Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Zionismus
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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24 aber es scheint, daß der Zusammenfluß der Juden in Babylon zu übermäßig gewesen ist und entweder eine gewaltsame Reaktion der Bevölkerung trotz persischen Schutzes befürchten ließ, oder, was das wahrscheinlichere ist, ähnliche Erscheinungen zeitigte, wie wir sie heute in Polen vor uns haben: die Menge der Schmarotzer war so groß, daß sie mangels genügend vieler Ausbeutungsobjekte nicht mehr gedeihen konnten. Es ist allgemein bekannt, wie man in Polen versucht hat, Luft zu schaffen, indem man nach Rußland hineindrängte, und als . die Russen sich das verbaten, die Auswanderung nach überseeischen Ländern organisierte. Ebenso bekannt ist, daß alle Kolonisationsversuche mit Juden schmählich mißlungen sind, weil eben der Jude nur als Schmarotzer auf einem fremden Volkskörper existieren kann. Nun ist aber das gemeine Volk bei den Juden, sowie es so dicht aufeinander hockt, daß der Einzelne nicht genügend Feld zur Bethätigung seiner angeborenen Talente findet, weit unselbständiger und hilfloser, als die Angehörigen irgend eines staatsbildenden Volkes. Daher kommt es, daß sich immer wieder Dumme unter ihnen finden, die sich zu Experimenten wie die des „Baron" Hirsch in Argentinien trotz aller instinktiven Abneigung mißbrauchen lassen. Die Vornehmen und Wohlhabenden unter den Juden Babylons hatten ganz gewiß auch die hohen Schulen der Babylonier besucht und dort außer Traumdeuten und dergl. m. auch bessere und praktischere Studien getrieben. Ihre Gelehrten hatten sich die Kenntnis der babylonischen, vielleicht auch der zoroastrischen Religionsphilosophie angeeignet und waren durch derartige Studien entweder Freidenker geworden, oder hatten sich, wenn sie einmal eine fanatische Ader hatten, aus Widerspruchsgeist desto heftiger in die in Jerusalem gepflegten Religionsideale verbissen. Diese bildeten wohl die Mehrzahl. Auch ihr Nationalbewußtsein war, bei der eigenen großen Menge, an den Gegensätzen, die sich zwischen Babyloniern und Persern einerseits, zwischen Juden und Nichtjuden andererseits unvermeidlich kundthaten, erwärmt worden. Bessere Naturen unter ihnen mußten es peinlich empfinden, wenn sie im Verkehr mit den vornehmen arischen Eroberern, die ihnen mit der den Vorder-Astaten unbekannten arischen Duldsamkeit entgegentraten, immer wieder auf die Zwitterstellung ihres heimatlosen Volkes mit oder ohne Absicht hingewiesen wurden. So kam es, daß reiche und gelehrte Juden einen Verein gründeten, der das religiöse und nationale Leben des Volkes wieder wecken sollte. An und für sich wäre das kaum nötig gewesen, denn der religiös-nationale Hochmut dieses Volkes steht einzig da und hat niemals eines Stachels bedurft, aber die erwähnten Herren waren Theoretiker und hatten auf der Universität Babylon die Idee ausgenommen, nationales Leben müsse auch eine eigene staatliche Grundlage haben, was ja auch bei normalen Nationen der Fall ist, bei den Juden dagegen nicht. Indessen diese Theorie hatte eine sehr praktische Seite. Wenn man den Plan verwirklichte, so konnte man auf die allerbequemste Art von der Welt der Ueberlastung Babylons duxch Stammesgenossen steuern. Selbst wurde man sie los, die Babylonier wurden abgelenkt, die Perser wurden? gerührt durch das heroische Schauspiel und schließlich gewann man noch ein Plätzchen, woran man für alle Eventualitäten einen politischen Angelpunkt hatte. Von solchen Anschauungen ausgehend und sich dramatisch ein religiöses Mäntelchen umhängend bombardierte der besagte Verein den großmütigen Cyrus mit Petitionen, um für das jüdische „Volk" die Erlaubnis zu erlangen, nach Jerusalem zurückzukehren. Cyrus und seine Räte studierten, wie man heute sagen würde, die Sache und fanden sie praktikabel. Sie sahen sehr Wohl voraus, daß die Erlaubnis zur Rückkehr ins gelobte Land keineswegs von allen Juden benutzt