Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1900
- Issue
- Die Entstehung des Juden.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 cherumgetrieben und sich immer sehr kommod dabei befunden. Aber wir stehen nun vor. Tabula rasa. Wir wissen Positives von der Entstehung des Juden 'so wenig, als vom Innern der Erde. Dabei wäre uns die Lösung des Rätsels aus sozialen Gründen bitter nötig. Es geht uns wie ehemals den Thebanern. Wieder sitzt ein unheimlicher Sphinx vor den Thoren und legt jedem Vorübergehenden die peinliche Frage vor. — Jüngster Tage tritt nun mit wuchtigen Schritten ein moderner Oedipus an thn heran: ein uns "sehr sympathischer Philosoph, der die Feder als Schwert zu führen weiß: Houston Steward Chamberlain heißt er, von Geburt Brite, aber ganz von deutschem Geist durchtränkt. Er lebt ja auch unter uns. Sein großartiges neuestes Werk „Grundlagen des 19. Jahrhunderts", eine umfassende Darlegung des Wurzeln unserer Zivilisation, beschäftigt sich eingehend mit der Entstehung der Juden. Vom Standpunkte des Hebräers bringt ihm dies beiläufig kein Lob, fondern eine mindestens levis nota ein. Der Jude wünscht keine Studien über feine Entstehung. Wer feine Fährte aufspürt, den rechnet er — nicht mit Unrecht — zu seinen Jägern. In -diesem Sinne wollen wir Chamberlain Waidmannsheil wünschen. Vielleicht steckt ein gut Teil der Furchtbarkeit des Hebräers in seiner Rätselhaftigkeit. Uns foll's Recht sein, wenn der kühne Brite das Rätsel löst. Wenn's nur überhaupt einer löst! -Chamberlain ist ein erfahrener Waidmann. Er sucht vor Allem dem Wild den Wind abzugewinnen. Es giebt in der Welt eifrige, aber etwas ungeschickte Jäger, die meinen, man könne Alles mit blindem Draufgehen erreichen, die den ganzen Tag im Busch mit Klappern und Rasseln arbeiten und dann dem aufgescheuchten Hasen im Lauf Salz auf den Schwanz streuen wollen. Diese Leute nennt man Antisemiten. Chamberlain wird nicht müde, dem Publikum zu versichern, Daß er kein Antisemit sei, daß er die gehässige antisemitische Litteratur bei seinen Studien ganz bei Seite gelassen, daß er die Zitate im Antisemitenkatechismus für aus den Zusammenhang gerissen halte. Fortwährend überhäuft er den Juden mit Komplimenten über die Zähigkeit und Sicherheit mit der er seinen Weg verfolgt. „Sollen wir dem einzelnen Juden sein Benehmen übelnehmen? Das sei ferne von uns!" Der einZelne Jude ist gut und schlecht, gerade wie der einzelne Arier gut und -schlecht ist. Auf alle moralisch-statistischen Feststellungen der Antisemiten legt Chamberlain gar kein Gewicht. Dabei aber kommt dieser selbe milde Fürsprecher Des Judentums im Verfolg seiner Studien zu Resultaten über die Natur des Juden, die alle antisemitischen Resultate hinter sich lassen. Das nennen wir das Wild beschleichen. Wir tadeln diese Jagdpraxis nicht. Sie ist sogar notwendig. Wer sie mämlich nicht mitmachen will, der erhält überhaupt keinen Jagdschein: ist zu sagen Der findet keinen Verleger!! Chamberlain ist ein Fallensteller, der seine Schlingen unter Blumen und Laubwerk zu verstecken weiß. Zur Nachachtung für weniger gewandte Jägersleut hier einige wörtliche Beispiele aus den Grundlagen: Seite 328 und an vielen anderen Stellen: „Das Volk der Juden ist und bleibt ein fremdes Volk. Sie werden von unserer Kultur nur hauttief berührt" . . . „Aeußerlich erbte der Jude das Gleiche wie wir. Aber das Innerliche ist grundverschieden." 324: „Von idealen Beweggründen bestimmt öffnete der Arier in Freundschaft die Thore: Wie ein Feind stürzte der Jude hinein und pflanzte auf den Trümmern unserer Eigenart die Fahne seines ewig fremden Wesens auf." 428: ,Mit der Naivität eines wenig gewitzigten Jndoeuropäers gestattete der Perser Eyrus den Wiederaufbau des Tempels. Unter dem Schutz arischer Toleranz wurde Der Herd errichtet, aus dem semitische Intoleranz allem Edlen zur Schmach sich wie