Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Entstehung des Juden.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
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17 kindlich ist die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar aufgefaßt. Das war kein Schlag gegen das Judentum, sondern gegen den Amoritischen Grundadel, der seit den Zeiten des tüchtigen Nachfolgers von Hiskia, Manasse, mit dem Priestertum auf Kriegsfuß lebte. Der Chaldäische Czar handelte viel eher im Aufträge des Kahal, als er den unglücklichen Zedekia vom Thron stieß. Nicht Juden hat er ins Exil geschleppt — die hatte er in Babylon schon so wie so bedeutend mehr als genug — sondern das mit den Priestern zerfallene Davidische Königshaus und dessen Anhang. Und die Nachkommen dieser Leute sind dann von Cyrus wieder freigelassen. Dem entsprechend wird der hebräische Schwarm, den Esra um 450 nach Jerusalem führt, schwerlich aus Nachkommen „exilirter" Juden, sondern aus Abkommandirten der Babylonischen Gemeinden bestanden haben. Aus ihnen konnte der Jude jedenfalls nicht eher entstehen als aus den Absendern selbst. Das Schwerwiegendste, was für mich gegen die Chamberlain'sche Theorie spricht, ist, daß er mit ihr höchstens das Entstehen des Juden im Weichbild von Jerusalem erklärt, d. h. noch nicht eines Tausendstels der ganzen Rasse. Was er sagt, paßt vielleicht auf die Entstehung einer Priesterkaste, aber nicht eines ganzen Volkes. Die Diaspora, die Zerstreuung des Hebräers durch und über die ganze damalige Kulturwelt giebt Chamberlain zu für eine viel ältere Zeit als die der Esras und Nehemias. Es mag ja sein, daß-er diese zerstreuten Elemente noch nicht für echte Rassebestandteile, für Volljuden hält. Aber — was ist dann aus ihnen geworden? Sind diese ,Werdenden" Juden untergegangen? Nach Chamberlains eigener Darstellung (S. 276 u. ff.) scheint das gerade nicht der Fall zu sein. Denn er läßt gerade die Hauptmasse der jetzigen Juden, die er allerdings für eine gemeine und widerliche Sorte erklärt (S. 275), aber deren Rassekraft er nicht bestreitet, — nicf)* von der Priesterkaste in Jerusalem abstammen. Er nimmt an, daß bei letzteren durch fortwährende Ausscheidung aller minderwertigen Elemente geradezu eine Edelrasse, die der „Sephardim" sin Portugal, Holland und Saloniki) gezüchtet sei, deren Mitglieder er als Prachtexemplare der Menschheit anschwärmt (S. 277). Möglicherweise hat er hier eine Gelegenheit beim Schopf genommen, um seine sonstigen Bosheiten wieder gut zu machen. Aber gleichviel: es handelt sich hier darum, daß nach seiner Darstellung einerseits die priesterlich - kastenartige Isolierung in Jerusalem den Juden erzeugt haben soll, anderseits — der Jude der Gegenwart seiner großen Masse nach nicht von diesen Priestergeschlechtern abstammt. Und gerade die letzteren sind nach Chamberlain die gefährlichen: die Sephardim thun uns nichts zu Leid. Offenbar hat sich in Wirklichkeit die Raffe außerhalb Jerusalems und außerhalb der strengen Ehekontrolle Esras genau ebenso kraftvoll entwickelt, wie innerhalb. Entweder müßten also die Jsolierungsvorschriften Esras gleichzeitig von allen Juden der Welt angenommen sein, oder aber — sie sind nicht die Ursachen des wunderbaren Naturells der Juden. Was nun den Rabbiner Esra anbetrifft, so dirigierte der das Judentum nicht, sondern wurde dirigiert, nämlich von den babylonischen Firmen, die seine Expedition finanzierten. Die Neugründung des Tempels hatte hauptsächlich finanzielle Zwecke; es handelte sich um Wiedereinrichtung der jüdischen Nationalbank, wobei die Jahvehreligion nur Aufputz war. Esra hatte seine Verhaltungsmaßregeln, konnte also nur einführen, was in Babylonien für die Juden schon längst praktisch durch geführt war! — Glaubt man ferner, daß die damals sehr zahlreichen ägyptischen Juden es sich würden haben einsallen lassen, die Vorschriften eines beliebigen babylonischen Rabbiners für sich maßgebend zu erachten, wenn — sie nicht schon zu Recht bestanden? — Schon aus Ranküne nicht! — Ich persönlich bin überzeugt, daß die 2