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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 202

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 202 (sequence 230)
Language
German
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IRI
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Dorf ein Nebenverdienst, auf den er nicht immer angewiesen ist*. Sein Lohn ist daher niedriger als das Existenzminimum eines städtischen Proletariers, der Landarbeiter werden will. Palästina bietet uns das seltsame Beispiel eines Landes, in dem einwandernde Proletarier die Einheimischen durch ihre Konkurrenz nicht bedrohen, sondern im Gegenteil überbieten und derart ihren Wohlstand erhöhen**. Die Lohnverhältnisse haben sich nicht als ein unüberwindliches Hindernis erwiesen. Der jüdische Arbeiter überragt den fellachischen an Intelligenz, was in der intensiven Plantagenwirtschaft Judäas von Bedeutung ist, an Ehrlichkeit, Leistungsfähigkeit und Nüchternheit. Er erzielte nicht nur höhere Löhne, sondern trug dazu bei, die Löhne der Fellachen zu heben. Ein ebenso vorübergehend wirkendes Hindernis für die Anpassung der jüdischen Proletarier an die landwirtschaftlichen Verhältnisse ist der Mangel fachlicher Kenntnisse. Beide Schwierigkeiten — ungenügende Qualifikation und höhere Lohnansprüche — machten sich nur in der ersten Zeit geltend, doch waren sie stark genug, um Hunderten den Zutritt zur Landarbeit bedeutend zu erschweren. Tiefgreifender wirken jedoch andere Erscheinungen der palästinensischen Landwirtschaft. Die Landarbeit ist Saisonarbeit. Hat der Arbeiter einen erträglichen Lohn erzielt, so ist er niemals in der Lage, Ersparnisse für die periodisch eintretende Arbeitslosigkeit zu machen. Sind die ersten zwei Hindernisse überwunden, dann scheitert er an dieser viel drohenderen Klippe. * Von den Arbeiterpächtern (Charaten) in Galiläa ab gesehen. Dort verkauften arabische Effendis an jüdische Kolonisationsvereine Grundstücke, die von fellachischen Erbpächtern besetzt waren und die nunmehr Charaten in den jüdischen Kolonien werden mußten. ** Es ist notwendig, dies ausdrücklich hervorzuheben, da sich in jüngster Zeit „Soziologen" von zweifelhafter Gelehrsamkeit und politische Naderer häufig bemühen, die Besiedelung Palästinas als eine jüdische Invasion in ein dicht besetztes Land, als einen Verdrängungszug gegen die Araber hinzustellen. Das Land Palästina, ohne das Gebiet des Toten Meeres und ohne das anglo-ägyptische El-Arisch, umfaßt eine Fläche von mehr als 30.000 Quadratkilometer mit einer Bevölkerung von etwa 700.000 Seelen, was einer Dichte von kaum 25 Köpfen pro Quadratkilometer entspricht. Das benachbarte Libanon zählt 133, das dem Judenlande geographisch-klimatisch ähnliche Sizilien hat 143, das industrielle Belgien nahezu 250 Einwohner pro Flächeneinheit. Nur böswillige Ignoranten können daher von einer Bedrohung der einheimischen syrisch-arabischen Bevölkerung und von einem „besetzten" Palästina reden. Die jüdische Einwanderung bedeutet für die fellachische Landbevölkerung kein Bedrängnis, sondern die Steigerung der Bodenpreise und der Grundrente, Einführung neuer Kulturen, Vermittlung moderner Bewirtschaftungsmethoden durch die jüdischen Landwirte und die Erweiterung des Absatzmarktes für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in den aufblühenden Städten. Diese Vorteile sind so einleuchtend, daß das Judengeschrei einiger arabischer (vornehmlich christlicher) Krämer und Gewerbetreibender, die von der modernen Entwicklung überholt wurden, und ihre Versuche, auch die Landbevölkerung aufzuhetzen, keine Bedeutung haben. Freilich darf die zionistische Organisation die verhängnisvollen Fehler der galiläischen Enteignungspolitik der Ica niemals wiederholen. Es ist wahrlich in Palästina Raum genug für beide stammverwandte Volker. 202

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