsquellen einer Verschwörung oder einer Subskriptionunternimmt, einen Staat zu gründen, einen politischen Körper zu schaffen, so giebt es nichts Verwerflicheres. Entweder ein plötzlicher Zusammenbruch ist das Resultat, davon, oder es geht eines jener scheußlichen Geschöpfe daraus hervor, wie sie die Zauberer des Mittelalters in ihren Retorten fanden. Uebergroße und weit vorgeschrittene Gesellschaften erzeugen solche Mißgeburten. Ihr Geist ist zu raffiniert, man stellt solche Gegenstände zur Diskussion, man macht Vergleiche mit langen Thatsachenreihen, aus denen man die nötigen Folgerungen herleiten will; man sucht die Zukunft zu erraten, indem man die Vergangenheit rühmt und die Gegenwart verleugnet. Gewöhnlich ist die Bewunderung für die Vergangenheit groß genug, um einen archaischen Geschmack zu erzeugen, namentlich unter den Klassen, die sich schlecht behandelt glauben, es aber nicht so weit sind, um zu schweigen. Das zweite- Jerusalem war eine dieser Erfindungen der Phantasie. Rom versuchte ja auch- Athen wieder zu erwecken und das moderne Europa hat die Republiken Südamerikas und andere Phanlasiestaaten erleben müssen. „Wenn das zweite Jerusalem nicht existiert hätte, so würde die Welt nichts daran verloren haben, höchstens einen jener krankhaften Auswüchse, deren praktische Bedeutungslosigkeit nur insofern einen Nutzen hat, als sie imstande ist nach der- Theorie der Abschreckung zu belehren. Die Nakion der Juden hätte fort gefahren zu leben, wie sie es zum größten Teile ohne dies that, in allen Annehmlichkeiten eines „Exiles" das sie liebte und genoß. Das Häuflein der Pedanten, heuchlerischen und unwissenden Priester und der lange Schweif von Bettlern, der ihnen folgte, wäre nicht dazu gekommen, sich für den Mittelpunkt der künftigen Welt zu geben *) Die Spinne saß im Netz. Allmählich wurde eine immer weitere Umgebung von geschickten^ Wuchererhänden umgarnt, und außerdem wirkten die srommen Spenden, welche aus aller Welt zusammenkamen, ihren beabsichtigten Zweck erfüllend, wie ein ungeheures im Verborgenen wirkendes Pumpwerke aus den gesamten Geldmarkt der alten Welt.

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