Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5670/1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 194)
- Language
- German
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oder nicht verstanden. So ist der ganze Botengang nutzlos. Nun steht er da, der unnütze Bote, und lächelt verlegen und streckt bittend die dürre Hand aus, die ein Stückchen Brot heischt. Denn an's Essen hat er während seines Botenganges ganz vergessen! . . . IL Es ist Sommer. In dem armseligen Städtchen stockt Handel und Wandel. Die Leute haben den ganzen Tag nichts zu tun. Die Weiber finden wenigstens in der Küche ihre Beschäftigung. Die Familienväter aber sitzen beim Fenster und gähnen. Sie werfen ab und zu einen erwartungsvollen Blick auf den Markt, ob sich dort nichts Interessantes zeigen will. Da erblickt einmal einer den unbekannten jungen Mann und ruft ihn zu sich, damit er sich mit ihm die Zeit kürze. Denn die Fliegen am Fenster sind schon alle tot, es ist also nichts mehr mit dem Fliegenfang. Drum wird, um sich die Zeit ein wenig zu kürzen, und sich ein Späßchen zu verschaffen, der originelle Mensch ein wenig ausgefragt: „Komm ein wenig ins Zimmer!" Der junge Mensch schüttelte den Kopf; er will nicht. „Warum nicht?" „So!" Der ehrsame Bürger lacht und geht vor die Tür, setzt sich auf die Schwelle oder auf die Bank vor dem Hause und beginnt sein Verhör: „Wie heißt du junger Mann?" „Wie ich heiße? Abraham — hm! ich glaube. Abraham — ja, ja, Abraham!" „Du weißt das nicht sicher?" — Unser Freund weiß nichts sicher. Wie kann man überhaupt etwas sicher wissen? Es gibt doch — und gerade bei Namen — so viel Möglichkeiten* Der Frager hustete vor Lachen und fragt weiter: „Wie ist dein Zuname?" Der arme Mensch ist ganz verlegen und stammelt endlich: „Zuname — braucht man denn einen Zunamen?" „Natürlich — es gibt doch eine Menge Abrahams und die könnten sich, Gott behüte, vermengen und keiner von ihnen wüßte, welcher er ist." „Was wäre denn da dabei?" Die Entgegnung hat der Frager auf seine Bemerkung, die er für sehr geistreich hält, nicht erwartet, und geht lieber auf einen andern Punkt über: „Wessen Sohn bist du?" „Des Vaters Sohn." „Und wie heißt dein Vater?" „Vater heißt er." „Wo wohnt er denn?" „Dort wo dein Vater wohnt." Dabei hebt der junge Mann die Hand und deutet gen Himmel. 170