Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Zionismus
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 5)
- Language
- German
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23 die zu Jerusalem von dem chaldäischen Hauptmann gefangen wurden, ausdrücklich als „Leute des Landes" im Gegensatz zu den Juden bestraft werden. Wohl aber mag umgekehrt unter „den Juden" noch ein größerer oder kleinerer Bruchteil von solchen Mitgliedern der Urbevölkerung gewesen sein, die durch Auszwingung des Jehovahkultus stark assimiliert worden waren. Es waren also höchstens 4600 Juden, welche während eines Zeitraums von 17 Jahren in drei Schüben aus der Umgebung Jerusalems in die jedenfalls sehr viel schöneren und vor allen Dingen weit kultivierteren Gefilde Babyloniens versetzt wurden. Sie befanden sich hier im großen und ganzen in einer Umgebung, die ihnen nicht fremder vorkam, als heute die Residenz des deutschen Kaisers einem aus Krotoschin oder Neutomischel zuwandernden, Hosen verkaufenden, Bocher. Dafür sorgten die schon seit Jahrhunderten in der Euphratstadt ansässigen Stamwesgenossen, die babylonischen Bürger.israelitischer Konfession. Mit diesen, die sehr zahlreich gewesen sein müssen, sich mischend fanden die Neuankömmlinge sehr schnell in der Riesenstadt mit ihrem großartig entwickelten Handelsverkehr ein fruchtbares Feld zur Entwicklung ihrer angeborenen Talente. Indessen müssen die länger ansässigen Mitbürger ganz ausgezeichnet vorgearbeitet gehabt haben, sonst wäre es ihnen doch Wohl nicht geglückt, sozusagen im Sturm die unglaublich einflußreiche Stellung zu erobern, die sie von nun ab auf lange Zeit im Euphratlande einnahmen. Ihr festes Zusammenhalten, verbunden mit fanatischem Fremdenhaß, ihr unverwüstliches Zielbewußtsein, ihr abnorm entwickelter Erwerbssinn, ihre großartige Fähigkeit sich (körperlich und geistig gemeint) das anzueignen, was andere geschaffen haben, kam hier in jeder Hinsicht zur Geltung. Sehr bald sehen wir sie eine große Rolle spielen als Kaufleute, als Gelehrte (alle ihre Bücher tragen die Spuren der kolossalen Entlehnungen aus der chaldäischen Litteratur!), als Priester resp. Propheten, Traumdeuter 2c., und last not loast als einflußreiche Hofbeamte.. Selbst ihr König Jojachin füllt nach dem Tode Nebukadnezars wieder auf die Füße und wird königlich babylonischer Kammerherr. Auf vielen Gebieten machten sie ohne Zweifel den Eingeborenen eine ebenso große wie rücksichtslose Konkurrenz und vermehrten dadurch den Haß des durch unbescheiden zur Schau getragene Verachtung des Heidentums gekränkten Volkes. So kam ein ähnliches Verhältnis zustande, wie wir es oft im Mittelalter erlebt haben und es jetzt wieder mit eigenen Augen sehen müssen. Das Gastvolk, den entgegengebrachten Hatz mit Gleichem lohnend, wünscht sehnlichst den Schmarotzer los zu werden, der „Staat" aber, d. h. Fürsten, Bureaukratie und Geldmenschen glauben ihn nicht entbehren zu können und halten ihn, ehren ihn. ja kriechen vor ihm angesichts ihrer schamroten Unterthanen. Diese Stellung aber hindert die Juden nicht, trotz alledem gegen den gastlichen Staat zu konspirieren, ihr schlechtes Gewissen treibt sie, für den Fall, daß der lodernde Haß der Unterdrückten nicht mehr zu dämpfen sein sollte, mit auswärtigen oder unterirdischen Gegnern der bestehenden Ordnung einen Rückverflcherungsvertrag abzuschließen. So sehen wir in Babylon die Juden im Einverständnis mit dem persischen Eroberer Cyrus. Derselbe Haß der Undankbarkeit, der sie einst gegen die Aegypter entflammt hatte, läßt sie jetzt in einen Paroxysmus der Wonne geraten, bei dem Gedanken, daß der große Perser dem babylonischen Reiche den Garaus machen möchte. Und wie es wirklich geschieht, begrüßen sie ihn 'als einen Heiland und Messias, als den Gesalbten Gottes. Die Eroberung Babylons durch Cyrus (538 v. Ehr.), obgleich mit Jubel begrüßt, muß aber doch den Juden eine große Enttäuschung gebracht haben. Zwar lehrt die Geschichte, daß sie es verstanden, eine große Rolle auch am persischen Hofe zu spielen.