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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 214 (sequence 244)
Language
German
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IRI
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Du, Allmächtiger, Ihr werdet Euch auf die Vergangenheit berufen: Nebukadnezor und Titus wirst Du anführen. Es gilt nicht. Wenn ein Mensch sündigt, so wird seine Seele abgerissen von ihrem Bestimmungsort und schwebt in der Welt herum; Seelen, die herumschweben, können nicht mehr gestraft werden, weil diese Unruhe die höchste Strafe ist. Israel, die Seele der niedrigen Welt, hat gesündigt; da hast Du durch Nebukadnezor und Titus uns abgerissen, abgestoßen und wir schweben jetzt in der Welt herum. Das ist die höchste Strafe. Und wenn herumschwebende Seelen sündigen, sollen sie gestraft werden und dazu noch von Fremden? Das ist eine Verletzung der Thora. ,Wir sind Deine Knechte*, so heißt es in der Thora. Dies gilt für uns, Rabbi, und für Gott, gemeinsam haben wir die Verpflichtung übernommen, und wenn auch Israel die Thoragesetze umgeht, so kann und darf es für Ihn — geheiligt sei Er und sein Name — keine Entschuldigung sein, daß auch Er, der Unfehlbare, die ewige Wahrheit, sie umgehen dürfe. Wohl, Israel erfüllt nicht die Gebote, doch nur weil es in Not ist, und ein Gebet in der Not ist nicht fein. Um Gott zu dienen, muß man in fröhlicher Stimmung sein, da ist die Seele reiner, mehr geneigt zur Begeisterung, da allein kann das Herz brennen; in Freude ist Israel des Irdischen entblößt und es bleibt nur die Lebenskraft, die ein Teil ist der Gottheit. In Not wird Israel alt; um Gott zu dienen, muß die Seele jung sein, nur dann sucht sie Gott. Ja, Israel hat vieles gegen Dich getan; Dein Knecht, Mächtiger, frevelt, so strafe Du ihn, kein anderer tue es! Und warum sollen wir eines Tages die Ursache der Leiden des Hospodars und seines Volkes werden? Denn unser Aufseher im Himmel wird Klage führen, daß unser Blut und Fleisch gefressen wird, und dann wirst Du unsere Leiden am Hospodar und seinem Volke rächen müssen. Wir wollen nicht die Ursache der Leiden anderer sein. Wir sind Deine Knechte; so strafe Du uns, Herr, aber kein anderer; denn sonst könnte es scheinen, daß Israel viele Herren hat. Wir sind Deine Knechte; dieses urwahrste Wort muß Gott erfüllen, einwenden kann er nichts, denn heilig und ewig sind der Thora Worte. Rabbi, ich verlange einen Urteilsspruch." Und die Worte brachen aus Reb Feiwels Mund wie ein heiliger Strahl hervor und wurden immer flammender und reißender. „Sehr richtig sprichst du," sagte Reb Elimelech, „aber bei Nacht darf man kein Urteil fällen. Komme morgen." Am Morgen kamen zu Elimelech drei große Zaddikim, Männer von großem Namen: der Koznitzer Maggid, der Lubliner Rabbi und der Apter. Seinen Gästen zu Ehren bereitete Rabbi Elimech ein Mahl und bat Reb Feiwel zu sich. Beim Mahl verlangte Reb Elimelech von Reb Feiwel, daß er vor den Gästen seinen Standpunkt klarlege. „Mir fehlt das gestrige Hithlahaboth," sagte Reb Feiwel. „So gebe ich dir die Redekraft und befehle dir vorzutragen." Und die Erleuchtung kam über Reb Feiwel und mit geschlossenen Augen begann er anzuklagen. Als er zu Ende war, sagte der Apter: „Bei uns ist es Gesetz, daß wir nach den Auseinandersetzungen beider Parteien sie abtreten heißen. Darum entfernet Euch, Reb 214

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