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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 154 (sequence 176)
Language
German
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Wie an verborgene Stricke: die Schatten der Speere gebunden. Silbernd im Mond ist ihr Angesicht — verschattet ihr Auge. — ~ Staunend steht der Leu vor der schlummernden, machtvollen Hoheit. Plötzlich zuckt seines Sdhweifes Knauf, und er brüllt so gewaltig, Daß der Wüste Arme auf Meilen und Meilen erzittern. Niederfällt der Hall und springt zwischen Felsen und Berge, Dringt wie Donnerschlag bis zum Ende der einsamen Ferne — Nur Schakale heulen im Echo und schaurige Käuze, Aufsteigt der Wilden Getöse und füllt die Wüste mit Beben. Ist's nicht die Wüste selbst und brüllt niefit bitter die Öde, Die aus dem Bann erwacht, ermattet, mit hungriger Seele? Einen Augenblick steht noch der Leu in der Wucht seines Donners, Schreitet dann neben den Leichen, im Blicke die Glut der Verachtung, Schüttelt die Mähne und weicht, mit der edlen Ruhe des Königs. Lange nachher noch zittert die Wüste und kann nicht verstummen, Stöhnt in verhohlenem Ach, — ergrimmt um erlittene Qualen. Graut es früh — sie ist matt, entschlummert, erschöpft der Erregung, Wimmert, halb schlafend, halb wach — und der nahe Morgen entsetzt sie. Matter wird der Mond, des Himmels Enden verblassen, Mählich zerrinnen die Schatten am Grund der massigen Berge. Deutlicher werden die Felsen, sie grauen und weichen zur Ferne. Sonne erstrahlt. Die Wüste verstummt. Und ewiges Schweigen. Riesen liegen wie früher. Es kreisen Jahre um Jahre. — — -~ anchmal aber packt die Wüste des Schweigens ein Ekel, Fährt sie empor, auf einmal ihr Los an dem Schöpfer zu rächen, Hebt sich im Sturm gegen ihn und bäumt sich mit Säulen des Sandes, Ihren Schöpfer verachtend, und macht seine Throne erzittern, Wagt's ihm zu Füßen zu schleudern die Wut des schäumenden Hasses, Ihm die Welt zu verwirren, das Chaos jäh zu erneuern. Und der Schöpfer erbebt, sein Himmel tobt und verfärbt sich, Hängt wie glühendes Blei die lastende Wölbung hernieder. Ringsum breitet sidi weit das Rot des rasenden Zornes, Zuckt durch den Weltenraum und entzündet die Spitzen der Felsen. Bitter tobt die Wüste und schüttelt mit sengenden Fluten In ein Chaos die himmlischen Höh'n und höllischen Schlünde. Sieh7 da! Löwen und Parder, geschleppt in sinnlosem Wirbel, Fortgerissen vom Sturm, voll Entsetzen, mit starrenden Mähnen, Toben, brüllen und glüh'n ~~ wie Blitze funkeln die Augen — Scheinen die Luft zu durchfegen, ohnmächtig iip wirren Getümmel.

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