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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Entstehung des Juden. · p. Seite 10

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Entstehung des Juden.
Date
1900-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 mystisch. Es müssen bei jeder Rassenbildung außerordentlich mächtige psychologische- oder vielleicht transzendente Motive Mitwirken. Chamberlain schreibt deshalb den historischen und politischen Verhältnissen, die einflußlos sind aus die sestgelegle Rasse,, einen starken Einfluß zu auf die Bildung einer solchen. Nun — diese seine Theorie wendet Chamberlain in vollem Umfang auf den Hebräer an. Er glaubt auch bei ihm in historischer Zeit diejenigen historischen Thatsachen seststellen zu können, die die „charakteristische Blutmischung mit nach-' folgender Inzucht" veranlaßt haben, aus der der Jude hervorging. Er nimmt an,, daß diese Thatsachen oder Verhältnisse die eigentümlichen seelischen Strömungen angeregt hätten, die zu einer Neurassenbildung erforderlich find. Gerade beim Hebräer legt Chamberlain das Hauptgewicht auf diese geheimnisvollen seelischen. Strömungen. Es darf bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen werden zu bemerken, daß. Chamberlain mit seiner Rassetheorie auf den Schultern eines Andern steht: Der ist Arthur von Gobineau, der so lange ignorierte und auch bis heute noch lange nicht nach Gebühr gewürdigte große französische Staatsmann und Denker, dessen Werk über die Ungleichheit der Menschenrassen vor ca. 50 Jahren erschien. Chamberlain ist ein wenig undankbar gegen ihn: Er nennt seinen Standpunkt wiederholt beschränkt und vergißt dabei erstens, daß er nur das Gobineau'sche System weiter ausbaut, zweitens — daß er — nach meiner Ansicht — Gobineau nicht überall voll versteht. Beide Naturen sind verschieden. Gobineau ist zu sehr Pessimist, Chamberlain im Grunde zu sehr Optimist, als daß allzu intime Freundschaft möglich wäre. Aber — der Schöpfer seiner Ideen ist Chamberlain nicht. Gehen wir nun im einzelnen auf die Darstellung der Entstehung des Juden,, wie Chamberlain sie giebt, ein. Chamberlain beginnt seine Darlegung der Entstehung des Juden mit einer Behauptung, die selbst in den Reihen des eigentlichen Antisemitismus bisher kaum aufgetaucht war: „Israel" und „Juda" sind nicht zwei Namen für ein und dasselbe Volk, sondern bezeichnen zwei scharf verschiedene Völker. Damit bricht er ein für alle Mal mit der konventionellen Auffassung. Er sagt:. Kanaan, die angebliche Heimat der Juden war von den eigentlichen Juden nur zum allerkleinsten Teil bewohnt, kaum weiter als das Weichbild einer Stadt reichte: Jerusalem. Nördlich von Jerusalem bis zum See Genezareth wohnte ein anderes Volk, die Kinder Ephraim, das sog. Haus Joseph, auch (— von ihrer Hauptstadt im Kisonthal) Israeliten genannt, den Juden allerdings verwandt aber ganz anders geartet. Beide, Israeliten und Juden, bezeichnet Chamberlain als Bastardrassen, hervorgegangen aus Vermischung von zwei sehr ungleichen Typen, in die keine Harmonie zu bringen war: Des arabischen Beduinentypus, den man im Allgemeinen den semitischen zu nennen pflege, und des syrisch-hethitischen Typus. Mit dem Aufsatz „Juda und Israel als weltgeschichtliche Doppelgänger" im Jahrbuch von 1897 stimmt Chamberlain insofern überein, als er den Beduinenschwarm von Norden her (aus der Gegend von Edessa und Diar-bekir) in Kanaan eindringen und einige Zeit später von da nach Aegypten gelangen läßt. Aber während „Judcr und Israel" als den Ort, wo das erste Zusammentreffen zwischen beiden Völkern stattfand, eben das Nilland annimmt, wo die Kinder Israel die Hebräer bereits als abgesonderte und sehr lästige Rasse kennen lernten —, und bei der Rückkehr der Israeliten nach Kanaan einige Exemplare der letzteren Spezies sich in ihre Reihen, einnisten und so mit nach Kanaan gelangen läßt, nimmt Chamberlain an, daß die Nachkommen jenes Beduinenschwarms erst aus Aegypten zurückkehren und sich wieder-

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