Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Entstehung des Juden.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Entstehung des Juden spricht, da er der individuellen Persönlichkeit bei ihm über-' Haupt keine Bedeutung beilegt. Die Stichhaltigkeit seiner Theorie muß also an anderen Punkten ausprobiert werden. Verhielte sich die Sache so, wie Chamberlain annimmt, wir Antisemiten könnten im großen und ganzen mit dieser historischen Klarstellung zufrieden sein, so seltsam sie uns auch anmutet. Es wären dann drei sehr wichtige Dinge festgestellt, und es wären ebensoviel sehr starke Verschanzungen des Judentums beseitigt. Erstens stände fest, daß die jüdische Rasse als solche erst entstanden ist, als die im Alten Testament geschilderten Staaten Israel und Juda nicht mehr existierten, daß die Juden niemals Bürger eines freien Gemeinwesens gewesen sind und weder in politischen noch wissenschaftlichen noch künstlerischen Dingen das Allergeringste geleistet haben. Man. könnte sich dann uns gegenüber nicht mehr auf die angeblich früher bewiesene Leistungsfähigkeit berufen und behaupten, daß die gleichen Fähigkeiten noch heute latent in der Judenseele vorhanden seien. Leute ohne staatlich-nationale Anlagenhaben aber in unseren europäischen Nationalstaaten keine Aufenthaltsberechtigung. Zweitens könnte man eine so zähe und durch Blutmischung nicht affizierbare Rasse direkt als eine Staatsgefahr bezeichnen. Es wäre denn auf eine Besserung oder Aenderung oder Amalgamierung der jüdischen Rasse gar nicht mehr,. Wohl aber auf eine schädliche Beeinflussung unseres Volkstums durch sie zu rechnen. Drittens — last not least — wäre an Hand von Chamberlains Theorie als zweifellos zu betrachten, daß unser Erlöser kein Jude^war, daß also keine Veranlassung vorliegt, die Juden deshalb in Schutz zu nehmen, weil sie das Stammvolk unseres Heilands seien. — Jedenfalls stellt die Theorie Chamberlains einen ungeheuren Fortschritt gegenüber der theologischen Auffassung dar. Nach ihr gilt Abraham als Stammvater der jüdischen Rasse, denn seinem Samen wird die „Verheißung" erteilt.. Sein Enkel Jakob wird gleichzeitig — unter geschickt falscher etymologischer Deutung des Namens — Israel genannt, und auf die Art werden die sämtlichen israelitischen Stämme zu Nachkommen Abrahams gestempelt. Dadurch gelangen die Juden zu Nationalhelden und Staatsleben. Später, als der Mohr seine Schuldigkeit gethan. hat, wird allmählich der Name „Israeliten", der noch bis ins 2. Buch der Könige dominiert (erst da taucht das Wort Jude auf) in den Hintergrund gedrängt. Ganz, unmerklich wird aus dem Israeliten des Altertums der Jude der Gegenwart. Irgend ein schweres Vergehen gegen die Gottheit hat dem ehemaligen Israeliten und jetzigen Juden „zeitweilig" seine staatlichen Fähigkeiten lahm gelegt, aber es steht nichts im Wege, daß die Gottheit Gnade ergehen läßt. Dann ist er wie wir und vorzüglich geeignet, sich mit uns zu verschmelzen. Man erkennt hier die unermeßliche soziale Bedeutung einer falschen historischen Auffassung. Hundert Jahre können noch hingehen, bevor es uns gelingt, den eingewurzelten Glauben des Volkes an sie zu erschüttern, und so lange hat der Jude immer einen Zufluchtsort im Wohlwollen der Menschheit. Für den der nachdenkt ist diese Darstellung unhaltbar, schon weil sie nicht, im Einklang steht mit den Gesetzen der Rassenbildung. Aus den Nachkommen eines einzelnen Patriarchen, die sich von vornherein gegen Blutmischung absperren, kann keine selbständige Neurasse hervorgehn. Wenn sich ein Typus bei diesen Nachkommen festlegt, so wird er nicht der Typus Abrahams, sondern der seiner Vorfahren sein. Man hätte also dann keine Veranlassung, Abraham'„Stammvater" zu nennen. „Stammvater" einer Rasse ist diejenige Generation, in der sich die erforderliche