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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 153 (sequence 175)
Language
German
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IRI
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öffnet den Mund nach dem Glanz und sprüht in goldenen Schuppen, Wie der Wüste spielendes Kind, in der Weite vereinsamt. Plötzlich errafft sich die Schlange und wälzt sich und schießt von der Stelle, Gleitend, sich krümmend und eilends entlang dem brennenden Boden, Trifft aufs Lager der Leichen und stockt und hemmt jede Regung, Hebt ein Drittel des Leibs, die Säule mit zaubrischen Zeichen, Goldgekrönt, und reckt ihren Hals und blitzt mit den Augen —* Bis an's Ende durchspähend das Lager des schlafenden Feindes, Groß ist die Schar, ohne Zahl, kein Ende nehmen die Körper, Himmeloffen ihr Antlitz, die Augenbrauen voll Grimmes — Jäh aufloht da der Urschlange Haß, bis heute getreten, Wird zur grünlichen Flamme im bösen Auge der Natter. Wut durchläuft ihren Leib vom Kopf bis zum zuckenden Schwänze — Wie sie sich senkt, da zittert sie ganz und schlingt sich und gäret, Dräut den grimmigen Schlag herab auf die Rücken der Toten, Stößt ihr grauses Haupt von sich in siedendem Zischen, Und die schwarzen Spalten der Zunge brennen und toben. Plötzlich —' schwankt die Natter, den Kopf nach rückwärts verziehend, Bebt vor der ruhenden Pracht, der schlummernden, machtvollen Hoheit, Fährt ihre Länge zurück, schlägt sich zur Seite und flüchtet. Nur noch ein Wispern, ein Schwanken und Blitzen in schimmernden Fernen —' Wieder ist's still wie zuvor. Nichts sdireckt die schlafenden Riesen. — Qinkt die Mondesnacht und lagert auf Steppe und Felsen, *J Weiß und schwarz umhaucht, es bedeckt und enthüllt sich die Öde, In dem bleichen Scheine verschwimmen die Spuren des Sandes. Schwere Schatten lagern am Grund der ragenden Felsen, Gleichend Riesengeschöpfen, den Rätseltieren der Urzeit, Nächtlich als Zeugen bestellt, ein Urgeheimnis zu hüten — Und vor dem frühesten Grau'n verschwinden sie, wie sie gekommen. Trüb überspäht der Mond das dreifach tiefe Geheimnis —- Nacht und Öde und Urzeit — gießt alles in heimliches Leuchten. Trüb ist die Wüste, durchträumt von schauriger Leere des Daseins, Heulen geht durch den Raum — das weint in die Länge und Weite. — Plötzlich — taucht hervor ein mächtiger, prachtvoller Löwe, Schreitet sicher und ohne Hast zum Lager, bleibt stehen, Hebt sein prangendes Haupt und streckt den mähnigen Nacken. Seine flammenden Augen durchspähen das Lager des Feindes Groß ist das Lager und weit ~- drin schaltet erhabenes Schweigen. Riesen schlafen stumm, bewegen nicht Braue noch Wimper,

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