Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Der Zionismus
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 4)
- Language
- German
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22 Ein solches Schinarotzervolk ist ja nun freilich einegroße Ausnahme im dem Menschheit, aber die Juden bilden doch nicht den einzigen- Fall. Haben wir nicht? eine sehr ähnliche Erscheinung bei den Zigeunern? Auch hier hilft alles Fragen nicht, woher kommen sie, wer machte sie zu dem was sie sind? Die Thatsache ist:: sie sind, und bleiben, wie sie sind. In der Staatenbildenden Tierwelt haben wir übrigens ja genau denselben Vorgang, neben den zahllosen Ameisen- und Bienenarten, die befähigt sind ein staatliches Leben zu führen-, einigewenige Arten,, die mangels eigener Begabung darauf angewiesen'sind, nicht etwa ganz außerhalb der für ihre Natur unumgänglichen Staatsgebilde zu leben, sondern in den von Anderen ins Leben gerufenen und erhaltenen zu schmarotzen. Auch in der Tierwelt müssen wir uns mit gegebenen Thatsachen abfinden, wir können Wohl mit Darwin annehmen, daß die einzelnen Arten entstanden, geworden sind, aber auf die Frage, wie sind sie geworden, erhalten wir auch hier keine ausreichende Antwort. Die Natur läßt sich nicht in ihrer geheimen Werkstatt belauschen. Die beiden palästinensischen Kleinstaaten, in denen die Juden eine herrschende Rolle spielten, fielen bekanntlich beide dem Wettstreit Aegyptens mit den vorderasiatischen Großmächten Assyrien und Babylon um die Vorherrschaft in Syrien zum Opfer. Weder der Untergang des Reiches von Samaria, noch der des Reiches Juda berührte indessen die Existenz des jüdischen Volkes. Es waren ja überhaupt nur kleine Bruchteile desselben, die dadurch betroffen wurden. Namentlich in Samaria müssen die Juden sehr wenig zahlreich gewesen sein, sonst wären sie nicht mit der übrigen in die assyrische Gefangenschaft geführten Bevölkerung so gänzlich verschwunden. Aber auch die Zahl der Juden, welche die sogenannte babylonische Gefangenschaft über sich ergehen lassen mußte, war nur gering. Die Überlieferung - ist in diesem Punkte sehr verschieden. Im 2. Buche der Könige wird erzählt, daß Nebucadnezar mit dem gefangenen Könige Jojachin lJechonja) „das ganze Jerusalem wegführte, alle Obersten, alle Gewaltige, 10 000 Gefangene, und alle Zimmerleute und alle Schmiede, und ließ nichts übrig, denn geringes Volk des Landes (2. 24, 14)". Vers 15 und 16 aber heißt es weiter: „und führte weg Jojachin gen Babel, die Mutter des Königs usw. Und was der besten Leute waren 7000, und die Zimmerleute und Schmiede, 1000, alle starke Kriegsmänner, und der König von Babel brackte sie gen Babel." Das wird gewöhnlich so aufgefaßt und in den Geschichts- Werken so dargestellt als seien 17—18000 Juden weggeschleppt worden. Dagegenist im 52. Kapitel Jeremia, Vers' 28 ff. berichtet: „das ist das Volk, welches- Nebucadnezar weggeführet hat; nämlich im 7. Jahr (Unterwerfung Jojachins, 597 v. Chr.)> 3023 Juden; im 18. Jahr aber des Nebucadnezar (Zerstörung Jerusalems, 586 v.'Chr.) 832 Seelen aus Jerusalem. Und im 23. Jahr des Nebucadnezar führete Nebusaradan, der Hauptmann, 745 Seelen weg aus Juda. Aller Seelen find 4600." Der Widerspruch ist aber leicht zu lösen. Es wurden mit Jojachin 10 000 Menschen nach Babylon geführt, darunter 3000 Juden, wie Jeremia 52 berichtet wird, und das waren die „Obersten" und „Gewaltige"; „was aber die besten Leute waren; 7000, die Zimmerleute und Schmiede, alle starke Kriegsmänner", das waren eben keine Juden. Wo hätte-man auch je gehört, daß Juden Zimmerleute und Schmiede gewesen wären, und von der jüdischen Kriegstüchtigleit ist ja auch sonst nicht viel bekannt. Das „Volk des Landes" aber, welches zurückbleibt, um die Aecker und Weinberge zu bestellen, das waren keine Juden, sondern das ist die unterdrückte ackerbautreibende Bevölkerung Kanaans. Diese zog ja auch zum Teil mit den Chaldäern gegen den Sitz der Unterdrücker, gegen Jerusalem. Wo sie für die Juden Partei nimmt, wird dies gleichfalls ausdrücklich erwähnt, ebenso daß ihrer sechzig,